Frau im jurasischen Schnee

Schnee-Erlebnis Jura: ein Ausflug

Ein Tagesausflug dorthin, wo der Winter noch ein richtiger Winter ist und man den Alltag hinter sich lassen kann – die Freiberge.


Es herrscht nasskaltes Wetter hier unten im Birstal, wenig einladend für einen Ausflug. Da es bekanntlich kein schlechtes Wetter gibt, nur falsche Bekleidung, ziehen wir uns entsprechend an und besteigen die S-Bahn. Es sind nicht viele Leute unterwegs. Platz gibt es genug in der S3 in Richtung Porrentruy. In Glovelier steigen wir um in einen roten Zug: den «Trainrouge». Die «Chemins de fer du Jura» (CJ) sollen uns in die Freiberge bringen. Wir hoffen natürlich, dass die Redensart «nomen est omen» zutrifft und die Berge dort oben wirklich frei sind vom düsteren Nebel.

Dem Nebel entronnen

Nach kurzer Fahrt verändert sich das Landschaftsbild schlagartig. In der engen Tabeillon-Schlucht wird es vorerst noch düsterer, bis die ersten Schneefelder für eine optische und stimmungsmässige Aufhellung sorgen. Ganz hinten im engen Tal vollzieht die Bahn eine Spitzkehre, bevor sie weiter den Hängen entlang und durch dichte Tannenwälder auf gegen tausend Meter über dem Meeresspiegel steigt. Die verschneiten Tannenwälder lichten sich und bescheren dem Betrachter im Wechsel mit der weiten, sanften Hügellandschaft ein nordisch anmutendes Winterbild. Mittlerweile ist der Nebel unter uns geblieben und der blaue Himmel setzt dieser weissen Traumwelt einen farbigen Deckel auf. Nach knapp eineinhalb Stunden Bahnfahrt ab Birseck erreichen wir Saignelégier im Zentrum der tief verschneiten Freiberge. 

 

Chemins de fer du Jura im Schnee

 

Schnee soweit das Auge reicht

Der Schnee liegt fast meterhoch an den Strassenrändern. Hier oben ist es noch richtig Winter, so wie man es sich wünscht. Wir machen uns auf und unternehmen eine kleine Wanderung bis zur Bahnstation Les Emibois: knapp vier Kilometer. Vorher genehmigen wir uns noch eine kleine Stärkung im Café du Soleil. Das stattliche Jurahaus am Dorfausgang von Saignelégier dient auch als regionales Kulturzentrum für Konzerte und andere Anlässe. Nun geht es los ins Wintervergnügen. Bei dieser Schnee­höhe können sich die Wanderer nur auf gepflügten Wegen bewegen. Davon gibt es hier oben jedoch genügend. Als Erstes geniessen wir das herrliche Winterszenario: frische Luft, kein Lärm, kein Stress und viel Schnee. Ab und zu sehen wir ein rotes Bähnchen auf seiner Fahrt durch die weisse Pracht. 

Nach dem Sport kommt der Appetit

Einige Langläufer queren unsere Wege. Für Freunde dieser Wintersportart sind die Frei­berge ein wahres Paradies. Auf der Homepage von Jura Tourisme (s. Kasten rechts) sind einige Routen bestens beschrieben und dort kann man auch eine Langlaufkarte ­herunterladen. Später treffen wir auch auf Spuren, die auf Schneeschuh­wanderer hindeuten. Wer diese Art des Winterwanderns ausüben möchte, kann die Schnee­schuhe an den Bahnhöfen von Saignelégier und Tramelan mieten. Es gibt mehrere Parcours von insgesamt 40 Kilometern. Der «Trainrouge» bringt die Fahrgäste an viele ideale Ausgangspunkte: neben Saignelégier auch nach Le Noirmont, Les Bois oder Les Breuleux. Die Freiberge bieten im Winter nicht nur Möglichkeiten für aktive Schnee-Erlebnisse. In den Restaurants der Region werden einheimische Spezialitäten angeboten, wie zum Beispiel das Risotto mit Tête de Moine im Restaurant de la Couronne in Les Cerlatez, Wild aus der Region im Hotel-Restaurant du ­Soleil in Le Noirmont oder zum Kaffee die hausgemachten Cremeschnitten im Lion d’Or in Montfaucon. Dazu könnte der re­gionaltypische Likör «Damassine» – aus der kleinen, roten Pflaume – den krönenden Abschluss bilden.

 

Text: Werner Thüring; Fotos: Bild  oben, Werner Thüring; Bild unten, zVg Chemins de fer du Jura