Musiktherapie. Foto Christian Jaeggi

Musiktherapie. Foto Christian Jaeggi

Mehr als gute Therapie

Die Klinik Arlesheim bietet mit der Anthroposophischen Medizin eine Vielzahl an therapeutischen Möglichkeiten. Norman Kingeter, Heileurythmist an der Klinik Arlesheim und im Ita Wegman Ambulatorium, berichtet über das Besondere der Therapien an der Klinik.

 

Verena Jäschke: Welche Therapien können die Patienten an der Klinik bekommen?

Norman Kingeter: Wir bieten sowohl ambulant als auch stationär Musiktherapie, Mal- und Gestaltungstherapie, therapeutische Sprachgestaltung, Rhythmische Massagen und Bäder sowie Heileurythmie an. Manche Therapieformen wie die Musiktherapie gibt es mittlerweile auch an einigen öffentlichen Spitälern. Das Besondere unserer Therapien ist, dass wir nicht nur das Behandeln der Krankheitssymptome in den Fokus stellen, sondern stark auch auf die Entwicklung des ganzen Menschen schauen. 

Warum diese Vielfalt?

Die Menschen sind sehr individuell, ebenso wie die Krankheiten. Darauf mit der jeweils passenden Therapieform «antworten» zu können, wird durch diese Fülle ermöglicht. Unser Ziel ist nicht unbedingt nur das Wiederherstellen des vorherigen Zustandes, sondern es soll eine Entwicklung stattfinden. So kann es sein, dass der Patient etwas Neues über sich erfährt, was er weiter nutzen kann oder dass er eine Fähigkeit entdeckt oder neu erwirbt.

 

Maltherapie. Foto Christian Jaeggi

Maltherapie. Foto Christian Jaeggi


Das Leben in der uns umgebenden Welt zeigt sich in Farbe und Form, in Bewegung, in Klängen. In den verschiedenen Therapien ist das aufgefächert und als separates Thema entwickelt. Wir sind sehr froh und stolz, dass wir diese Vielfalt haben, um so jedem Patienten die für ihn passende Therapieform für seinen momentanen Bedarf anbieten zu können.
Unsere Therapeutinnen und Therapeuten verfügen alle über eine umfassende Ausbildung und bilden sich ständig weiter. Dadurch sind auch alle Therapien bei den Zusatzversicherungen anerkannt. 

Was ist das Besondere an diesen Therapien?

Die Eigenaktivität des Patienten steht im Vordergrund, wobei jede Therapieform auch eine rezeptive Möglichkeit anbietet – zum Beispiel bei Bildbetrachtungen, beim Anhören von Musik oder wenn ich für den schwerkranken Patienten die heileurythmischen Übungen ausführe.

 

Heileuryth­mie. Foto Christian Jaeggi

Heileuryth­mie. Foto Christian Jaeggi


Manchmal hören wir: «Ich kann doch gar nicht malen» oder «Oh nein, singen ging schon in der Schule nicht!» Dann können wir dem Patienten die «Angst» vor der Therapie nehmen. Er muss keinerlei Vorbildung für unsere Therapien haben. Stattdessen kann er erkennen: Obwohl ich es vielleicht im eigentlichen Sinn nicht kann, passiert dennoch sehr viel – ich erlebe etwas, ich setze etwas in mir frei und kann es dadurch gestalten, wie zum Beispiel in der Kunsttherapie.

«Ich nehme mein Schicksal in die Hand und versuche, mit den Werkzeugen, die ich an die Hand bekomme, selbstständig mein Be­finden zu verbessern.» Das ist für den Patienten eine Erleichterung: Dass er selbst etwas für sich und seine Gesundheit tun kann.

Wie finden Sie die für den Patienten richtige Therapie?

Arzt und Patient finden zusammen heraus, welche Therapieform in der jeweiligen Situation am besten geeignet ist. Dabei werden die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, wobei es nicht nur darum geht, welche Vorliebe der Patient hat. Oft ist es gerade gut, etwas zu machen, was man noch gar nicht kennt.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?

Mich fasziniert, dass man in der Heileuryth­mie Bewegung mit dem Erlebnis verbinden kann, ein Teil der Welt zu sein. Ich erlebe es als Privileg, die Menschen auf ganz exis­ten­tieller Ebene anzusprechen und zu begleiten. Zu mir kommen Patienten jeder Altersstufe, was ich als eine enorme Bereicherung erlebe.
 

 

Text: Verena Jäschke, Fotos: Christian Jaeggi