Sternwarte Metzerlen

Schöne Aussichten ins All – die Regio-Sternwarte Metzerlen öffnet ihre Luke

Auf dem Gerenhübel über dem solothurnischen Dorf Metzerlen thront eine Sternwarte. Von hier aus erforschen Astronomen die Gestirne. Sternwart und Präsident des Stiftungs­rats der Regio-Sternwarte ist Charles Trefzger. 

Der Turm der römisch-katholischen Kirche St. Remigius überragt weithin sichtbar das Dorf Metzerlen. Hier hält auch der Post­auto-Pilgerkurs von Laufen über die Chall­höchi nach Mariastein. Kulinarisch wallfahren kann man zu Metzerlens Gaststätten. «Kreuz», «Lämmli» und «Rössli» kredenzen das Beste aus Küche und Keller. Für Astro­freunde ist der Gerenhübel die Pilgerstätte auf 550 m ü. M. Hier oben steht seit 56 Jahren die regionale Sternwarte mit der rundherum drehbaren Kuppel, die ihre Luke an schönen Tagen und Nächten öffnet.  
«1000 schöne Aussichten» verspricht die Gemeinde auf ihrer Homepage. Die vierstellige Zahl verfolgt wohl nicht nur terrestrische Ziele auf dem Solothurner Hochtal zwischen Rot- und Glaserberg. Weithin sichtbar ist die glänzende Kuppel der Sternwarte, die Fernblicke ins All und damit Aussichten um Lichtjahre gewährt. Durch die Okulare und die beiden Teleskope betrachtet, rücken die Gestirne in greifbare Nähe: Sonne, Mond und Sterne. Im frommen Kinderlied «Weisst du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt» hat sie der liebe Gott schon mal gezählt.

Das Motto der kleinen, aber feinen Sternwarte lautet: «Sehen – Staunen – Verstehen». Das Sehen erfordert Geduld. Das Staunen stellt sich ein beim Erkennen der Wunder im All. Das Verstehen ordnet die Eindrücke in prägende Zusammenhänge. Astronomie ist die Wissenschaft der Fernsicht. Sterngucker können sich in klaren Sternnächten und bei Sonnenschein kaum satt sehen. Keine Stunde ohne bangen Blick gen Himmel, ob er wohl die Sicht ins All freigibt. 

Fernblicke am Landhimmel

Die beiden Teleskope sind mit einer Neigung von 47,5 Grad in der Polachse am Betonpfeiler fest verankert. Bei offener Luke ragen die Rohre wie Geschütze gen Himmel. Die astronomischen Instrumente bestehen aus einer digitalen Schmidt-Kamera mit einem Spiegeldurchmesser von 48 cm und einem Cassegrain-Spiegelteleskop mit einem Durchmesser von 59 cm. Mit dem Spaltspektographen lassen sich Sternspektren aufnehmen und mit dem Zeiss-Refrak­tor Sonnenaktivitäten erforschen. Die Beobachtungen sind vom Wetter wie von den Luftbedingungen abhängig. Innen- und Aus­sentemperatur müssen gleich sein. Klare Sicht ist nur in reiner Luft und ohne Lichtverschmutzung möglich. 

In Metzerlen gibt der «Landhimmel» Blicke bis in die hinteren Gassen der Milchstrasse frei, während der «Nachthimmel» beim Ob­servatorium St. Margarethen in Basel nur eingeschränkt die Himmelsobjekte beobachten lässt. Erst in der Wüste und im Hochgebirge kann die schiere Unendlichkeit eingefangen werden, so weltweit einzigartig von der Europäischen Südsternwar­te ESO aus, die 600 km südlich von Santiago de Chile in 2400 Metern Höhe auf dem Berg La Silla liegt.

Wohnen wie im Leuchtturm 

Herr über die Teleskope in Metzerlen ist der Basler Charles Trefzger, der am Astronomischen Institut der Universität Basel bis zu seiner Schliessung vor acht Jahren tätig war und seitdem Kurse und Besichtigungen an der Sternwarte betreut. 
Wie in einem Leuchtturm bewohnt der Stern­wart mit seiner Frau seit vier Jahrzehnten die galaktische Beobachtungsstation. Er hütet rund um die Uhr die Kuppel und füttert täglich seine Katzen, die mit ihren Artgenossen vom Sternwarthof, dem einzigen Bio-Bauernhof des Dorfes, eine friedliche Haustiergemeinschaft bilden.

Vor vier Jahren haben die Astronomie-Professoren Beat Fischer und Uli Steinlin mit Charles Trefzger als Präsidenten die Liegenschaft vom Kanton Basel-Stadt übernommen und die Stiftung Regio-Sternwarte Metzerlen gegründet. Betrieb und Unterhalt werden von Spenden und Gönnern finanziert. Studierende der Uni Basel können Astronomie als Nebenfach belegen und ihre Forschungen in Metzerlen betreiben. 
Öffentlichkeitsarbeit wird gross geschrieben. Es werden Kurse für Jugendliche veranstaltet wie auch Sternabende für jedermann. 

Den Weg auf der Rotbergstrasse zur Sternwarte müssen die Astronomen selber unter die Füsse nehmen. Autoscheinwerfer stören auf dem Hügel die freie Landsicht. Wo sich Fuchs und Hase vom nahen Bättetal gute Nacht sagen, will am Okular gut Ding Weile haben.

 

Text und Foto: Jürg Erni

Foto Mond (rechts). Regio-Sternwarte Metzerlen