Steppen ist eine hohe Kunst – Angelo Borer und seine «Crazy Feet Company» Foto: ZVg

Steppen ist eine hohe Kunst – Angelo Borer und seine «Crazy Feet Company»

Die Schuhe sind das Instrument der Stepptänzer. An Ballen und Fersen der Ledersohle sind zwei gusseiserne Metallplatten festgemacht. Damit treten die Tänzer im Rhythmus der Musik am Holzboden auf: step – stamp – stomp – toe – heel – shuffle – flap. 

 

Beim Aufruf der englischen Begriffe geht es den Tänzern reflexartig in die Beine. Die Füsse schlagen, schleifen, streicheln den Boden. Stepptänzer sind eigentliche Feet-Drummer. Man kann ihren rasenden Aufschlägen kaum folgen, während das Stakkato den Sound markiert. 
Angelo Borer (61) ist einer, dem der Tap dance schon als Junge in die Füsse gefahren ist. Der gebürtige Therwiler begann mit Jazzballett-Lektionen bei Maria Gorkin in Basel. Im Studio Golden Gate von Roger Louis liess er sich zum Stepptänzer ausbilden, besuchte Kurse in Paris, Amsterdam, New York. In der Neuen Welt kam er «uf d Wält», wie er bekennt. Das war «crazy». Sein grösstes Vorbild war Gene Kelly, der mit dem Musicalfilm «Singing In The Rain» Weltruhm erlangte. Den klassischen Stepptanz im Carré empfand Angelo als zu engräumig. So entwickelte er den Step zur Show und entwarf eigene Choreographien auf Hits in allen Stilen. Im Studio macht Angelo die Figuren vor, die er vorher aufgezeichnet hat. Wie ein Maler sieht er vor dem inneren Auge die Bilder der Bewegungen, die er mit seinen Skizzen im Kopf den Tänzern weitergibt. 

 

Angelo Borers Skizzen zur Choreographie  «Die Julischka aus Budapest»

Angelo Borers Skizzen zur Choreographie «Die Julischka aus Budapest»


«Es goht alles», meint Angelo zur Musikauswahl und legt Frank Sinatras «Aint’t She Sweet» in die CD-Schublade. Die Jugend­lichen lernen die neuen Schritte step by step. Es ist faszinierend zu erleben, wie rasch sie die Kombinationen umsetzen können. Beim Vortanzen befeuert Angelos pochendes Herz die Tänzer. Das Repertoire reicht von Bachs «Badinerie» über Bizets «Carmen», Tschaikowskis «Blumenwalzer» bis zu einem Samba Tequila. 
Am 2. April 1984 eröffnete Angelo Borer seine Stepptanzschule. Im nächsten Frühjahr wird die ausgangs Oberwil domizilierte Schule ihr 35-jähriges Bestehen mit einer grossen Show in der Region Basel feiern können. Bisher hat der Steppmeister hunderte Tänzerinnen und Tänzer für die vir­tuose Kunst begeistert. Etwa 80 Kinder ab Kindergartenalter, Jugendliche wie Erwachsene besuchen die wöchentlich neun Kurse. 
Für ihre Engagements auf Bühnen und in Fernsehshows tanzt die Showgruppe «Crazy Feet Company» in über hundert eigenen Kostümen. Die Auszeichnungen für ihre Auftritte reichen von einem Stepptanz-Pokal in Paris bis zu zwei Goldmedaillen am Deutschlandpokal. 
Für Nachwuchs ist gesorgt. Schon als Vierjährige steppte Tochter Aisha mit dem Vater. Die heute 18-Jährige ist überall dabei, wo die 30-köpfige Company auftritt. Mit dem Vater gewann sie als «Dance duo of the year» den «Los Angeles Music Choice Award», während Angelo 2016 in Hollywood beim «Art of Peace Dance Award» als Solotänzer brillierte. 
Ein nächster Höhepunkt ist im Moskauer Luxushotel Barvikha angesagt. Den Silvesterabend wird die «Crazy Feet Company» als erste Schweizer Stepdance-Gruppe mit ihrer Show bestreiten. Die reichen Russen dürfte es von den Stühlen reissen, wenn die Swiss-Company zu Jost Ribarys urchiger «Steiner Chilbi» ihre rasanten Stepps aufs Parkett legt.
 

 

Text: Jürg Erni, Fotos: zVg