Endlich Ruhe. Nur die Grillen zirpen einen in den Schlaf. Foto: Christian Jaeggi

Endlich Ruhe. Nur die Grillen zirpen einen in den Schlaf. Foto: Christian Jaeggi

Eine Reise nach Damals

Einige kommen für Kaffee und Kuchen oder für ein Bier mit Wurst und Brot. Andere lassen es sich mit Wein und Käse gut ergehen und Ruhesuchende bleiben gleich ein paar Tage.

 

Die Abendsmatt ist so einfach wie wünschenswert. Die Gastgeberinnen Margret und ihre Schwägerin Annemarie Schmutz haben ihr ehemaliges Kurhaus täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Rauchwurst, Käse, Trockenfleisch, Torten, Kuchen und Wähen, es mangelt an nichts. Der Wein ist lokal und wird am Dielenberg in Oberdorf geerntet, die Ingredienzen stammen aus dem eigenen Bauernbetrieb oder werden regional eingekauft. So wie es sein soll. Am Tage des Herrn wird nicht gearbeitet, und so wartet bei der kleinen Frischluft-Hofverkaufstheke das Nötigste auf durstige und hungrige Wanderer und Spaziergänger. Manchmal gibt’s auch Hofglacés, und immer einmal im Monat hat die Familie Schmutz am Sonntag mit ihren Stammgästen Erbarmen und öffnet ihre gute Stube mit Kachelofen. Nicht zu vergessen der Freisitz, der gerade durch seine Schlichtheit besticht.

 

Einst ein Kurhaus, heute ein Rückzugsort  für Müssiggänger. Foto: Christian Jaeggi

Einst ein Kurhaus, heute ein Rückzugsort  für Müssiggänger.

 

Ideal für Nachtwandler

 

Auf den knarrenden Treppenstufen gehts ins Schlaf­gemach

Auf den knarrenden Treppenstufen gehts ins Schlaf­gemach

 

In einer Zeit, als Kurorte in der Region noch im Trend lagen und Flugzeuge der höhe­ren Einkommensklasse vorbehalten waren, kamen bis zu 40 Kurgäste in die Abendsmatt, um sich bei guter Landluft und gesundem Essen vom städtischen Strapazen zu erholen. Heute bietet die Familie Schmutz einige ihrer einfachen, schön gealterten Zimmer als B&B an, das von Gästen genutzt wird, die eine unkomplizierte und preiswerte Auszeit zu schätzen wissen. Wohlverstanden, Dusche und Toilette befinden sich auf der Etage, was ja aber gerade den Reiz ausmacht, vor allem auch nachts. 
Bilder, Uhren, Klavier, Tische, Stühle und Gehäkeltes – es ist alles da für eine Reise zum Grosi. Einfach ohne Grosi, die müsste man schon mitnehmen. 
Auf der Abendsmatt scheint die Zeit still­zustehen oder zumindest langsamer zu gehen, was zu kurz gedacht ist, kommuniziert die Familie Schmutz doch neuerdings auch per Facebook, was wiederum hilft, wenn man wissen will, was aktuell auf dem Hof gerade so läuft. Zum Beispiel an einem Sonntag.

 

Text: Martin Jenni, Foto: Christian Jaeggi