Giovanni Antonini dirigiert das Kammerorchester Basel in der Martinskirche.

Giovanni Antonini dirigiert das Kammerorchester Basel in der Martinskirche.

In Basel verankert – international erfolgreich

Reisen hält jung und dynamisch. Schon mehr als dreissig Jahre alt ist das Kammer­orchester Basel, und immer auf dem Sprung von heute in die Vergangenheit, in die Zukunft und zurück. Und ebenso von Basel nach München, Amsterdam und noch viel weiter: Eine Tournee nach Fernost mit Konzerten in Seoul, Taipeh und Shanghai steht an. Und auch für Kids hat das Kammerorchester Spannendes im Angebot.

 

«Wir fliegen ohne Motor», erklärt Dirigent Giovanni Antonini, und plötzlich hebt der langsame Satz aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 80 ab, die Noten tanzen förmlich in der Luft, die Musikerinnnen und Musiker des Kammerorchesters tanzen mit. Es ist Probe für die nächste Haydn-Nacht in der Martinskirche in Basel. Bis im Jahr 2032, dem 300. Geburtstag von Joseph Haydn, wird das Kammerorchester Basel gemeinsam mit dem italienischen Ensemble Il Giardino armonico und dem Principal Guest Conductor Giovanni Antonini alle 107 Sinfonien aufführen und auf CD einspielen. Historisch informierte Aufführungen in grosser Präzision und mit starker Ausdruckskraft gehören zu den besonderen Kompetenzen des Kammerorchesters Basel, das mit Konzerten, Radioausstrahlungen rund um die Welt und CD-Einspielungen ein Millionenpublikum begeistert. Eine Belohnung dafür war im vergangenen Jahr der begehrte Echo-Klassik-Preis. 

 

Giovanni Antonini dirigiert das Kammerorchester Basel in der Martinskirche.

Giovanni Antonini dirigiert das Kammerorchester Basel in der Martinskirche.

 

Russischer Silvester in Basel

Doch besondere Höhepunkte sind und blei­ben die rund 15 Konzerte in der Heimatstadt Basel, nicht nur, weil die Musikerinnen und Musiker ihre Koffer endlich wieder einmal auspacken und im eigenen Bett schlafen können. Es ist die besondere Atmosphäre in den Basler Kirchen und, wenn es denn dereinst fertig renoviert ist, im Stadtcasino Basel – es ist das Publikum der Region. Weit über Basel hinaus sehr begehrt und deshalb meist schon lange im Vorfeld ausverkauft sind die «Kostproben» im Volkshaus Basel. Hier wird dem Orchester über die Schulter geschaut und danach mit Musikerinnen, Musikern und Mitgliedern der Geschäftsleitung beim Lunch geplaudert. Zu den Juwelen gehört auch die Reihe «Nachtklang» im Ackermannshof in Basel. Bei Wein und Kerzenlicht präsentieren die Musikerin­nen und Musiker, was ihnen besonders am Herzen liegt. In der Silvesternacht 2016/17 findet ein atmosphärischer Nachtklang mit russischem Programm in der Ausstellung «ikono­sophia» des philosophicum Basel statt, Tee aus dem Samowar und ein Cüpli zum An­stossen aufs Neue Jahr sind inbegriffen. 

Schule macht Orchester

Dass ein Orchester viel mehr ist als ein «Klangapparat», erfahren die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Muttenz im Projekt «Schule macht Orchester», ein schweiz­weites Pionierprojekt des Kammer­orchester Basel im Bereich Musikvermittlung. Drei Konzertprogramme probt das Orchester im gläsernen Foyer des Gymnasiums Muttenz, mittendrin im Schulalltag. Und die Kids fangen Bewegungen und Töne in Zeichnungen auf, beobachten Interak­tionen im Workshop «Kommunikation und Psychologie» oder entwerfen Plakate und Werbefilme im Marketing-Seminar. Das eröffnet ganz neue, eigene Perspektiven auf die klassische Musik. Mit den Jugendlichen im Dialog zu sein, ist dem Kammerorchester wichtig, wie denn überhaupt die Musikerinnen und Musiker immer auf der Pirsch sind nach dem Funkenflug zwischen Orchester und Publikum. Genau aus diesem Grund geht das Kammerorchester Basel auch auf Tournee in die Schulen der Re­gion. Gerade entsteht das Klassenzimmerstück Episode II unter dem Titel «Kinder brauchen Struwwelpeter!», und bereits rund 20 Schulen von Kleinhüningen bis Muttenz freuen sich darauf. 

 

«Schule macht Orchester»

«Schule macht Orchester»

 

Porpora, Mozart und Struwwelpeter

Zum Nahen und Fernen, zum Gewohnten und Fremden verführt Sie das Kammerorchester Basel im Advent. «Il Verbo in carne» («Das fleischgewordene Wort») ist ein besonders seltenes Exemplar unter den Weih­nachtsoratorien. Sein Komponist Nicola Antonio Porpora machte als Gesangslehrer den sensationellen Kastraten Farinelli berühmt. Opernhaft geht es denn auch in seinem kunstvoll komponierten Weihnachtsoratorium am 1. Dezember zu: Der Frieden, die Gerechtigkeit und die Wahrheit streiten sich um den besten Platz an der Krippe, beschimpfen Herodes und singen das schluchzende Jesuskind in den Schlaf, umspielt von heute seltenen Instrumenten wie Laute und Psalter. Wer den Unterschied zum «normalen» Bachschen Weihnachts­oratorium hautnah erleben möchte, kommt gleich wieder am 17. Dezember, wenn es heisst «Jauchzet frohlocket!» mit dem Windsbacher Knabenchor. Tief berührend ist heute mehr denn je Mozarts Requiem, das in Topbesetzung unter der Leitung von Giovanni Antonini und natürlich mit historischem Instrumentarium am 7. Januar in der Stadtkirche Liestal erklingt. Und für Kinder und ihre Familien geht das Neue Jahr los mit: Struwwelpeter!
 

Text: Barbara Tacchini, Fotos: zVg, Benno Hunziker, Christian Flierl