«Waschweiber» am Dorfbrunnen, Foto: zVg

«Waschweiber» am Dorfbrunnen  Fotos: zVg

Ettingen goes Hollywood

Ettingen feiert. Vor 750 Jahren wurde das Dorf am Nordfuss des Blauen erstmals nachweisbar erwähnt. Pünktlich zum Dorffest – vom 7. bis 9. September – werden in sieben Kurzfilmen Ereignisse aus dem Dorfgeschehen bis zum Zweiten Weltkrieg mit einem professionellen Leitungsteam und mit über hundert Laiendarstellern gezeigt.

 

Winterszene mit Thomas Stöcklin an der Kamera, Foto: zVg

Winterszene mit Thomas Stöcklin an der Kamera  Foto: zVg

 

Aus dem Jahr 1268 gibt es erste vorhandene Dokumente, obwohl im Ettinger Büttenenloch schon aus der Zeit der Höhlenbewohner Spuren von menschlichem Leben gefunden wurden. Was machen wir? Einfach ein Dorffest mit Beizli, Umzügen und Reden? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Organisationskomitee vom Verein 750 Jahre Ettingen und beschloss, dass zum Fest auch etwas Kulturelles, etwas Erlebbares, etwas Bleibendes geschaffen werden soll. So fand man in der Person des Lehrers und Theatermachers Benno Graber einen erfahrenen Mann, der vorschlug, einen Film über historische Ereignisse in Ettingen zu drehen.

Die Macherinnen und Macher

Benno Graber (Produktionsleitung, Musik, Drehbuch) ergänzte sein Leitungsteam mit bekannten und erfahrenen Personen aus der Film- und Schauspielszene: Salome Jantz (Drehbuch, Erzählerin), David Bröckelmann (Regie, Schauspiel) und Thomas Stöcklin (Kamera und Schnitt). Mit ihnen war gewährleistet, dass ein professionell gemachtes und geschichtlich wertvolles Filmdokument entstehen konnte. In sieben Episoden erzählen die Kurzfilme von besonderen Begebenheiten aus der Ettinger Dorfgeschichte. 

 

Von links: David Bröckelmann, Salome Jantz, Benno Graber, Foto: zVg

Von links: David Bröckelmann, Salome Jantz, Benno Graber  Foto: zVg

 

Erste Nennung

Die erste schriftliche Aufzeichnung von Ettingen stammt aus dem Jahr 1268. Damals lieh Ritter Hugo Münch von Münchenstein dem Zisterzienserkloster Lucelle den dritten Teil zweier Schupposen (Kleinbauernhof) im Dorf Ettingen. Im Film begegnet eine mittelalterliche Familie im heutigen Dorf erstaunlichen Dingen. Und aus dem Büttenenloch rufen Höhlenbewohner: «Wir waren schon viel früher da!»

Schwedenüberfall

Während des Dreissigjährigen Krieges wurde Ettingen durch die Schweden «heimgesucht». Brandschatzung und Plünderungen trieben das Volk in den Wald. Dieser Kurzfilm berichtet über diese Ereignisse. 

Armut in Ettingen

Diese Episode zeigt das bäuerliche Leben vor 200 Jahren, zu einer Zeit, als viele Menschen wegen Hungersnöten auswanderten. Nachgespielt wird ein Konflikt aus dem Jahr 1817, als ein junger, verheirateter Bauer sich in die Tochter eines Knechtes verliebte und diese schwängerte. Aus dem angesehenen Bürger wurde ein Verbrecher. Er musste in Basel ins Gefängnis und verlor sein Ansehen im Dorf. 

Schwierige Heimkehr  

Im Jahr 1873 wanderte eine Gruppe aus Ettinger Schützen und Musikanten nach Metzerlen an ein Schützenfest. Auf dem Rückweg entschied sich die fröhliche Gruppe, singend durch Leymen zu marschieren. Das kam dort nicht gut an. Damals war Leymen für einige Jahre deutsches Gebiet. Der Durchmarsch wurde als bewaffneter Grenzüberschritt betrachtet. Die Gewehre wurden konfisziert und es kam bis hinauf auf die Regierungsebene zwischen Bern und Berlin zu Spannungen.

Pfarrer Jeissi – Kirchengeschichte

Im Zentrum dieser Episode steht das 50-jährige Jubiläum von Pfarrer Jeissi, einem Laufentaler, welcher Ende des 19. Jahrhunderts als Pfarrer von Ettingen gewählt wurde. Dieser Film gibt einen Einblick in die Kirchengeschichte, welche auch vor längerer Zeit mit der Zugehörigkeit zum Kloster Reichenau (im Untersee) durchaus turbulent war.

Tourismus in Ettingen

Ettingen war vor 100 Jahren für die Basler eine touristische Attraktion. Das Bad Ettingen war ein beliebtes Kurhotel. Der Film zeigt, wie damals Welten aufeinander trafen: Die Städter am Kuren und abends am Sich-Vergnügen im Hotelrestaurant, die einfache Dorfbevölkerung dagegen bis spät mit Heimarbeit für die «Chlämmerlifabrik» beschäftigt. Zu jener Zeit beschloss die Birsigtalbahn (BTB), die Preise zu erhöhen. Dies führte zu Protesten in der Bevölkerung. Wütende Leimentaler wehrten sich dagegen. 

Ein Flüchtling im Zweiten Weltkrieg 

1941: Die deutschen Truppen sind in Grenznähe. Die Bewohner machen sich Sorgen. Werden wir von den Nazis überrannt? Wohin flüchten wir? Damals war Ettingen auch ein Zufluchtsort für einen deutschen Flüchtling, welcher aus humanitären Gründen aufgenommen wurde und dessen Anwesenheit im Dorf durchaus zu Kontroversen geführt hat. 

 

Mit gegen 150 Laiendarstellerinnen und Laiendarstellern, die in den zur jeweiligen Zeit passenden Kostümen und mit den entsprechenden Requisiten auftreten, konnte man eine stattliche Anzahl Dorfbewohnerinnen und -bewohner begeistern, an diesem einmaligen Projekt mitzuwirken. Die sieben Kurzfilme können am Dorffest an sieben verschiedenen Standorten auf Videogeräten gesehen werden. Das aufwändige Filmprojekt kam dank der Unterstützung diverser Sponsoren zustande.

 

Text: Werner Thüring