Köhlern – eine lebendige Tradition, Fotos: Simon Meyer, Foto-x.ch

Fotos: Simon Meyer, Foto-x.ch

Köhlern – eine lebendige Tradition

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wald in erster Linie ein Speicher für Holz zum Heizen, Kochen und Produzieren. Mittels Köhlerei – auch als «schwarze Kunst» bekannt – wurde aus Holz die begehrte Kohle produziert.

 

Gerade zwei bedeutende Jubiläen stehen an. Die Forstbetriebsgemeinschaft der Bürgergemeinde Arlesheim und Münchenstein feiert ihr 20-jähriges Bestehen, gemeinsam mit dem 100-jährigen Bestehen der Bürgergemeinde Münchenstein. Wer sich in der aktuellen Ausstellung im Bürger­keller der Bürgergemeinde Arlesheim umschaut, entdeckt Erstaunliches. Bauen mit Holz ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil in der Architektur geworden und bereits sind die ersten Hochhäuser aus Holz entstanden.
«Viele Leute haben das Gefühl, der Wald wäre im Verlauf der Zeit dezimiert worden. Das Gegenteil ist der Fall», sagt der Arlesheimer Bürgerratspräsident Stephan Kink. Das Abholzen wurde vor allem im Rahmen der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert manchenorts so intensiv betrieben, dass dies für den Wald zu einer existentiellen Bedrohung wurde. Holz war ein wertvolles Gut und die Forstwarte bzw. Grundeigentümer waren unter anderem damit beschäftigt, den «Holzfrevel» zu bekämpfen, d. h. Unbefugte vom Holzraub ab­zuhalten.

Der Wald als Ressource

Heute sind wir nicht mehr so direkt auf den Wald und seine Produkte angewiesen wie früher, als Brennholz, Bauholz und Vieh­futter aus dem Wald für viele Menschen von existentieller Bedeutung waren. Jetzt stehen vorab die immateriellen Leistungen und Werte des Waldes in unserer Gunst, auf die wir nicht verzichten können und wol­len. Der Wald prägt unsere Landschaft, bietet Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und wird als Erholungsraum prak­tisch direkt vor unserer Haustür intensiv genutzt. Doch auch als Lieferant des einheimischen, erneuerbaren, CO2-neutralen, vielseitig und hochwertig verwendbaren Rohstoffes Holz gewinnt der Wald wieder zunehmend an Bedeutung. Die Buche – genauer gesagt die Fagus sylvatica, also die Rotbuche – ist mit einer Präsenz von 41 Prozent in Münchenstein respektive sogar 59 Prozent in Arlesheim nicht nur die mit Abstand am meisten verbreitete Gattung im Forstbetrieb, sondern auch in weiten Teilen Europas.

Wälder sind erneuerbare, natürliche Ressourcen, deren vielseitige Nutzungsmöglichkeiten durch die vorgegebenen Bedingungen und die Entwicklungsdynamik der Vegetation bestimmt werden. Aber hier gilt es, ein spezielles Augenmerk zu setzen. Die Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die vom Wald ausgehenden positiven Effekte auf Klima, Boden und Wasserhaushalt sind nicht unbegrenzt verfügbar. Ziel der Waldentwicklung ist die nachhaltige Sicherstellung der Wirkungen und Leistungen des Waldes auch für kommende Generationen.

 

Köhlern – eine lebendige Tradition, Fotos: Simon Meyer, Foto-x.ch

Foto: Simon Meyer, Foto-x.ch

 

Die Köhlerei

Eine der letzten Köhlerinnen, die dieses uralte Handwerk heute noch im Entlebuch mit Passion betreibt, ist Doris Wicki. Die Köhlerin, die zu einer Botschafterin dieses uralten Handwerks geworden ist, wird im Rahmen des 20-Jahre-Jubiläums der Forstbetriebsgemeinschaft Arlesheim / Münchenstein beim Arlesheimer Pulverhüsli hin­ter der Ermitage einen Holzkohlenmeiler betreiben. Innert einem Monat werden 15 Ster Holz zu rund 1200 Kilogramm Holzkohle verarbeitet. Während der Brenn- und Abkühldauer muss der Köhler bzw. die Köhlerin jeweils nonstop beim Kohlenmeiler vor Ort sein, da alle zwei Stunden eine Kontrolle vorgenommen werden muss, ob der Prozess korrekt verläuft oder ob nachgeholfen werden muss – Tag und Nacht. 

 

Köhlern – eine lebendige Tradition, Fotos: Simon Meyer, Foto-x.ch

Foto: Simon Meyer, Foto-x.ch

 

Website / Führungen

Eine Webcam wird das aktuelle Gesche-hen vor Ort ab dem 15. Oktober 2018 im 10-Minutentakt festhalten. Ausserdem wer­den News und Attraktionen auf der Web­site veröffentlicht und es ist möglich, über ein elektronisches Buchungssystem Führungen zu buchen. Die Führungen sind kostenlos.

Die Website ist seit dem 27. Juli online. Führungen können direkt auf der Website gebucht werden. 

Parkplätze sind nur in beschränkter Anzahl beim Kleinkaliberstand und an der Schönmattstrasse vorhanden und der Kohlenmeiler ist in 5 bis 10 Minuten erreichbar.
www.20-jahre-unser-wald.ch

Begleitbuch 

Mit einem Begleitbuch
werden verschiedene Aspekte
des Waldes und deren Nutzen für die Bevölkerung beleuchtet und erklärt. Das Buch umfasst 136 Seiten, ist vierfarbig und wurde von einem Autorenkollektiv aus Arlesheim und Münchenstein geschrie­ben. Das Buch kann bei den beiden Bürger­gemeinden Arlesheim und Münchenstein sowie bei der Druckerei Bloch AG und der Buchhandlung Nische in Arlesheim für CHF 19.– bezogen werden.

Der Film «Köhlernächte»

An zwei Abenden wird zur Einstimmung in das Jubiläum der Film «Köhlernächte» von Regisseur Robert Müller gezeigt: einmal in Arlesheim und einmal in Münchenstein.

In Arlesheim: Samstag, 22. September 2018, 20.30 Uhr, im Bürgerhaus. Bei grossem Interesse wird der Film zusätzlich am Sonntag, 23. Sep­tember 2018, aufgeführt.
Bei schönem Wetter findet die Vorführung im Garten statt, bei Regen im Keller. Bar­betrieb vor und nach der Aufführung. Freier Eintritt mit Kollekte.

In Münchenstein: Mittwoch, 26. September 2018, 19.30 Uhr, in der Trotte Münchenstein. Freier Eintritt mit Kollekte und anschliessendem Apéro.

Abpackung und Bezug der Kohle

Am 10. und 11. November 2018 wird die Kohle vor Ort abgepackt und kann gegen bar bezogen werden. Papiersäcke mit Kohle à 6 kg für CHF 10.–. Wer die Säcke nicht nach Hause tragen will, kann mit der Quittung die Kohle in der folgenden Woche im Bürgergarten an der Domstrasse 1 in Arlesheim abholen. Die restliche Kohle wird auch da verkauft.

Achtung: Beim Abpacken der Kohle darf es nicht regnen!

 

Text: Christina Hatebur, Fotos: Simon Meyer, Foto-x.ch