Das Hauptgebäude des Sonnenhofs

Das Hauptgebäude des Sonnenhofs

Aus der Sonnenhofküche

Niklaus Hottinger war über vierzig Jahre lang in der Heilpädagogik tätig. Seit 1987 war er im Sonnenhof tätig, seit 1990 als Schulleiter. 2013 wurde er pensioniert. 
In diesem Jahr erschien sein Buch über den Sonnenhof. Den folgenden Text schrieb er exklusiv fürs BirsMagazin.

 

Das Essen im Sonnenhof schmeckt hervorragend. Seit dem Tag seiner Gründung. Als Ita Wegman im Jahre 1921 das Klinisch-Therapeutische Institut (die heutige Klinik Arlesheim) eröffnete, kamen Patientinnen und Patienten aus aller Herren Länder zur Behandlung. So ergab sich die Notwendigkeit, den verschiedenartigen Ansprüchen der Patienten bei der Verköstigung, verbun­den mit ärztlichen Anordnungen, gerecht zu werden. Rudolf Steiner hat schon in seinen frühen Vorträgen ausführlich über Ernährungsfragen gesprochen, um den Einfluss der verschiedenen Nahrungsmittel auf Gesundheit und Krankheit bewusst zu machen. Die damalige Küchenleiterin Elisabeth M. Dank sammelte viele internationale Rezepte, probierte sie aus und ergänzte sie mit eigenen Ideen. So entstand im Jahre 1928 das Kochbuch mit dem Titel «Die Kochkunst in West und Ost; Rezepte des Klinisch-Therapeutischen Instituts Arlesheim bei Basel», mit über 500 Rezepten aus 18 verschiedenen Ländern. Das Buch wurde in vielen Zeitschriften ausführlich und lobend rezensiert, und es erschien im Jahre 1980 in seiner 8. Auflage. 
Die Klinik wurde bald berühmt für ihre vielfältige und internationale Küche. Als im Jahre 1924 der Sonnenhof, als Abteilung des Klinisch-Therapeutischen Instituts seine Arbeit aufnahm, war es naheliegend, dass die Qualität der Ernährung auch im Zusammenhang mit der entstehenden Heilpädagogik grosses Gewicht erhielt. Zu diesem Thema entstanden im Umfeld des Instituts wichtige Studien von jungen, begabten Wissenschaftlern, die Ita Wegman nach Arlesheim berufen hatte. Sie forschten auf verschiedenen Gebieten, unter anderem zum Thema Herstellung von Me­dikamenten. In diesem Zusammenhang entstand die Weleda, das weltweit agierende Unternehmen mit Hauptsitz in Arles­heim. In dieser Zeit entstanden aber auch Studien zur Ernährung, zur Diätetik, zu ­Vitaminen, zur Bedeutung von Gewürzen oder zur Brotherstellung. Letzteres führte zu einem weiteren, noch heute bestehenden Unternehmen, der 1933 gegründeten Holle Nährmittel AG (heute Holle AG) und der sich im Jahre 1999 ausgegründeten Holle baby food GmbH, die sich durch die Ausgründung die weltweiten Markenrechte für die Holle-Babynahrung erwarb und heute eine international erfolgreiche Firma mit Firmensitz in Riehen ist. 

Eigene Forschung
Zu den oben erwähnten jungen Forschern gehörte auch Dr. Albert Diefenbach (1900–1980), der schon von 1927 bis 1933 als Student (im Jahr 1930 promovierte er in Pharmazie und Nahrungsmittelchemie) an der Weleda gearbeitet hat. Dabei kooperierte er auch mit Ita Wegman, die ihn sehr schätzte. Als er, wie das bei jungen Menschen vorkommt, hinaus in die weite Welt ziehen wollte und dies Ita Wegman mitteilte, da zeigte sich ihr energischer Wille und sie beschied ihm: «Sie bleiben hier in Arlesheim und bauen für uns und für die Schweiz eine gesunde Ernährung auf!»
Schon bald wurden neue Brotteige ent­wickelt und im Holzbackofen im Holle-Haus täglich frisch gebacken. Das weitere Tätigkeitsfeld von Albert Diefenbach war die Entwicklung der Säuglings- und Kindernahrung und die Herstellung von Diät­säften. Grundlage seiner Forschungen war die Erkenntnis, dass ein tiefer Zusammenhang zwischen dem Menschen und seiner Ernährung besteht. Diese Auffassung hatte er von Ita Wegman übernommen. Sie kann somit als geistige Begründerin der späteren Firma Holle Nährmittel AG angesehen werden.
Heute zeichnen sich der Sonnenhof und die Klinik Arlesheim nach wie vor durch 
ihre hervorragenden Küchen aus, in denen hoch­wertige Lebensmittel (vorwiegend De­meter-Produkte) verarbeitet werden. Überzeugen Sie sich persönlich und besuchen Sie das öffentliche Café-Restaurant der ­Klinik Arlesheim.
Diesen Text, liebe Leserin, lieber Leser, finden Sie nicht im kürzlich erschienenen Buch über die Geschichte des Sonnenhofs. Was Sie dort aber finden, ist ein ganzes Kapitel über die heutige Sonnenhofküche. ■
 

Text: Niklaus Hottinger, Foto: zVg