ReMarkt Büsserach. Foto Christian Jaeggi

Foto Christian Jaeggi

Ein zweites Leben

Bringt man heute ein Elektrogerät – und das muss nicht einmal ein altes sein – zur Reparatur, hört man oft, dass sich das nicht mehr lohne und man besser ein neues Modell kaufe. Diesem Urteil sollte man nicht immer Glauben schenken. Im ReMarkt 
in Büsserach bekamen in den letzten zehn Jahren mehr als fünftausend solcher Geräte ein zweites Leben geschenkt.

 

«Manchmal ist es tatsächlich nur eine Sicherung – kann man die ersetzen, läuft das Gerät wieder», erklärt Hans Neijt (64), der mit seiner Frau Marjon (61) den ReMarkt in Büsserach betreibt. Auf 320 Quadratmetern stapeln sich Lampen, Stereoanlagen, Bügeleisen, Kaffeemaschinen, Computer und Bildschirme. Tagtäglich kommen neue dazu, entweder zur Reparatur, zum Wei­terverkauf oder zum «Ausnehmen» – alte Ersatzteile sind nämlich im ReMarkt sehr gefragt. «Wir können nicht immer alles bewältigen», erklärt Neijt, «vor allem weil wir nie wissen, wie viele Mitarbeiter auftauchen.» Was vielleicht etwas seltsam tönt, beruht darauf, dass die Mitarbeiter im ReMarkt unentgeltlich, freiwillig und ihren Fähigkeiten gemäss arbeiten. Angefangen hat das vor rund zehn Jahren mit einem Asylbewerber, der noch nicht arbeiten und auch keinen Deutschkurs besuchen durfte und sich zu Tode langweilte. Er war überglücklich, im ReMarkt eine Beschäftigung gefunden zu haben und die Neijts waren froh um die Unterstützung – eine Win-Win-Situation. Mittlerweile kommen täglich zwischen vier und zehn Mitarbeitende in den ReMarkt. Da ist zum Beispiel ein junger Schweizer, der an der ETH war, aber «irgendwie den Draht verloren hat». Er fand im ReMarkt eine Art Übergangslösung und hat sich mittlerweile entschieden, wieder auf eine Fachhochschule zu gehen. Eine Frau, die auf dem Arbeitsmarkt wegen ihres Alters und mangels einer Ausbildung durchs Netz fiel, wollte gerne im ReMarkt arbeiten, hatte aber Angst vor Elektrizität. Das ist einige Jahre her, heute ist sie die Hausspezialistin für Kaffeemaschinen, Bügeleisen und CD-Player. Ein Mann aus der Gegend fürchtete sich vor der Leere nach seiner Pensionierung. Und da er von Elek­trogeräten nichts versteht, betreut er nun, quasi in seinem zweiten Leben, den Empfang. Die einzige Bedingung, die die Neijts stellen: «Diese Menschen müssen freiwillig zu uns kommen.»

 

ReMarkt. Foto Christian Jaeggi

 

Fachspenden von Firmen

Dass eine Beschäftigung manchmal lebens­wichtig sein kann, weiss Hans Neijt aus eigener Erfahrung: Nach einem Unfall konnte der ehemalige Biologe nicht mehr in seinem Beruf arbeiten und begann, Rasenmäher zu reparieren. Später sammelte er defekte Elektrogeräte und reparierte sie. Als die Garage dafür zu klein wurde, mietete er einen Raum. Vor zehn Jahren gründete er mit seiner Frau den ReMarkt, der mittlerweile ein gemeinnütziger Verein und vom Kanton Baselland als Beschäftigungswerkstätte anerkannt ist. Dies hilft auch bei der Finanzierung – vergangenes Jahr schrieb der ReMarkt zum ersten Mal schwarze Zahlen. Die restlichen Einnahmen kommen aus den sehr bescheidenen Reparaturkosten – die übrigens nur anfallen, wenn das Gerät repariert werden kann – und den Verkäufen. Nicht alle Kunden wollen ihre Geräte nämlich zurückhaben und es werden auch noch intakte Geräte abgegeben, die zuhause einem neueren Modell Platz gemacht haben. «Gutes Material zu bekommen, ist für uns wichtig», so Neijt. Glücksfälle sind zum Beispiel Firmen, die sich neue Laptops oder Computer anschaffen und dem ReMarkt die alten überlassen. Dort werden sie aufgerüstet und entweder günstig verkauft oder kostenlos an Schulen in afrikanischen Ländern abgegeben. «Bedingung ist, dass sie dort ebenfalls gratis abgegeben werden – wir haben jemanden vor Ort, der das organisiert – und dass wir Fotos davon erhalten», so Neijt. Ein solches Foto zeigt zum Beispiel ein Dorffest an der Elfenbeinküste und mittendrin die ReMarkt-Computer. 

 

Alles, was einen Stecker hat, bekommt beim ReMarkt die Chance auf ein zweites Leben. Foto Christian Jaeggi

Alles, was einen Stecker hat, bekommt beim ReMarkt die Chance auf ein zweites Leben. Foto Christian Jaeggi

 

Trouvaillen im Museum

Auch ein kleines Museum ist im Laufe der Jahre entstanden, den Anfang machte Neijt Vaters Fernseher, der 1950 der erste war, der serienmässig hergestellt wur­de. Uralte Telefone, Nähmaschinen, Kassen, einige aus­gefallene Designer-Modelle und Radios – eines sogar von 1928 – tummeln sich auf den Regalen.
Dass das Ehepaar Neijt aus ihrer guten Idee und ihrem sozialen Engagement viel Befrie­digung zieht, sieht man ihnen an. Sorgen macht ihnen alleine die Frage der Nachfolge. «Ewig können wir das nicht weitermachen», meint Marjon Neijt. Für sie wäre zum Beispiel die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ein Geschenk des Himmels. Oder eben für den ReMarkt ein zweites Leben.
 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi