Urs Büeler steigt oft selber auf die Leiter, denn Pflücker sind schwer zu finden. Foto: Christian Jaeggi

Urs Büeler steigt oft selber auf die Leiter, denn Pflücker sind schwer zu finden. Foto: Christian Jaeggi

Apfel ist nicht gleich Apfel

Sie tragen so klingende Namen wie «Kaiserapfel» oder «Süsser Verenacher». Oder eben «Edelchrüsler», von dem der Verein zur Erhaltung alter Hochstamm-Obstsorten den Namen entliehen hat. Biobauer Urs Büeler betreut einen der zehn Standorte in der Region.

 

Urs Büeler (59) ist auf Zack, redet schnell und gibt während des Interviews links und rechts noch ein paar Anweisungen. Gestresst wirkt er aber nicht, sondern eher wie einer, der viel schafft, aber mit Überzeugung. Landwirtschaft sei etwas Lässiges, sagt er denn auch, und schiebt gleich hinterher: «Es ist aber eine Nullrechnung.» Mit seiner Frau und drei Mitarbeitern betreibt er den Neumatthof in Aesch, ein Biohof mit 55 Milchkühen und Ur-Dinkel- sowie Winterweizenanbau, insgesamt 40 Hektaren Land. Darauf stehen rund 190 Bäume. 150 davon sind Kirsch-, Nuss- und andere Obstbäume, 40 sind Hochstammbäume mit alten Apfelsorten, wovon wiederum 30 «im Beitrag sind». Will heissen, dass Büeler für die Pflege und den Erhalt dieser alten Obstsorten-Bäume mit einem Beitrag von 50 Franken pro Jahr und Baum vom Kanton entschädigt wird.

 

Liebslingsapfel

 

Robust und ans Klima angepasst

Büeler ist Mitglied im Verein Edelchrüsler (siehe Infobox). Auf seinem Land wachsen achtzehn verschiedene alte Apfelsorten, allesamt robust, doch hat jede einen eigenen Habitus und eine eigene Reife- und also auch Erntezeit. Gespritzt wird gar nichts, nicht einmal biologische Mittel. «Wenn man jahrelang keine Pestizide einsetzt», erklärt Büeler, «bildet sich ein Kreislauf von Nützlingen und Schädlingen. Mal gibt es Läuse und Pilze, aber nie zu viele. Andrerseits gibt es Vögel, Insekten, Naturwiesen. Langfristig entsteht so ein Gleichgewicht, bei dem nie alles kaputtgeht. Aber man hat eben auch nur den halben Ertrag.» Hochstammobstgärten sind ökologisch wertvolle Lebensräume für viele Vögel, Kleinsäuger und Wirbellose. Aber sie brauchen Platz; mindestens zehn auf zehn Meter Freiraum pro Baum. Je nach Standort, Wachstum und Menge der Früchte sind entsprechende Pflegeschnitte nötig. Büeler schneidet seine Bäume auch so, dass sie möglichst viel Schatten werfen. Denn unter den Bäumen grasen nicht etwa Kühe, sondern es werden Hunde trainiert; Büeler hat einen Teil seines Lands an eine Hundeschule vermietet. Ausserdem bietet er diverse Seminare an und erteilt Musikunterricht – alles in allem ein erfolgreiches Unternehmen. 

Riesige Geschmackspalette

 

Urs Büeler will auf seinem Hof sein eigener Chef sein und verzichtet deshalb auf gewisse Direktzahlungen.

Urs Büeler will auf seinem Hof sein eigener Chef sein und verzichtet deshalb auf gewisse Direktzahlungen.

 

Doch zurück zu den Äpfeln. Diese wandern nach der Ernte in die Kühlzelle, und wenn alle Sorten beisammen sind, macht sich Büeler ans Mischen. Denn seine Äpfel sind – mit Ausnahme des Boskops für Öpfel­chüechli und des Baselbieter Lederapfels für Wildteller – ausschliesslich Mostäpfel. Für die Mischung entscheidet sich Büeler jeweils für drei bis vier verschiedene Sorten, kostet sie, beisst sie an, kombiniert. Die einzelnen Mischungen reichen von eher sau­er über süsslich bis zu rassig. Geschmacklich interessant müssen sie sein, und jeder Jahrgang ist anders. «Fast wie beim Wein», lacht Büeler, und fügt an: «Das ist die Leidenschaft. Deshalb mache ich das mit den alten Hochstammbäumen. Wegen dieser riesigen Geschmackspalette.» Die modernen Apfelsorten findet er einfach nur langweilig. Büeler produziert rund tausend Liter Süssmost im Jahr, um die sich seine Stammkunden reissen. Verdienen tut er daran nichts, aber zumindest sind die Kosten gedeckt.
An ein Umdenken in Bezug auf alte Sorten glaubt Büeler nicht. Er sieht es eher als Leidenschaft einer kleinen Gruppe, denn heute will der Konsument nun mal grosse, untadelige Früchte. Obwohl er selber kaum Rohäpfel isst, hat er doch eine Lieblings­sorte: die Ananas-Reinette, die beim Anbeissen tatsächlich an eine frische Ananas erinnern soll.

 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi