Einweihung Trottiweg beim Gotthelfschulhaus

Einweihung Trottiweg beim Gotthelfschulhaus

Auf Augenhöhe mit Kindern

Fragt man Kinder nach ihrer Meinung und lässt sie mitgestalten, kommt Grosses heraus. Das beweist das Kinderbüro Basel in seiner jahrelangen Arbeit mit Kindern. Basel besitzt seit kurzem den ersten Trottiweg der Schweiz und hat dadurch die Vorreiterrolle in Sachen Trottinett. Dank ein paar Primarschülern.

 

Schon ein paar Meter vor dem Schulhaus ist ein Rauschen zu hören. Es klingt nach normalen Strassenarbeiten – doch normal ist an diesem regnerischen Herbsttag nicht viel. Ein gutes Dutzend Primarschüler hat die Arbeitsgeräte des Basler Tiefbauamts übernommen und verwirklicht ihren Traum. Die Kinder wünschten sich einen Trottiweg, der Fussgänger und Trottinett-Fahrer voneinander trennt. Teilnehmer Julian erklärt warum: «Die meisten Unfälle mit einem Trot­ti passieren, weil ein Trotti in einen Fussgänger fährt oder weil der Fussgänger in das Trotti läuft.» Heute wird das Anliegen der Kinder vor dem Basler Gotthelf-Schulhaus erfüllt, die Signalisierung dürfen die Schüler selber aufs Trottoir aufkleben. 
Ganz so überzeugt vom Nutzen eines Trotti­wegs waren die Behörden zwar nicht, trotz­dem gaben sie ihr Okay. Treibende Kraft hinter dem Antrag war das Kinderbüro Basel. Seit 17 Jahren setzt es sich für Kinder­anliegen ein und sorgt dafür, dass sich Kinder an der Stadtentwicklung beteiligen dürfen. Denn sich beteiligen ist ein Kinderrecht, so besagt es die UN-Kinderrechtskonvention. «Damit man dieses Recht über­haupt wahrnehmen kann, muss man sich zuerst eine eigene Meinung bilden und dann lernen, wie man sie einbringen kann», sagt Mirjam Rotzler vom Kinderbüro. Die Projekte des Vereins setzen hier an – von der Idee bis zur Umsetzung, fachmännisch begleitet. Sobald ein Entwurf auf dem Tisch liegt, treten die Kinder mit den zuständigen Behörden in Kontakt. Im Fall des Trottiwegs war es das Basler Bau- und Verkehrsdepartement. Dank grosser Hartnäckigkeit wurde aus dem anfänglichen «nein, viel zu kompliziert» ein «okay, testweise für ein Jahr».

 

Einweihung Trottiweg beim Gotthelfschulhaus

Trottiweg-Markierung

 

Feuer und Flamme

Ein Knopfdruck – und schon spuckt der Brenner Feuer. «Es hat vorhin geregnet, darum müssen wir jetzt die Strasse trocknen, bevor wir die Punkte aufkleben können», sagt Julian. Die rosarote Signalisation wird anschliessend mit einer Handwalze angedrückt, dann noch mit einer grossen 100-Kilo-Walze, «damit es auch hält, wenn jemand versucht, es wegzureissen», sagt ein Mitarbeiter des Tiefbauamts. 260 Meter arbeiten die Kinder ab, sind im wahrsten Sinn Feuer und Flamme und nach nicht einmal zwei Stunden Arbeit ist das Projekt geschafft, der erste Trottiweg der Schweiz wird eingeweiht.

 

Trocknen des Strassenbelages

Trocknen des Strassenbelages


«Kindern auf Augenhöhe begegnen», das ist das Kredo des Kinderbüros Basel, das dazu an einem Leitfaden für die Zusammenarbeit mit den Behörden mitgearbeitet hat. Wenn immer möglich, wird bei der Verkehrsplanung diese Checkliste berücksichtigt. «Denn Kinder und Erwachsene erleben nicht die gleichen Situationen als gefährlich», sagt Mirjam Rotzler. «Das wird einem klar, wenn man einmal in die Knie – auf die Augenhöhe der Kinder – geht.» Die Arbeit des Vereins trägt Früchte, nicht nur in der Schweiz. Einerseits erhielt Basel unter anderem dank dem Engagement des Kinderbüros Basel das Unicef-Label «kinderfreundliche Stadt», andererseits erkundigte sich sogar Südkorea nach dem Leitfaden «Auf Augenhöhe 1,20 m». Ein Erfolg, den alle freut. Aber dieser Erfolg kostet.
Auf Initiative der Christoph-Merian-Stiftung (CMS) wurde die Anlaufstelle für Kinder vor 17 Jahren ins Leben gerufen. Heute arbeiten sechs Angestellte in Teilzeit auf der Lyss. Die CMS unterstützt den Verein derzeit mit einem Beitrag an die Betriebskosten, wird sich in den nächsten Jahren aber zurückziehen. Dann braucht das Kinderbüro Basel eine neue finanzielle Lösung.

 

Redaktionstreffen der Basler Kinderzeitung «Bebbi Kids»

Redaktionstreffen der Basler Kinderzeitung «Bebbi Kids»

 

Mitmachen darf jedes Kind

Kindergerechte Spielplätze, farbige Stadtwände, Politik zum Anfassen und Verstehen: Das Kinderbüro Basel hat schon einige Projekte mit Kindern umgesetzt. Je nach Projekt sind Kinder aus der ganzen Region gefragt oder nur aus der Stadt Basel. Grundsätzlich gilt: Mitmachen darf jeder und jede im Primarschulalter, in Ausnahmefällen auch Jüngere oder Ältere.
Manchmal entwickelt sich aus einem Projekt etwas Dauerhaftes. Die erste Basler Kinderzeitung ist auf dem besten Weg dazu. «Bebbi Kids» ist im März als Beilage der BZ erstmals erschienen, die nächste Ausgabe ist in Arbeit und erscheint im Januar. «Wir wollen verstehen, was in der Zeitung steht», begründen die Kinder – darum möchten sie selber eine Zeitung schreiben. Von Kindern, für Kinder. Schülerin Greta ist wieder mit dabei. Völlig begeistert sagt sie: «Ich werde später Journalistin!» Ein bisschen ist sie es heute schon.

 

Text und Fotos: Sarah Ganzmann