Die Freilichtaufführung von Schillers «Die Räuber» überzeugte 2015 die Jury des Jugendprojektwettbewerbs des Kantons Solothurn auf der ganzen Linie. Fotos: zVg

Die Freilichtaufführung von Schillers «Die Räuber» überzeugte 2015 die Jury des Jugendprojektwettbewerbs des Kantons Solothurn auf der ganzen Linie.  Fotos: zVg

Fünf Jahre Junge Bühne

Vor fünf Jahren gründete Andrea Pfaehler mit weiteren vier Idealisten den Verein Junge Bühne. Unterdessen sahen 9000 Zuschauerinnen und Zuschauer vier Stücke in 35 Vorstellungen. Nach Shakespeare, Schiller, Ibsen und Molière steht dieses Jahr ein Stück aus der Feder der Regisseurin Andrea Pfaehler auf dem Spielplan. 

 

Verblüffend authentisches Barockambiente im «Palais Royal» von 2017, Foto: Christoph Weisse

Verblüffend authentisches Barockambiente im «Palais Royal» von 2017  Foto: Christoph Weisse

 

Die Aufführungen der Jungen Bühne im Goetheanum bestechen durch die Üppigkeit der Ausstattung und der Kostüme, das tiefsinnige und doch leichtfüssige Spiel und die Vielseitigkeit der Agierenden. Da gibt es nicht nur präzise Sprache zu hören, sondern auch konturierte Mimik, Tanz- und Gesangseinlagen, Akrobatik und Fechtkunst zu sehen. In bester Erinnerung ist der geistreiche Kostümrausch des «Palais Royal – Komödien des Monsieur Molière» von 2017. Beim Jugendprojektwettbewerb Solothurn 2015 erhielt die Junge Bühne in der Kategorie Institutionen den 1. Preis. Neben Andrea Pfaehler, welche die Kurse leitet und Regie führt, gibt es noch andere wichtige Mitarbeitende, die in den sorgfältig gestalteten Programmheften aufgeführt werden. Im neuen Stück geht es unter anderem um Flüchtlingsströme und den Zusammenprall der Kulturen und Religionen. Das BirsMagazin hat mit Andrea Pfaehler gesprochen.

 

Starke schauspielerische Leistungen in Ibsens «Peer Gynt» im Jahre 2016, Foto: Christoph Weisse

Starke schauspielerische Leistungen in Ibsens «Peer Gynt» im Jahre 2016  Foto: Christoph Weisse

 


«Es braucht Fantasie»

Birsmagazin: Andrea Pfaehler, wie ist die Idee für die Junge Bühne entstanden und welche Motivation stand dahinter?

Andrea Pfaehler: Entstanden ist die Junge Bühne 2012 durch die Anfrage von zwei theaterbegeisterten Jugendlichen. Die erste Produktion war eine Adaption des Sommernachtstraums von Shakespeare für fünf Schauspieler. 2013 folgte der Theaterkurs für Jugendliche am Goetheanum. 2014 gründeten wir den Verein Junge Bühne. Das Ensemble umfasste anfangs fünfzehn Personen und wuchs bis letztes Jahr auf zweiundzwanzig. In diesem Jahr sind es neunzehn Jugendliche aus sechs verschiedenen Schulen. Wir feiern also unseren fünften Geburtstag. Es sind noch fünf Jugendliche der ersten Stunde dabei. Das ist fantastisch. 

 

Autorin und Regisseurin Andrea Pfaehler, Foto: zVg

Autorin und Regisseurin Andrea Pfaehler  Foto: zVg

 

Nach welchen Kriterien werden die Stücke ausgewählt?

Vor allem schaue ich, was zur jeweiligen Gruppe passt. Es muss ein Stück mit vielen Rollen sein, das einen unterhaltenden, aber doch tiefgründigen Inhalt hat. Ich mache einen Vorschlag. Das Team der Jungen Bühne, das aus fünf Dozenten besteht, entscheidet dann gemeinsam, welches Stück es sein wird. Bis jetzt haben wir uns auf Klassiker konzentriert, weil dies dem Wunsch der Jugendlichen entsprach. Das kam mir entgegen, denn es handelt sich ja um die besten Theatertexte der Welt. Es geht der Jungen Bühne um zweierlei, einerseits um individuelle Förderung und Persönlichkeitsentwicklung anhand der Schauspiel-, Sprach- und Bewegungskunst, andererseits um die Aufführung am Ende der monatelangen Trainingszeit als Höhepunkt und die theatrale Begegnung mit den Zuschauern. Ich habe jeweils sehr stark in die Texte eingegriffen, um sie für uns spielbar zu machen.

Warum bringen Sie 2018 ein selbstgeschrie-benes Stück auf die Bühne?

Die Idee, ein Stück zusammen mit den Jugendlichen zu schreiben, erwies sich als nicht realistisch. Also schrieb ich selbst ein Stück, wobei ich die Jugendlichen stets in Gedanken und im Herzen dabei hatte. Mir war die Rollenzuteilung schon bald klar, so dass es doch irgendwie ein gemeinsames Stück geworden ist. 

Wie werden die Schauspielerinnen und Schauspieler ausgewählt? Ist die Nachfrage gross? Welches ist die Altersspanne?

Man kann sich ab fünfzehn Jahren bewerben. Weil es so viele Anfragen gab, mussten wir ein sogenanntes Vorsprechen und ein Kennenlernen einführen. Der oder die Jugendliche bereitet einen Monolog vor und nimmt am Sprach- und Tanzunterricht teil. Wichtig ist uns, dass ein gutes Zusammenarbeiten sowie die Beweglichkeit, auf Anregungen oder Korrektur einzugehen, sichtbar werden. Es braucht auch Fantasie und Freude an der Arbeit. Da wir sehr viel und intensiv arbeiten, ist es wichtig, dass die Junge Bühne im Alltag des Einzelnen einen gebührenden Platz einnimmt.

 

Text: Thomas Brunnschweiler