Glücksbringer in Schwarz

Fotos: Christian Jaeggi

Glücksbringer in Schwarz

Gerade mal die zweite Schnupperlehre war es, die Sven Schäublin auf Anraten eines Kollegen bei der Firma Koller Kaminfeger AG in Hölstein absolvierte. Offensichtlich eine kluge Wahl, denn noch in der Schnupperwoche entschied sich der junge Mann, diesen vielseitigen Beruf zu erlernen. 

 

Gewöhnen musste sich Sven Schäublin (19) anfangs nicht nur an die körperliche Arbeit, sondern auch an eine recht frühe Tagwache. «Um halb sieben sind wir in der Bude, um sieben schon beim ersten Kunden.» Die ersten zwei, drei Monate war vor allem Zuschauen angesagt. Danach durfte er unter Aufsicht Kamine und Abgasanlagen reinigen und kontrollieren, später weiteten sich seine Arbeiten langsam aus. Heuer ist er im dritten Lehrjahr und geht bereits alleine zu Kunden, deren Heizungsanlagen er schon kennt. Schwarz im Gesicht wird er dabei nur noch selten, denn im Berufsalltag der Kaminfeger – und Kaminfegerinnen, die mittlerweile einen Drittel der Lernenden aus­machen – steht nicht mehr das «Russen» im Vordergrund, sondern vor allem das Warten von wärmetechnischen Anlagen – sprich Heizungen – sowie lufthygienische Kontrollen und Beratungen. Viel häufiger als mit Bürsten und Besen sind die Mitglieder der schwarzen Zunft heutzu­tage also mit Steckschlüsseln und Mess­geräten unterwegs.

 
Die «Unglücksverhinderer»

Doch warum gelten Kaminfeger eigentlich als Glücksbringer? Nicht etwa, weil sie das Glück bringen, sondern weil sie mit ihrer Arbeit Unglück verhindern; saubere Rohre und gut funktionierende Heizungen sind eben der beste Schutz gegen Brände und Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Ausserdem ist der Kaminfeger ein Fachmann für Brand­schutz und so muss Sven zum Beispiel auch wissen, welchen Abstand ein Cheminée zu einer brennbaren Wand haben und wie es eingemauert sein muss. Die Vielfalt der Heizungen, die es zu betreuen gilt, sind für ihn ein grosser Pluspunkt in seinem Beruf: Öl-, Gas- und Holzheizungen, die neusten topmodern, die ältesten gut und gerne seit fünfzig Jahren in Betrieb. Auch den Kontakt mit den Kunden und die täglich neuen Herausforderungen schätzt er. Seine Ausbildung dauert drei Jahre. Einmal pro Woche drückt Sven die Schulbank in der Berufsschule in Olten. Neben dem technischen und dem handwerklichen Geschick und dem vernetzten Denken sind für den Kaminfeger die Freude am praktischen Ar­beiten und an wechselnden Arbeitsplätzen eine gute Voraussetzung. Es braucht auch Gewandtheit im Umgang mit Kunden. Und weil es auch immer mal wieder aufs Dach geht, ist Schwindelfreiheit ein absolutes Muss.

Vielfältige Möglichkeiten

Mit bestandener Prüfung wird Sven Schäub­lin zum Kaminfeger-Gesellen. Nach der Lehre und nach viel praktischer und grösstenteils selbstständiger Tätigkeit hat er die Möglichkeit, sich zum Vorarbeiter ausbilden zu lassen und später die Meisterprüfung zu absolvieren. Auch fachliche Weiterbildungen mit Fachausweisen stehen zur Auswahl, wie etwa der Brandschutzfachmann, der Feuerungskontrolleur oder der Fachmann für Wärmesysteme Öl/Gas oder Holz. Konkrete Pläne hat Sven Schäublin noch keine. Der schwarzen Kluft treu bleiben will er aber auf jeden Fall, denn er fühlt sich wohl in diesem unentbehrlichen Beruf, in den mit den hochmodernen Heizungsanlagen und den entsprechenden Wartungsgeräten auch das digitale Zeit­alter Einzug gehalten hat.


Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi