Andreas Spörri aus Hochwald  Foto: zVg

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Das zu Klang gewordene Leben

Seit Jahrzehnten tourt Andreas Spörri aus Hochwald mit den renommiertesten Orchestern rund um den Globus. Im November beehrt der Spitzendirigent mit den Münchner Symphonikern in einem Benefizkonzert Dornach. 

 

Beethovens unvergleichliche 9. Symphonie mit dem weltbekannten «Freude schöner Götterfunken» strahlt wie wohl keine zwei­te Tonfolge pure Hoffnung aus. Hoffnung, die das Publikum in der ägyptischen Hauptstadt Kairo im Jahre 2016 bitter nötig hatte. «Unser Konzert fand mitten in einer Phase heftiger politischer Umstürze statt. Die Durchführung stand auf der Kippe», er­innert sich Andreas Spörri an einen der denkwürdigsten Auftritte seiner Karriere. Schliess­lich fand das Konzert aber allen Umständen zum Trotz statt und die Dankbarkeit des Publikums war überwältigend. «Die Reaktionen der Menschen haben mich zutiefst bewegt und mir einmal mehr vor Augen geführt, welche Kraft der Musik innewohnt», sagt der vielgereiste Dirigent. Für ihn ist die Musik – und zwar bei weitem nicht nur die klassische – nicht bloss Noten auf dem Papier, die intoniert werden, sondern vielmehr ein unverzichtbarer Teil des Lebens, der gewaltige Emotionen auslösen kann. 

Musik kennt keine Hierarchien

Schon seit seiner frühesten Kindheit ist die Musik Alltag in der Familie Spörri. Die Familie musiziert gemeinsam und der jüngere Bruder folgt der Karriere seiner beiden älteren Geschwister, die das Konservatorium besuchen. Andreas Spörri absolviert seine Musikstudien in Basel und Wien. Sein Lebenshorizont verschiebt sich aus dem Aargau nach Dornach, doch vor allem zieht es ihn hinaus in die Welt der Klänge, die keine Grenzen kennt. 

Während er weitere Studien in Wien betreibt, gewinnt er dort 29-jährig den Wettbewerb «Forum junger Künstler» und muss sich fortan keine Sorgen mehr über die ­Karriereplanung machen. Er lässt sich von einer musikalischen Herausforderung zur nächsten treiben. Die erste Station ist St. Petersburg, wo er das Hermitage Symphony Orchestra-Camerata St. Petersburg leitet. Bald wird er auch als erster Gastdirigent beim renommierten Wiener Opern­ball Orchester an die Staatsoper Wien ge­laden und dirigiert im Jahr 2010 zum ersten Mal den grössten Opernball der Welt. «5000 Gäste nehmen teil und am TV verfolgen über 1,6 Millionen Menschen den siebenstündigen Anlass. So sehr beim Emp­fang noch auf die Etikette geachtet wird – beim Tanz verschwindet die Hierarchie. 
Jeder kommt ins Schwitzen, hier und dort ver­wischt das Make-up und man steht sich auch mal auf die Füsse», sagt Spörri schmunzelnd. Musik kennt keine Hierar­chien.

 

Die Münchner Symphoniker, das Festivalorchester

Die Münchner Symphoniker, das Festivalorchester

 

Das Orchester als Instrument

Für unzählige Orchester auf mittlerweile drei Kontinenten war und ist Andreas Spörri Gastdirigent. Zuhause aber ist er nicht in einer mondänen Metropole, sondern schon seit 14 Jahren im ländlichen Hochwald. «Hier geniesse ich die Ruhe, brüte über Partituren oder vertiefe mich in die Literatur», so Spörri. 

So wichtig ihm zwischenzeitlich die Ruhe und Abgeschiedenheit ist, so überzeugend und wortwörtlich tonangebend muss er als Dirigent auftreten. «Ich bin selber nicht hörbar, habe aber die wichtige Rolle als Vermittler vom Komponisten zum Orchester und gemeinsam mit diesem zum Publikum. Das Orchester wird zu meinem Instrument», beschreibt er seinen Part. Er vergleicht seine Rolle mit der eines Coachs im Mannschaftssport: Nur wenn die Taktik stimme und alle Einzelspieler harmonierten, sei man erfolgreich. «Auch wenn ich dem Publikum mehrheitlich den Rücken zudrehe, spüre ich genau, wenn wir dieses emotional berühren – und genau das ist das Ziel!», sagt Spörri.

Dieses Ziel verfolgt er zurzeit unter anderem mit den Münchner Symphonikern und wird mit diesen im November auch einen seiner seltenen Auftritte in der Region haben (siehe Infobox). 

Prägen wird Andreas Spörri auch einmal mehr das Classionata Musikfestival, das er vor 20 Jahren in Mümliswil im Guldental gegründet und im Zweijahresrhythmus durchgeführt hat. Vom 3.–7. April 2019 wird die Classionata neu in Solothurn stattfinden (www.classionata.ch).
 

Text: Simon F. Eglin, Fotos: zVg