Ein wunderschöner Korb voller Natur mit Zucchini, Auberginen, Krautstiel und Sonnenblumen. Foto: Christian Jaeggi

Kurze Fotopause beim Frühlingseinsatz an der Lützel: Für den Lützelverein, der sich ganz allgemein für die Natur einsetzt, bedeuten der Bach und seine Umgebung  eine Herzensangelegenheit. Foto: Martin Staub

Perspektiven für die Zukunft

Hinter dem Namen Nuglar Gärten versteckt sich eine nachhaltige und solidarische Landwirtschaft, die der Konsument im Abonnement genussvoll erleben kann. 

 

Die Ernährung von heute mutiert zur Herausforderung. Der Mensch isst nicht einfach mehr das, was auf den Tisch kommt, sondern er stellt sich die Frage, was er überhaupt noch essen will. Will er nun ein omnivorer Esser, ein Flexitarier, Pescetarier, Vegetarier, Veganer oder gar ein Frutarier sein? Ja, und dann gäbe es da noch die Möglichkeit eines AVAP, «as Vegan as pos­sible». Das ist die eine Seite. Die andere ist, was will der Konsument von wem noch was beziehen? Nicht nur beim Fleisch, auch beim Gemüse stellt sich diese Frage. Was ist ökologisch, was macht Sinn. Und Hand aufs Herz – wer weiss noch beim Einkauf im Detailhandel, welches Gemüse wann Saison hat? Eben! Aber wie komme ich effektiv zu nachhaltig produzierten Lebensmitteln?

 

In der Farbe unterschiedlich, im Geschmack gleich –  der Krautstiel

In der Farbe unterschiedlich, im Geschmack gleich – der Krautstiel

 

Gemeinsame Verantwortung

Die Vereinigung der Nuglar Gärten hat mit ihrer solidarischen Landwirtschaft (kurz Solila) eine Antwort auf diese Fragen. Auf sieben Hektaren Landwirtschaft in und rund um Nuglar-St. Pantaleon bewirtschaftet sie nach biodynamischer Methode, ergänzt durch die Methoden und Prinzipien der Permakultur (siehe Info-Box), rund 20 Parzellen, die in Äcker, Gärten, Obst- und Beerenhaine aufgeteilt sind. Auf dem Gelände hat es auch alte Obstbäume (Hochstämmer) mit Kirschen, Zwetschgen, Mi­rabellen, Birnen und Nüssen, die liebevoll gepflegt und genutzt werden. «Die Solila hat sich zum Prinzip gemacht, dass die ano­nymen indirekten Verhältnisse zwischen Konsument und Produzent aufgelöst und die Bedürfnisse beider Seiten verknüpft werden. Gemeinsame Verantwortung über­nehmen bedeutet, dass nicht mehr das einzelne Produkt, sondern ein Anteil an die Betriebskosten bezahlt wird», erklärt die Präsidentin der Vereinigung, Zoé Beutler. Was heisst das für den Konsumenten? 
«Die Ernte, der effektive Ertrag den wir erzielen, wird unter den Mitgliedern, die ein Ernte-Abo besitzen, jede Woche aufgeteilt – und in unseren Depots bereitgestellt», ergänzt Zoé Beutler.

 

Stillleben mit Gemüse und Amon Vogel

Stillleben mit Gemüse und Amon Vogel

 

Zurück zur gesunden Ernährung

Das Grundkonzept der Solidarischen Landwirtschaft schafft ein Bewusstsein für den Wert des Lebensmittels. Die Nuglar Gärten setzen auf Handarbeit, benutzen keine kostenintensiven Maschinen und setzen den Fokus auf den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit und die Vielfalt der natürlichen Lebensräume von Flora und Fauna. Dazu Zoé Beutler: «Alle Mitglieder können in den Gärten mitwirken. Ohne Vorgaben von Mindesteinsätzen, wie das bei ande-ren solidarischen Landwirtschaftsbetrieben der Fall ist. Wir setzen auf die Lust und die Freude an der Arbeit in der Natur und das Interesse, bei der Produktion der Lebensmittel mitzuwirken. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zu helfen: Feldarbeit, Einmachen, administrative Aufgaben, Kinderbetreuung, Organisationsmithilfe oder für ein Fest einen Kuchen backen, wie zum Beispiel für unser Erntedankfest.» Apropos Erntedankfest. Das findet im kleinen Rahmen Ende Oktober in den Nuglar Gärten statt und bietet sich für Frischlinge geradezu an, eine Runde Nuglar-Garten-Luft zu schnuppern.

 

Die Nuglar Gärten-«Gärtner» Amon Vogel (l.) und Samuel Grünbauer-Ott

Die Nuglar Gärten-«Gärtner» Amon Vogel (l.) und Samuel Grünbauer-Ott

 

Öffentliche Ackertouren

Neben der Produktion des Gemüses hat der Verein seit drei Jahren auch ein inter­nationales Bildungsprojekt zum Thema globale Landwirtschaft und Ernährung in seine Arbeit aufgenommen. Wird die Acker­fläche der Welt durch die Anzahl Bewohner geteilt, ergibt das rund zweitausend Qua­dratmeter Land für jeden Menschen, auf dem alles wachsen könnte, was er zum Leben benötigt. «Es kommt einfach drauf an, was wir essen und wie wir anbauen. Sind wir im Einklang mit der Natur, funk­tioniert es», sagt Zoé Beutler. Auf einem Rundgang über den «Weltacker» bieten verschiedene Posten für Gross und Klein die Möglichkeit, sich in Themen der Landwirtschaft zu vertiefen. Und sonst? Mit dem Ernte-Abo kann man sich wöchentlich frisches, bio-dynamisches Gemüse nach Hause holen. Na ja, fast. Depots hat es bisher in Nuglar, Liestal, Basel und Dornach, in denen das Gemüse geholt werden kann, diese können aber beliebig ergänzt werden. Es gibt drei Abo-Grössen für kleine bis grosse Haushalte. 
Wer sich mehr an der Sache engagieren will, wird Mitglied des Vereins «Förder­gemeinschaft für einen sinnstiftenden Wandel der Landwirtschaft». Mit hundert Franken jährlich ist man dabei und kann an Veranstaltungen teilnehmen, auf dem Feld mitarbeiten oder in der Kerngruppe mit­organisieren. Neue Wege braucht das Land. Applaus.

 

Text: Martin Jenni, Fotos: Christian Jaeggi