Der Domchor unter der Leitung von Carmen Ehinger

Der Domchor unter der Leitung von Carmen Ehinger bei der Neueröffnung des Doms zu Arlesheim.

Zur Eröffnung strahlten Dom und Barockengel um die Wette

Ende Oktober wurde der frisch sanierte Dom zu Arlesheim im Beisein von Bischof Felix Gmür wieder an die Kirchgemeinde St. Odilia übergeben. Nach der Altarweihe fand rund um den Domplatz ein gemütliches Beisammensein statt und zum Abschluss ­ertönte die gewaltige Silbermann-Orgel. Roswita Schilling erzählte dazu Kindheits­erinnerungen aus dem Dom und liess das Deckenfresko lebendig werden. 

 

Gespannt warten die Kinder am Sonntagmorgen im Dom auf den Bischof. Eine Altar­weihe ist ein seltenes Ritual, das es nicht oft zu erleben gibt. Endlich wird das Trompe d’Oeil entfernt und der Blick ist frei auf die neue Chorraumgestaltung, welche vom Künstler Kurt Sigrist aus Sarnen entworfen wurde. Im hinteren Teil des Chorraums steht unter der Leitung von Carmen Ehinger der Domchor, der den Gottesdienst mit der Missa Solemnis in C-Dur von W. A. Mozart bereichern wird. Das Orchester begleitet den Chor auf historischen Instrumenten. Im Laufe des Gottesdienstes scheint die Sonne durch die Fenster des Doms und lässt den Innenraum in seiner vollen Pracht erstrahlen. Alois Schmidlin, der Baukommis­­sionspräsident, schwärmt an der Medieninformation vom variantenreichen Licht, das je nach Einfall morgens, mittags oder abends den Dom in ein anderes Licht taucht. Seine Augen beginnen zu leuchten und er bekennt seine Liebe zum Dom von Arlesheim. Während der Bautätigkeit war er fast jeden Tag im Dom und wurde täglich von seinem Lieblingsengel begrüsst. Auch die Architektin der Innensanierung, Regine Nyfeler, schwärmt von den Engeln und gesteht, dass sie die Restaurateure beneidet habe, die sich in aller Ruhe und mit viel Sachverstand dem Reinigen der Engel hingegeben hätten. «Wer kann schon von sich behaupten, je einen Engel gewaschen und gesäubert zu haben?» 

Nach dem feierlichen Einzug weiht Bischof Felix Gmür den Altarraum, das Kirchenschiff und das Volk mit Weihwasser und Weihrauch. Dazwischen begeistern der Dom­chor und das Orchester immer wieder mit wunderbaren Klängen. Vor der Altarweihe bringt Alois Schmidlin eine Reliquie der heiligen Odilia, welche in das goldene Reliquiar unter den Zelebrationstisch gelegt wird. Anschliessend salbt der Bischof den Zelebrationstisch mit Öl und entzündet Weihrauchstücke. «Der Rauch soll wie die Gebete zu Christi emporsteigen», erklärt der Bischof und spricht das Weihegebet. 

 

Barockengel im Dom zu Arlesheim

 

Unsichtbare Neuerungen mit Liebe zum Detail

Im Anschluss an den Festgottesdienst gibt es auf dem Domplatz einen Apéro. Viele Besucherinnen und Besucher wollen jetzt den sanierten Dom genauer anschauen. Die neuen Bänke mit einer grösseren Sitztiefe sind angenehm. Auch die neue Sitzheizung unter den Bänken wird gelobt. Die Wärme kommt aus der Holzschnitzelheizung der Gemeinde. Viele Neuerungen fallen gar nicht auf, wie zum Beispiel die neue Brandschutzanlage. Sie wurde in die Balustrade auf der Empore integriert. Mittels Display lassen sich Licht, Klima, Heizung und Glockengeläut steuern. Die grossen Sandstein-Bodenplatten im Schiff wirken, als ob sie schon immer da waren. «Es wurde so wenig wie möglich und so viel wie nötig gemacht», erklärt die Kirchgemeinde­präsidentin Janine Galgiani den Besuchern. Interessierte suchen auch das Gespräch mit Kurt Sigrist, der gerne das ausgeklügelte Reliquiar erklärt. Für die Architektin Regine Nyfeler geht eine intensive Zeit im Dom zu Ende. Sieben Jahre umfasste der Auftrag von der Planung bis zur Realisierung der Sanierungsarbeiten. In die komplexen Arbeiten waren neben der Baukommission auch die kantonale Denkmalpflege sowie Bundesexperten involviert. Sie lobte die Zusammenarbeit der Handwerker und Restauratoren, die mit ihrem Fachwissen jeweils den bestmöglichen Lösungsansatz für den Dom entwickelten. «Es war eine Freude, auf die Dombaustelle zu kommen und die hoch­qualifizierten Handwerker zu erleben, die mit Begeisterung und Liebe zum Detail ihre Aufträge mehr als nur ausführten.»

Orgelkonzert zum Abschluss

Nach dem Mittagessen sind die kleinen und grossen Besucherinnen und Besucher zum Konzert «Im Palast der Himmelskönigin» eingeladen. An der Silbermann-Orgel begleitet Organist Markus Schwenkreis die Erzählungen von Roswita Schilling. Schon als kleines Mädchen sass sie im Dom und betrachtete staunend das riesige Deckengemälde, welches heute ohne hässliches Flickwerk zu sehen ist. In unzähligen Stunden wurde die Gipsdecke mit unkonven­tionellen Techniken stabilisiert, restauriert und gereinigt. Das Resultat überzeugt und die Bevölkerung kann den unzähligen Spen­dern von 6 Millionen Franken dankbar sein: Für viele Jahre wird der Dom zu Arlesheim wieder in seiner vollen Pracht zu bewundern sein.

 

Text: Jay Altenbach-Hoffmann, Fotos: Heiner Leuthardt und Bruno Holzer