Silvano Immeli war einer der ersten, der in unserer Region auf Trüffelsuche ging. Foto: Christian Jaeggi

Silvano Immeli war einer der ersten, der in unserer Region auf Trüffelsuche ging. Foto: Christian Jaeggi

Auf der Suche nach der Knolle

Silvano Immeli aus Münchenstein und seine Lagotto-Hündin Jesca sind ein eingespieltes Team. Jeweils ab Mitte Juni durchstreifen die beiden fast täglich einen ihrer zehn – natürlich – geheimen Plätze in der Region auf der Suche nach der schrumpeligen Delikatesse Trüffel.

 

Die Hündin erinnert auf den ersten Blick an einen Pudel, doch wenn ihr Herrchen mit ihr unterwegs ist, wird bald klar, dass in dem krausen Fell ein Suchhund steckt. Wie selbstverständlich und ohne spezielle Aufforderung senkt die zwölfjährige Jesca die Nase, streift kreuz und quer durchs Unterholz. Immeli hat sie selber zum Trüffel­suchen ausgebildet und erkennt es mitt­lerweile an ihrer Körperhaltung, wenn sie Beute gerochen hat: Stolz aufgerichtet, die Rute steil in die Höhe gereckt – dann heisst es bereit sein. 

 

Erschnüffeln ... ausgraben ... ernten.  Und sich freuen!

Erschnüffeln ... ausgraben ... ernten.  Und sich freuen!

Erschnüffeln ... ausgraben ... ernten. Und sich freuen!

Erschnüffeln ... ausgraben ... ernten. Und sich freuen!

 

Nicht nur holen

Denn wenn Jesca losstürmt, nimmt sie keine Rücksicht darauf, ob ihr das Herrchen über steile Abhänge oder durch Dornen­gestrüpp folgen kann. Dennoch sollte Immeli schneller sein als der Hund, der am Fundort sofort zu scharren beginnt. Aber Jesca lässt sich gerne von dem angebotenen Leckerli überzeugen, sodass ihr Herrchen die schrumpelige Knolle mit dem Stechwerkzeug vorsichtig aus dem Boden heben kann. «Es ist sehr wichtig, das Loch wieder sorgfältig zu verschliessen», betont er. Denn die Schlauchpilze, zu denen die Trüffel gehören, können nur in einer Symbiose mit einem geeigneten Wirtsbaum leben – in unserer Region vor allem Buchen – und sind durch feinste Fasern mit dessen Wurzeln verbunden. Das Ausgraben kommt einer Verletzung gleich. Auch Trüffelreste oder verwurmte Exemplare sollten wieder vergraben werden, damit sich die Trüffel-Sporen verbreiten können, zum Beispiel im Kot der Wildschweine. «Man kann nicht nur holen», meint Immeli. 

Fünf Monate Reifezeit

Seine Beute verkauft Immeli direkt an einige Restaurants, wird dabei aber nicht reich. Auf Trüffelmärkten ist er nicht anzutreffen, und er selber isst auch kaum mehr Trüffel. Und wenn, dann am liebsten die Weisse, «die Königin». Diese kann roh über Pasta oder Risotto gehobelt werden, während die Schwarze gekocht werden muss. Heuer wurde Immeli erst im Juli fündig. Er schreibt dies hauptsächlich der Trockenheit der letzten Jahre zu. Vor allem im Frühling sollte es regnen, denn die Trüffel braucht etwa fünf Monate, bis sie reif ist. «Aber manchmal», lacht er, «hat halt auch der Hund einfach keinen Bock». Denn Trüffelsuchen mag für den Menschen ein Hobby sein – für den Hund ist es eine richtig anstrengende Arbeit.

 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi