Zwischen dem Bahnhof Dornach-Arlesheim und dem Reinacher Gewerbegebiet Kägen (links) soll dereinst das Tram verkehren. Die Tramspange Reinach-Dornach soll ab 2027 realisiert werden.Foto: Google Earth Pro

Zwischen dem Bahnhof Dornach-Arlesheim und dem Reinacher Gewerbegebiet Kägen (links) soll dereinst das Tram verkehren. Die Tramspange Reinach-Dornach soll ab 2027 realisiert werden. Foto: Google Earth Pro

«Die Birsstadt hat Vorbildcharakter»

Elsbeth Schneider, die Vor-Vorgängerin von Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP), sass vor zehn Jahren am runden Tisch, als die Vision Birsstadt erstmals diskutiert wurde. Welche Impulse setzt die jetzige Amtsinhaberin in der Birsstadt? Das BirsMagazin hat sich mit der Pfeffingerin unterhalten.

 

Frau Pegoraro, vor Ihrem Zuhause in Pfeffingen liegt Ihnen die Birsstadt zu Füssen. Wann hörten Sie erstmals von der Vision Birsstadt und wie dachten Sie damals darüber?

Sabine Pegoraro: Im Zusammenhang mit der Erarbeitung des ersten Baselbieter Richt­planes hatten verschiedene Gemeinden aus dem Birstal ihren Willen bekundet, raumplanerisch zusammenarbeiten zu wollen. Daraus ist dann die «Birsstadt» als Begriff entstanden. Ich hörte ihn 2007 erstmals, anlässlich der Präsentation dieser Idee durch meine Vor-Vorgängerin, Regierungsrätin Elsbeth Schneider. Ich fand die Idee gut und richtig und war gespannt, was daraus entstehen würde.

In der Zwischenzeit sind Sie die Baudirekto­rin des Kantons. Mit welchen Augen sehen Sie und nehmen Sie die Birsstadt heute wahr?

Die Birsstadt kann als eigentliche Pilot­region in Sachen planerischer Zusammenarbeit im Kanton bezeichnet werden. Sie hat durchaus Vorbildcharakter für die übrigen, sich jetzt ebenfalls bildenden regionalen Zusammenarbeitsräume im Baselbiet.

Das Raumkonzept Birsstadt wurde als Mei­lenstein der kantonalen Raumplanung gelobt. Was kann der Kanton aus diesem Case lernen? Ist das ein Musterbeispiel auch für andere Regionen im Kanton?

Wie gesagt, in der Birsstadt wurden und werden die Chancen und Probleme einer regionalen Planungszusammenarbeit getestet. Hier wurde erstmals ein regionales Leitbild erarbeitet und eine Organisation für die Regionalplanung eingesetzt. Die Birsstadt engagiert sich in vielen kantonalen Planungsthemen, so in der Verkehrs­planung ELBA oder beim kantonalen Richtplan, der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und dem Kanton und anderes mehr. Für den Kanton könnte das künftig bedeuten, dass wir nicht mehr mit vielen einzelnen Gemeinden Leitideen diskutieren, sondern dies direkt mit der Region als Vertreterin dieser Gemeinden machen können.

Das Birsstadt-Denken ist in der Birsstadt-Region selbst mittlerweile etabliert. Was für einen Einfluss hat dieser «Mentalitätswandel» auf die kantonale Raumplanung und Ihr Departement?

Mein Departement hat die Entwicklung der Birsstadt von Beginn an stark unterstützt und ist auch heute in den Gremien der Regionalplanungsgruppe vertreten. Die Arbei­ten in der Birsstadt haben uns weiter in der Auffassung bestärkt, dass die regionale Zusammenarbeit in der Planung elementar ist. Im Richtplan, der gegenwärtig überarbeitet wird, aber auch im Zukunftsbild des Agglomerationsprogramms ist dies sehr klar dokumentiert.

Die Birsstadt-Gemeinden monieren feh­len­de rechtsverbindliche Planungsinstrumente. Ist das Raumkonzept Birsstadt für den Kanton nun der Anlass, die Regionalplanung an die Hand zu nehmen und auch rechtsverbindliche regionale Planungsin­strumente einzuführen?

Im Rahmen der gegenwärtig laufenden Richtplan-Anpassung ist die regionale Zusammenarbeit in der Planung ein zentrales Thema und damit auch die Frage nach den für die Regionalplanung richtigen Instrumenten. Gegenwärtig diskutieren wir diese Fragen zusammen mit dem Verband der Baselbieter Gemeinden intensiv, konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht, sie werden aber sicher im nächsten Jahr vorliegen.

Die Architekten Herzog & de Meuron haben in einer Analyse zur Birsstadt des ETH Studio Basel das Ringtram aufs Tapet gebracht, das auch Reinachs Gemeindepräsident Urs Hintermann schon lange fordert. Was halten Sie von einem Zusammenschluss der Tramlinien 10 und 11?

Das Projekt Ü36 (Tramspange Reinach -Dornach, die Redaktion) ist im Agglomerations­programm Basel der 3. Generation als sogenanntes übergeordnetes Projekt, mit Finanzierung über den Bahninfrastrukturfonds FABI, im C-Horizont mit Baubeginn ab 2027, enthalten. Es ist also unbestrittener Teil der Strategie des Agglomerationsprogramms Basel. Das Tramnetz soll gezielt ergänzt und der Feinverteiler beschleunigt werden. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs wird so im Birstal markant gesteigert werden. Zudem steigt die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs, wenn durch die Verlängerung der Linie 10 und die Verknüpfung mit der Linie 11 weitere umsteigefreie Verkehrsbeziehungen ermöglicht werden.

Wo sehen Sie die Birsstadt in zehn Jahren und welche Rolle wird der Kanton bei dieser Entwicklung spielen?

Meine Prognose ist, dass die Birsstadt dann ein regionales Bewusstsein mitaufgebaut haben wird, das es in den einzelnen Gemein­den verständlich macht, warum die regionale Perspektive in der Raumplanung zentral ist. Ich denke da insbesondere an die Bauzonen, deren Grösse künftig über die Gemeindegrenzen hinaus abgestimmt wer­den muss oder an Fragen der Mehrwert­abschöpfung oder der Arealentwicklung: Das sind Themen, die künftig regional abgestimmt werden müssen. Bis in zehn Jahren ist dies wohl Common-Sense.

(Das Interview wurde schriftlich geführt.)