Der böse Wolf für Margrit Gysins neues Stück entsteht; Premiere 15. September 2019 im Theater Palazzo. Foto: Christian Jaeggi

Der böse Wolf für Margrit Gysins neues Stück entsteht; Premiere 15. September 2019 im Theater Palazzo. Foto: Christian Jaeggi

«Figurentheater ist eine Kunst»

Puppen- und Figurentheater fasziniert seit jeher Jung und Alt. Dass die Figuren durch Menschenhand lebendig werden, macht ihr Geheimnis aus und berührt unmittelbar die Seele.

 

Michael Huber ist ein Tausendsassa in Sachen Puppen- und Figurentheater-Spiel. Auf der Bühne, hinter der Bühne und auch als Dozent, Vermittler und Förderer prägt er seit Jahren diese filigrane Kunst.
Huber entwickelt und baut alle Figuren für seine Inszenierungen selbst. «Figuren für das Figurentheater müssen technisch so einfach wie möglich konstruiert sein, damit beim Spielen die ganze Konzentration auf die Rolle und den Ausdruck der Figuren gerichtet werden kann», weiss der 66-Jährige aus Erfahrung. «Für mich brauchen die Figuren eine Theaterseele. Sie wird durch die liebevolle und sorgfältige Herstellung ermöglicht und wächst beim Spielen in die Spielfiguren hinein. Trotzdem bleiben sie Werkzeuge, ganz ähnlich wie Musikinstrumente.»
Michael Huber ist eine eindrückliche Erscheinung, fast wie eine eigene Bühnen­figur; sein markantes Gesicht könnte von ihm selbst geschnitzt sein! Er ist ein bescheidener, aber selbstbewusster, ambitionierter Künstler in der Kultur- und Theaterszene der Region und darüber hinaus.

 

Köbi hilft beim Birnenkuchen-Backen, nachdem Joggeli die Birnen endlich geschüttelt hat.

Köbi hilft beim Birnenkuchen-Backen, nachdem Joggeli die Birnen endlich geschüttelt hat.
 

Eine gewichtige Theatersparte

Noch zu oft wird das Figurentheater-Spiel stiefmütterlich behandelt. Zu Unrecht! «Figurentheater ist eine Kunst», postuliert Michael Huber. Er, Margrit Gysin und andere wie auch das 75 Jahre alte Marionettentheater Basel belegen seine Bedeutung, gerade für die Kinder, die so in die Welt der Bühnenkunst eintauchen. «Die Figuren­theater-Kunst ist wirkungsoffen: Die Spielenden bestimmen, was sie ins Spiel hineingeben, das Publikum bestimmt, was es davon mitnehmen will», so Huber. Dazu ist sein Spiel transparent, das Publikum sieht ihn immer als mitspielenden Hintergrundakteur.

Michael Huber gründete seine Tourneebühne 1985. Bis heute hat er 22 Inszenierungen kreiert, zwei ganz ohne Worte. Ei­nige Spiele wurden auf Französisch und Englisch übersetzt, auch zwei spanische und eine italienische Version existieren. Seine Bühne hat in 18 Ländern an zahl­reichen internationalen Figurentheater-Fes­tivals in Europa, Asien und Südamerika gastiert.
Auf YouTube unter «VJii Productions AG Michael Huber» findet sich «Eine ausser­gewöhnliche Sicht auf das Figurentheater», ein eindrücklicher Kurzfilm über Michael Huber und seine Arbeit.
Hubers Traum, im Raum Basel ein eigenes Theater für das Figurenspiel zu haben und zu betreiben, hat sich leider bis jetzt nicht erfüllt.

Pläne für die Saison 2019/20

Michael Huber legt einen Schwerpunkt wieder auf Schulvorstellungen, nachdem diese in den vergangenen Jahren zurückgegangen waren. Damit gibt es für die Lehrkräfte die Gelegenheit, die lebendige, zauberhaft inszenierte Bilderbuchgeschichte «Joggeli wott nid ...» oder die faszinierende Märcheninszenierung «Stivalino – der Gestiefelte Kater» in die Schule zu holen.
Zurzeit arbeitet Huber an seiner neuen Inszenierung, die nach der Premiere im Herbst in einem Jahr auf Tournee gehen wird.

 

Text: Fredy Heller, Fotos: Christian Jaeggi