Baschi Seelhofer (29) aus Basel und sein Verein «be aware and share» (BAAS) haben in der Nähe eines Flüchtlingscamps auf der Insel Chios in Griechenland eine Schule  und einen Jugendtreffpunkt aufgebaut. Sie möchten damit den flüchtenden Kindern und Jugen

Recht auf Kindheit und Jugend

Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer. Alles wartet freudig auf das grosse Weihnachtsfest. Die Kinder können es kaum erwarten, die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum endlich zu öffnen. Gleichzeitig sind Millionen Menschen auf der Flucht, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Sie wünschen sich nichts sehnlicher als ein geregeltes Leben. 

 

Baschi Seelhofer (29) aus Basel und sein Verein «be aware and share» (BAAS) haben in der Nähe eines Flüchtlingscamps auf der Insel Chios in Griechenland eine Schule und einen Jugendtreffpunkt aufgebaut. Sie möchten damit den flüchtenden Kindern und Jugendlichen so gut es geht ihre Kindheit zurückgeben. 
Im September 2015 beschloss Baschi, mit seinem VW-Bus für ein Wochenende nach Kroatien zu fahren und auf der Balkanroute Kleider an Bedürftige zu verteilen. Er rief auf Facebook zu einer Kleidersammelak­tion auf und hatte innert kürzester Zeit ­bereits so viel Material, dass sein VW-Bus nicht mehr reichte. Es wurde ihm klar, dass er das alleine nicht machen kann. Schon bald hatte er 14 Leute zusammengetrommelt, die mithalfen, die Reise zu organisieren und den Verein «be aware and share» zu gründen. Von diesem ersten Hilfsprojekt an die ungarisch-kroatische Grenze erzählt der eineinhalbstündige Dokumentarfilm «Sei achtsam und teile». Er dokumentiert die Reise von der Idee bis zur Umsetzung und ist auf Youtube frei zugänglich.

 

Flüchtlingskinder zeichnen auf Wamdtafel

 

Wieder Kind sein

Als die Balkanroute geschlossen wurde, musste der Verein umdenken. Man beschloss, nach Griechenland zu gehen und von der Insel Chios aus den Flüchtigen zu helfen. Seit Februar 2016 wirkt BAAS nun schon auf Chios. Vor dem EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei war die Insel eine reine Durchreisestation. Die Asylsuchenden wollten so schnell wie möglich das europäische Festland erreichen. Seit das Abkommen besteht, sitzen Tausende Flüchtlinge auf der Insel fest. Da Baschi schon in der Schweiz viel mit Kinder und Jugendlichen gearbeitet hat, hatten er und sein Verein – nach einer kurzen Analyse der Situation – die Idee, eine Schule und einen Jugendtreffpunkt für die Kinder und Jugendlichen im Flüchtlingscamp auf Chios zu gründen. Die schlechten, kriminellen, teils unmenschlichen Bedingungen in den Camps, in denen diese Kinder aufwachsen, sind absolut nicht kindergerecht und gefährlich für die Entwicklung dieser Kinder. Mit der Schule ausserhalb des Camps will der Verein den Kindern einen Ort geben, wo sie sich nicht fürchten müssen, wo sie weit weg vom Frust im Camp sind, und wo sie bestmöglich auf eine staatliche Schule in Europa vorbereitet werden. Wieder Kind sein ist das grosse Ziel der Schule.

 

Flüchtlingskinder spielen

 

Die Schule

Die gute Arbeit der Schule hat sich im Camp schnell herumgesprochen, so dass immer mehr Kinder die Schule besuchten. Mittlerweile besuchen 250 von den 300 Kindern zwischen 6 und 18 Jahren an zwei bis drei Halbtagen pro Woche die Schule; 140 Jugendliche besuchen den Jugendtreffpunkt. Schule und Treffpunkt sind logistisch am Limit. Deshalb wurde am 14. November eine zweite Schule eröffnet, die den Kindern mehr Schulhalbtage ermöglicht.
Die geschichtlichen Hintergründe der Kinder sind sehr unterschiedlich. Die Arbeit der Lehrpersonen ist deshalb individueller als an einer regulären Schule. Es wird an dieser Schule viel Wert auf Lebenserfahrung, Kultur und Projekte gelegt. Den Kindern wird ein Verhalten beigebracht, das stark auf gegenseitigem Respekt beruht. Zusätzlich lernen sie auch Englisch, da dies die Unterrichtssprache ist. Positive Rückmeldungen des Camp-Managements zeigen, dass die Schule ihre Arbeit gut macht: Die Kinder seien gepflegter, würden ihren Eltern Englisch beibringen und hätten einfach eine positive Aura.
Ohne die Hilfe zahlreicher Volunteers (Freiwilliger) aus verschiedenen Ländern Europas wäre das Projekt allerdings gar nicht realisierbar gewesen. Vor Ort in Chios arbeiten momentan 18 Volunteers, darunter auch Fachkräfte wie Lehrpersonen oder Übersetzer. Baschi, zusammen mit Jacob aus Berlin und Nicholas aus Grossbritan­nien, kümmern sich um die Organisation der Schule. Sie agieren als Schulleitung, die sich um Verträge, Kinderschutz, Schulstoff und viel anderes kümmert.

Der Verein

Auch in der Schweiz kann BAAS auf die ­Hilfe zahlreicher Volunteers zählen. Hierzulande hat der Verein zwei Haupttätigkeiten. Die Vereinsmitglieder sind zum einen präsent an Anlässen, an Festivals und in den Medien, um Spendengelder zu generieren. Zum anderen besuchen sie Schulklassen und Universitäten, um junge Leute für die Flüchtlingsthematik zu sensibilisieren. Denn den jungen Leuten gehört die Zu­kunft, sie werden später in Politik und Wirtschaft die Entscheide fällen.

 

Text: Tiziano Bloch, Fotos: Baschi Seelhofer