Polizeiautos Polizei Basellandschaft

Weihnachten ist nicht für alle ein Fest der Freude

Die Blaulichtorganisationen – Polizei, Rettungssanität, Feuerwehr – können, anders als Wirtschaft und Gewerbe, während der «heiligen Zeit» ihre Mitarbeitenden nicht in die Ferien schicken. Die Betriebe müssen rund um die Uhr laufen. Es kommt immer wieder zu emotionalen Begegnungen und Begebenheiten. Wir haben mit Vertretern der betroffenen Dienste gesprochen.

 

Dieses Bild hat sich in meinem Hirn eingebrannt; ich werde es nie vergessen: Ein junger Mann, in seinem Wohnzimmer am Boden kauernd, tot, die Leichenstarre schon eingetreten. Vor sich – ein Geschenk und Weihnachtspapier. Er wollte gerade ein Päckli machen, als ihn sein Schicksal ereilte. Vorher hatte er sich einen Schuss gesetzt, aber sein Körper reagierte nicht wie gewohnt. Die Dosis war zu hoch. Die Szene ereignete sich in einem meiner Heiligabend-Nachtdienste bei der Polizei Basel-Landschaft und es war nicht angenehm, zur Familie des jungen Mannes zu gehen und ihr die traurige Nachricht zu überbringen. Es waren die Angehörigen des jungen Mannes gewesen, die die Polizei alarmiert hatten, weil ihr Sohn und Bruder nicht beizeiten zur Familienfeier erschienen war. Solche Bilder sehen die Mitarbeitenden der Blaulichtorganisationen zwar nicht nur zur Weihnachtszeit, aber in dieser speziellen Zeit um Advent und Christfest berühren sie die Beteiligten stärker als sonst.
Für die Feuerwehr sind der Dezember und der Januar nicht unbedingt eine Periode mit mehr Einsätzen als im restlichen Jahr. «Brennende Christbäume sind seltener geworden, seit es elektrische Kerzen gibt», sagt Fabian Waldvogel. Bei der Rettungs­sanität ist über die Weihnachtsfeiertage ebenfalls «Business as usual» angesagt. «Von Winterdepressionen spüren wir wenig», sagt Markus Brun, «für Hilfe auf zwischenmenschlicher Ebene rufen die Leute nicht bei uns an.» Und auch wenn es um Streitigkeiten geht, kommen die Rettungssanitäter nur zum Einsatz, wenn es Verletzte gibt. «Wir sind die Guten», meint Markus Brun treffend, «das Konfliktmanagement übernimmt in solchen Fällen die Polizei.»

 

Feuerwehrauto Feuerwehr Münchenstein

 

Dienstzeiten sind planbar

Gibt es genügend Leute, die während den Feiertagen motiviert arbeiten, obwohl sie nicht bei ihren Familien sein können? – Das bejahen die Vertreter aller drei Organisa­tionen. Bettina Senn formuliert es so: «Wer einen Beruf mit Schichtbetrieb über 24 Stun­den wählt, muss damit rechnen, auch an Feiertagen eingesetzt zu werden.» Schliess­lich aber hat es immer genügend Freiwillige, vor allem auch, «weil man sich selbstverständlich abwechselt und nicht immer die gleichen Leute über Weihnachten und Neujahr arbeiten lässt», wie Markus Brun an­fügt. Wer an Weihnachten Dienst hat, bekommt dann über Silvester und Neujahr meistens frei. Auch bei der Feuerwehr ist die Pikettliste für die Feiertage schon rechtzeitig bekannt. Man kennt also seine Verpflich­tungen früh und kann sich darauf einrichten.
Während den Feiertagen wird auf einige Arbeitsabläufe verzichtet. So führt zum Beispiel die Firma Käch während den Feiertagen keine Verlegungstransporte von Kran­ken – von einem Spital ins andere – aus. Die Leichentransporte werden hingegen ganz normal ausgeführt, weil dieser Aufgabenbereich natürlich keine Betriebsferien kennt. Bei der Polizei ist man jeden Tag auf alles vorbereitet, trägt aber der heiligen Zeit trotzdem Rechnung. So käme es in diesen Tagen wohl keinem Vorgesetzten in den Sinn, über die Feiertage eine Grosskontrolle zum Thema «Ausrüstung von Fahr­rädern» anzusetzen.

Emotional belastend

Wie verkraften die Mitarbeitenden die emo­tionalen Momente, die einen in der besinnlichen Zeit halt doch stärker berühren? Da weiss Beat Aebi von einem besonders tragischen Fall zu berichten, als er miterleben musste, wie an einem Heiligabend ein Säugling in einem Haus verbrannte, und weitere Personen sich nur durch einen Sprung aus dem Fenster retten konnten und sich dabei schwer verletzten. «Das hat mich sehr lange beschäftigt und geht mir heute noch nahe. Ein solches Erlebnis wünsche ich niemandem.»
Aber auch die Ordnungshüter haben an den Festtagen gelegentlich schöne und ermutigende Begegnungen. Bettina Senn und Beat Aebi erinnern sich an eine nette Dame: «Sie brachte jeweils pünktlich an Heiligabend eine reich garnierte Aufschnittplatte auf den Polizeiposten. Sie erbat sich aber Stillschweigen darüber, weil ihr Mann es nicht wissen durfte.» Und als die Polizei einmal an einem 6. Dezember «Grättimanne» an «brave» Autofahrer verteilte, schlug das in der Presse hohe Wellen. Fabian Wald­vogel berichtet von dankbaren Bürgern, die ihre Wertschätzung nach einer Hilfeleistung der Feuerwehr mit einem «Danke­schön­batzen» in die Mannschaftskasse aus­drücken.
Die Dienstleistungen zur Sicherheit der Bevölkerung – die Hilfeleistung und Rettung – funktionieren auch über die Feiertage reibungslos. Seien wir dankbar, dass es motivierte Menschen gibt, die diese Aufgaben übernehmen.

 

Text: Heinz Studer, Fotos: zVg