«Pippi Langstrumpf», Winter 2017. Foto: René Roth

«Pippi Langstrumpf», Winter 2017. Foto: René Roth

Für Klein und auch für Gross

Die Weihnachtszeit ist die hohe Zeit des «Theaters für Kinder». Das hat weniger mit der Lust der Kinder auf Theater, als vielmehr mit dem Bedürfnis der Eltern zu tun, ihre Kinder versorgt zu wissen, um ihre Weihnachtsvorbereitungen in Ruhe zu erledigen. Früher war das so. Heute ist es glücklicherweise anders.

 

Noch in den 60er- und 70er-Jahren war Kindertheater eine Sparte, die in der Vorweihnachtszeit aufblühte. Überall in der Schweiz, auch im Baselbiet, gabs unter dem Jahr kaum Theaterangebote, die sich explizit an Kinder und Jugendliche richteten. Und die Theaterproduktionen in den kalten Monaten waren auch meist nur Unterhaltungsnachmittage für die Kleinen mit wenig künstlerischem Anspruch. 

Neuland: Theater für alle

1974 gründeten in Basel wagemutige Theaterleute die «Spilkischte». Die Absicht war: Theater für Kinder aufzuführen, das mehr als nur lieblos und uninspiriert inszenierte Märchen bot. Ich war ab 1978 Mitglied der Spilkischte und erinnere mich gut daran, wie sich die künstlerischen Ansprüche nach und nach durchsetzten. Aus dem Theater für Kinder wurde ein Theater für alle. Wir produzierten Eigenkreationen wie «Sartolo der Puppenspieler», «Nachtfalter» oder «Kie­bich und Dutz», ein Stück von Friedrich Karl Wächter, welche grosse Zustimmung beim kleinen und grossen Publikum wie auch bei der Presse fanden. Das Theater Spilkischte (seit 1999 heisst es «Vorstadttheater Basel») war schweizweit Pionierin als ein ganzjährig für die Familien spielendes, professionelles Theater. 
Den Aufschwung des Theaters für Klein und Gross manifestiert die in den 70er-Jahren gegründete ASTEJ, die Dachorganisa­tion für Kinder- und Jugendtheater der Schweiz. Seit dieser Zeit gibt es auch die regelmässig durchgeführten Treffen für Kinder- und Jugendtheater.

 

«Rotkäppchen & Hugo Hirsch», 2017. Foto: René Roth

«Rotkäppchen & Hugo Hirsch», 2017. Foto: René Roth

 

Heute ist es selbstverständlich, dass Kinder alleine oder zusammen mit sie begleitenden Erwachsenen ins Theater gehen. Das Angebot ist gewachsen, auch in der Region Basel. Ganzjährige und professionelle Ensembles sind es allerdings noch immer wenige. Allen voran zu nennen ist das Figurentheater. Liestal ist eine Hochburg: Die drei Hauptstädter-Figurentheater Tokkel-Bühne, Michael Huber und Margrit Gysin (2017 mit dem Schweizer Theaterpreis ausgezeichnet!) sind wichtige Repräsentanten für ein spezielles Familientheater.

Zum Beispiel das Theater Arlecchino

Das vor 20 Jahren gegründete Arlecchino bietet ein abwechslungsreiches Familientheater-Programm. In der ersten Spielstätte – der Kuppel im Nachtigallenwäldeli – fanden auch erstmals die «Fasnachtsbändeli»-Stücke statt. 

 

Die preisgekrönte Figurenspielerin Margrit Gysin beim Stück «Mein Vater». Foto: Helmut Pogerth

Die preisgekrönte Figurenspielerin Margrit Gysin beim Stück «Mein Vater». Foto: Helmut Pogerth


Seit 2001 spielt das Theater Arlecchino während einer ganzen Theatersaison; seit 2004 auch jedes Jahr in den Sommerferien eine Open-Air-Produktion im «Park im Grünen» in Münchenstein. Nach einem Abstecher an die Amerbachstrasse im Kleinbasel ist das Arlecchino seit Januar 2015 nun am Walkeweg 122, an der Grenze zum Baselbiet (mit den Nachbarn St. Jakob-Park und -Halle) zuhause. In einer prächtigen Liegenschaft hat das Theater ideale Bedingungen gefunden: Ein grosser Zuschauerraum samt Tribüne, ein Foyer mit Ess- und Trinkgelegenheit und eine riesige Bühne. Hier finden von September bis Juni jeweils mittwochs, samstags und sonntags Nachmittagsvorstellungen statt. Im November und Dezem­ber 2017 sind das: «Pippi Langstrumpf», «Silberbüx», «Wettrenne – oder: Haas & Igel, wer isch dr Schnäller?» und «Rumpelstilzchen – oder: alles andere bleibt geheim».

Ein bunter Mix

Das Programm setzt sich aus Eigenproduktionen, Co-Produktionen und Gastspielen zu­sammen; es umfasst die Sparten Märchen, Musicals, Vorfasnachtsproduktionen, Figurentheater, Konzerte und vieles mehr. Zusätzlich spielen am Abend auch einge­lade­­ne Theatergruppen, zudem finden Kon­­zer­te und Feste statt. Der Gründer und künstlerische Leiter Peter Keller und der Theaterleiter Thomas Luterbacher (samt ei­­ner Riesen-Belegschaft von rund 80 Personen!) wollen mit ihrem Theater Arlecchino Kinder und Erwachsene zum Lachen und Weinen, zum Fürchten und Staunen bringen. Und das tun sie mit Leidenschaft!

 

Text: Fredy Heller, Fotos: zVg