Ein Wickel wird angelegt. Foto: Christian Jaeggi

Fotos: zVg

Mehr als gut beraten

Ein wesentlicher Teil der Anthroposophischen Medizin sind ihre Heilmittel. Gallus Stöckler, Leiter des Bereiches Pharma in der Klinik Arlesheim, und seine Teams sorgen dafür, dass diese Heilmittel ausreichend zur Verfügung stehen. Er gibt hier Auskunft über seine Tätigkeit.

 

Verena Jäschke: Was ist das Besondere an Ihrer Apotheke?

Gallus Stöckler: Wir haben schon seit längerer Zeit das Zertifikat «Anthromed Pharmazie». Neben den damit verbundenen Auflagen, die wir selbstverständlich erfüllen, bedeutet dies, dass wir ein überaus breites Angebot an anthroposophischen Heilmitteln vorrätig haben. Wenn sich Menschen von uns zu bestimmten Themen beraten lassen, geben wir primär anthroposophische Medikamente ab. Zudem stellen wir Medikamente selbst her – sowohl in unserer Apotheke als auch in unserem Heilmittellabor. In der Region gibt es kein anderes vergleichbares Angebot.

Warum haben Sie diesen Schwerpunkt gewählt?

Der Grund liegt ganz klar in der Verbindung zur Klinik Arlesheim. Diese ist weltweit die erste Klinik für Anthroposophische Medizin. Seit 1921 wird die Schulmedizin ergänzt durch individuelle, ganzheitliche Methoden und benötigt auch entsprechend andere Heilmittel. Hier wird echte integrative Medizin betrieben. Und das führe ich in unserer Apotheke auch weiter. Als ich 1996 die Apotheke übernahm, waren schulmedizinische und anthroposo-phische Medikamente getrennt im Lager, «Apartheid» nannte ich das. Heute präsentiert sich alles zusammen und reicht von Arnika und Aspirin bis hin zu Zink und Zyloric.

Warum hat die Klinik überhaupt eine eigene Apotheke?

Wir sind eine Spitalapotheke, das heisst, wir führen die Heilmittel, die im stationären Bereich der Klinik erforderlich sind. Dabei profitiert das Spital vom breiten Angebot einer öffentlichen Apotheke, als die wir uns ebenfalls profiliert haben. Schon Ita Wegman war es in den Gründungszeiten wichtig, dass sie über die Möglichkeit verfügte, eigene Heilmittel herstellen zu können. Die Nähe der Heilmittelherstellung zur Klinik hat sich immer wieder bewährt, indem man den Bedarf am Patientenbett aufnehmen und die notwendigen Heilmittel entwickeln kann. So sind aus der engen Zusammenarbeit mit den Spitalärzten schon etliche hilfreiche Arzneien entstanden.

 

Ernte, Foto: zVg

Ernte

 

Ist denn auch die Herstellung anders?

Unsere Heilmittel stellen wir fast ausschliesslich in Handarbeit her. Wir verarbeiten Frischpflanzen nach rhythmischen Verfahren. Bei der Ernte wird auf einen schonenden Umgang mit Natur und Landschaft geachtet. Einen Teil des Heilpflanzenbedarfs erhalten wir aus unserem Klinikgarten in biologisch-dynamischer Qualität. Spezielle Herstellungsverfahren erhalten oder steigern die heilenden Eigenschaften der Natursubstanzen, die Grundlage unserer Heilmittel sind. Wir stellen auch zahlreiche Pflegeprodukte und Nahrungsergänzungsmittel her, die in der Apotheke und im Quinte-Shop erhältlich sind. Die Heilmittelherstellung ist zudem auch ein Teil der Ausbildung unserer Assistenzärzte, was ich persönlich sehr schätze. 

 

Zubereitung, Foto: zVg

Zubereitung

 

Apotheker bei der Vorbereitung einer individuellen Rezeptur, Foto: zVg

Apotheker bei der Vorbereitung einer individuellen Rezeptur

 

Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?

Ich kann voll zu den Produkten stehen, die ich hier abgebe, respektive, mit denen ich die Patientinnen und Patienten versorge. Vor allem freut es mich, dass ich schulmedizinische Medikamente sparsam einsetzen kann, aber sie auch nicht verleugnen muss. Wir machen eine sinnvolle Kombination von schulmedizinischen und anthroposophischen Heilmitteln. Entsprechend dieser Ausrichtung beraten wir auch unsere Kunden. Seit gut einem Jahr haben wir eine neue Apotheke. Nach der Fusion der beiden Kliniken war es eine logische Konsequenz, auch die beiden Apotheken zusammenzulegen. Der neue Standort zwischen den beiden Häusern ist optimal – vor allem auch mit der Nähe zu unseren Arztpraxen. Die beiden Sortimente ergänzen sich sinnvoll. Vor allem aber ergänzen sich die beiden Teams hervorragend. In der Zusammenarbeit aller Mitarbeitenden ist unglaublich viel Kompetenz vorhanden. Jede Mitarbeiterin im Team hat ihre Schwerpunkte, sodass wir zu den verschiedensten Themen kompetent beraten können. Insofern bin ich froh, dass wir in unserer neuen Apotheke auch ein Beratungszimmer haben, in dem wir in geschützter Atmosphäre unseren Patientinnen und Patienten weiterhelfen können – sei es, um ihnen das neue Inhalationsgerät oder den Blutdruckmessapparat zu zeigen oder sie für das Blutzuckermessen zu instruieren oder einfach einmal zuzuhören.

 

Text: Verena Jäschke