Auf dem Fichtenhof in Therwil kann jeder seinen Weihnachtsbaum selber auswählen und absägen. Foto Joël Gernet

Wo die Weihnachtsbäume wachsen

Auf dem Fichtenhof in Therwil kann jeder seinen Weihnachtsbaum selber auswählen und absägen. Bis es soweit ist, werden die Tannen über Jahre gehegt und gepflegt.

Sanft fährt Koni Hägeli-Gschwind mit den Fingern über die Zweige einer Nordmanntanne. Ihr leuchtend grünes, dichtes Nadelkleid fühlt sich fast schon weich an. «Bevor wir diese Tanne als Weihnachtsbaum verkaufen können, braucht sie bis zu zehn ­Jahre Pflege», erklärt der Landwirt. Als sein Schwiegervater vor über 40 Jahren damit begonnen hat, in Therwil Weihnachtsbäume anzupflanzen, wurde er belächelt. Inzwischen sind die Tannen zu einem Standbein des Familienbetriebs geworden.
Inzwischen ist die Anbaufläche fünfmal so gross wie damals und beträgt 2,4 Hektar, verteilt auf acht Parzellen. Wir stehen auf einer Anhöhe zwischen Therwil und Reinach. Der Streifen zwischen Waldrand und Obstplantage eignet sich bestens als Tannen-Plantage – für Ackerbau wäre es zu schattig.

 

Auf dem Fichtenhof in Therwil kann jeder seinen Weihnachtsbaum selber auswählen und absägen. Foto Joël Gernet


Jede Tanne wird, frisch ab Baumschule, mit rund vier Jahren und einer Grösse von etwa 30 Zentimetern gepflanzt. Damit die Nadelbäume die gewünschte Form annehmen – oder behalten – ist viel Schnittarbeit nötig. Je launischer das Wetter, desto mehr Handgriffe braucht es, um die Schäden durch Frost, Hagel oder Wild zu korrigieren.

Wer will, sägt selber

Mitte Dezember werden die Weihnachts­bäume geerntet und direkt ab Hof verkauft. Wer möchte, kann seinen Baum am dritten Adventssonntag direkt auf dem Feld aussuchen und absägen oder absägen lassen. «Es ist nicht immer einfacher, wenn man den Baum selber aussuchen kann», sagt Monika Hägeli-Gschwind. Zusammen mit ihrem Mann Koni erinnert sie sich an manche lustige Advents-Anekdote. Etwa an den Familienvater, der an Heiligabend auf der Matte stand, weil die Kinder unbedingt einen Weihnachtsbaum wollten. Oder an den Mann, der seinen Christbaum zweimal umtauschen musste – bevor die Gattin zur finalen Selektion selber vorbeikam.
Um möglichst frische Bäume anbieten zu können, werden sie fortlaufend und erst kurz vor Verkauf geschnitten. «So ist an jedem Tag ein anderer Baum der schönste», sagt Monika Hägeli-Gschwind. Auf dem Fichtenhof werden traditionell am meisten Rottannen, auch Gemeine Fichte genannt, verkauft. Verglichen mit den Nordmann- oder Blautannen erreicht sie zwei Jahre früher die ideale Grösse, deshalb ist sie auch preiswerter. Eine 180 Zentimeter grosse Rottanne gibts für rund 30 Franken, eine Nordmanntanne kostet etwa 70 Franken.

So klappt es mit dem Baum

In den eigenen vier Wänden ist es ratsam, den Weihnachtsbäumen genug zu trinken zu geben, vor allem in beheizten Räumen mit trockener Luft. Auch die Zwischen­lagerung auf dem Balkon oder später das Befeuchten der Zweige kann helfen, den Baum länger frisch zu halten.

 

Der Fiechtenhof in Therwil


Stört es Koni und Monika Hägeli-Gschwind eigentlich, dass die Tannen kurz nach Weihnachten bereits wieder entsorgt werden? «Natürlich ist das schade – andererseits würden wir die Bäume ja sonst gar nicht anpflanzen», gibt er sich pragmatisch. Sie meint: «Eigentlich sind die Tannen fast so etwas wie Schnittblumen.» Anders als ­Blumen werden die Tannen allerdings über Jahre für das grosse Fest vorbereitet. «Uns gefällt das traditionelle Innehalten über Weihnachten – die Tannen sind ein Symbol dafür», sagt Koni Hägeli-Gschwind und Frau Monika ergänzt: «Den Schnee haben wir auf den 24. Dezember bestellt.»

Übrigens: Tannen, die nicht verkauft werden, landen als Neujahrs-Snack bei den Elefanten im Zolli.
 

Text und Fotos: Joël Gernet

 


 

Weihnachtsbaum zu vermieten

Seit 2015 bietet Maik Langbeins Gartenbaubetrieb «ML – Freiraumvision» in Ziefen Weihnachtsbäume zur Vermietung an. Ein Angebot, das immer mehr Anklang findet.

Maik Langbein, wie kommt es, dass Sie Weihnachtsbäume vermieten?

Als ich beschloss, Weihnachtsbäume anzu­pflanzen, stellten meine Kinder mit Bedau­ern fest, dass die Tannen für den Verkauf abgesägt werden müssen. So kamen wir auf die Idee der Vermietung. Wir stiessen rasch auf positive Resonanz. Solange die Tannen nicht grösser als 1,80 Meter sind, ist der Transport im Topf kein Problem.

Wie viele Weihnachtsbäume umfasst Ihr Topf-Tannenwald?

Wir haben circa 700 Nordmanntannen im Alter von 12 bis 15 Jahren. Wenn ein Baum zu gross geworden ist, geht er in Rente und wird in eines unserer Waldstücke gepflanzt.

Worauf sollte man bei der Pflege eines gemieteten Christbaums achten?

Ausser einem Glas Wasser pro Tag braucht es nicht viel. Wichtig ist, dass ein Baum nicht länger als zwei Wochen im Warmen steht, denn er befindet sich in der Winterruhe und meint sonst, es sei Frühling und treibt zu früh aus.

Was war Ihre schönste Erfahrung bisher?

Manche Leute verabschieden sich sogar von den Weihnachtsbäumen, wenn ich sie nach den Festtagen wieder abhole.