Eingeschüchterter Rezensent mit Krimi-Ernte. Foto: Christian Jaeggi

Eingeschüchterter Rezensent mit Krimi-Ernte. Foto: Christian Jaeggi

Von gelungenen und gescheiterten Krimis

Diese Buchläden! Sie sehen so friedlich und einladend aus. Wenn Sie aber hineingehen und in die Krimiregionen geraten, dann springen Sie die amerikanischen Serienmörder an, und Sie waten bald bis zu den Knien im Blut. – Zum Glück gibt es auch andere Krimis.

 

Aus meiner Krimi-Ernte 2018/2019 präsentiere ich Ihnen hier gerne fünf Lieblinge, die vielleicht ein wenig blutarm, aber keineswegs langweilig sind, die von Rätseln und Überraschungen strotzen.
Platz 1: Beginnen wir mit Andrea Camilleri. Der italienische Autor starb im Juli dieses Jahres mit 94 Jahren. Den ersten erfolg­reichen Roman schrieb er mit 67. Es folg-ten 27 Romane und viele Kurzgeschichten, in denen sein Commissario Salvo Montalbano ermittelt. Ich finde, Montalbano ist Maigrets letzter Nachfahre.
Auf Platz 2 folgt «Grey» von Leonie Swann, ein Krimi mit einem liebenswerten Papagei. Die Story ist etwas langfädig, deshalb empfehle ich das Hörbuch. Bjarne Mädel macht nämlich alles wett, wenn er in den unpassendsten Situationen als Papagei für Lady Gaga schwärmt: «Bad Romance ... Gaga Ulala ...».
Auf Platz 3 folgt Volker Kutscher: «Der nasse Fisch», die Vorlage für die Fernsehserie «Berlin Babylon». Buch und Serie sind sehr verschieden, aber beide grossartig. Hier lohnt sich ein Vergleich.
Platz 4: Charles Lewinsky: «Der Wille des Volkes», ein Schweizer Krimi, der in einer nicht allzu fernen, ziemlich düsteren Zukunft spielt, in der wir alle hilflose und doch ein wenig raffinierte Greise sein werden, wie die Hauptfigur Kurt Weilemann.
Platz 5: Pierre Martin: «Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer». Sommerlich Leichtes aus Südfrankreich. Man verliebt sich schon auf Seite 1 in Isabelle Bonnet, die Kommissarin mit Super Woman-Qualitäten.
Und zum Abschluss, ausser Konkurrenz, ein gescheiterter Krimi: «Mord im Fahrstuhlschacht» von Bertolt Brecht und Walter Benjamin. Die beiden liebten Krimis und verschlangen sie in rauen Mengen. Aber ihr eigenes Projekt aus dem Jahr 1933 hob nicht ab. Auf Seite 15 gaben sie auf. Steffen Thienemann hat die Textfragmente mit Holzschnitten dekoriert und damit ist eine sehr ansehnliche Broschüre entstanden, die man für 7.50 Euro erstehen und mit der man lernen kann, dass das Krimischreiben keine leichte Angelegenheit ist.

 

Text: Jürg Seiberth, Foto: Christian Jaeggi