Bei dieser Art von Baden fehlt das Wasser und trotzdem kann man abtauchen: in die Atmosphäre des Waldes. Der Alltag hat kurz Pause. Foto Christian Jaeggi

Bei dieser Art von Baden fehlt das Wasser und trotzdem kann man abtauchen: in die Atmosphäre des Waldes. Der Alltag hat kurz Pause. Foto Christian Jaeggi

Zeit und Ruhe ernten

Wer die Batterien aufladen will, sollte regelmässig im Wald spazieren – das ist wissenschaftlich erwiesen. Besonders effektiv wird die gesundheitsfördernde Wirkung beim Waldbaden. Im Herkunfts­land Japan wird Waldmedizin staatlich gefördert. Waldbaden-Kurse gibt es jetzt auch im Baselbiet.

 

Auf den ersten Blick ist alles Grün oder Braun. Die Tannen, das Moos, die Blätter. Laub raschelt und der Wind pfeift. Das Brummen eines Flugzeugs ist der einzige gestresste Gruss aus dem Alltag. Der Rest wird vom dichten Blätterdach des Waldes abgeschirmt. Herzlich willkommen beim Wald­baden!
Sarah Stalder ist Coach für Stressreduktion und hat diese Kurse ins Baselbiet gebracht. Bisher kennt man Waldbaden vor allem aus Japan oder den USA. Was etwas abenteuerlich klingt, ist nichts anderes als eine Methode zum Stressabbau und wird in Japan staatlich gefördert. Verschiedene Studien wie etwa aus Österreich, Japan oder den USA belegen: Der Wald hat eine gesundheitsfördernde Wirkung. Bei einem längeren Aufenthalt im Wald sinken die Herzfrequenz und der Blutdruck; die Stresshormone nehmen ab. Ein Grund dafür sind die Terpene, die Duftstoffe.

Das innere Kind rauslassen

Die Kursteilnehmer von Sarah Stalder sind im Job sehr eingespannt, dauermüde und im Alltag mit Teenagern stark gefordert. Ihr Wunsch für den heutigen Morgen: den Alltag vergessen und zu sich selbst finden. 
Hören, sehen, schmecken, riechen, fühlen – wer durch den Alltag hetzt, nimmt die Sinne anders wahr. Sarah Stalder animiert die vier Teilnehmer dazu, eine Tannennadel in den Mund zu nehmen, «ihr dürft sie anschliessend wieder ausspucken». Sie lässt alle einmal über einen Baum balancieren, sich gegenseitig führen und bittet, die Dinge am Wegrand wahrzunehmen: Von den Ameisen bis zum roten Fleck am Baum. «Wir sollen also das innere Kind rauslassen», sagt Kursteilnehmerin Sabine. Sie hat Recht: Die Achtsamkeitsübungen von Sarah Stalder verstärken die heilende Wirkung des Waldes. Die Waldbaden-Teilnehmer haben jedenfalls reiche Ernte gefunden – Zeit für sich selbst.

 

Text: Sarah Ganzmann, Foto: Christian Jaeggi