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Thomas Suter. Foto: zVg

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«Unser wichtigstes Marketing­instrument ist die Berufs- und Bildungsmesse»

Interview mit Thomas Suter, Leiter Bereich Bildung SPEDLOGSWISS

 

BirsMagazin: Logistik und Spedition gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wie schätzen Sie die Entwicklung in der Ausbildung ein?

Thomas Suter: Der internationale Gütertransport hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Tendenz steigend. Deshalb wird die Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau in der Internationalen Speditionslogistik auch in der Zukunft von Bedeutung sein.

Der Verband SPEDLOGSWISS ist eine vom Bund anerkannte Ausbildungs- und Prüfungsausrichtung. Setzt die Branche vermehrt auf den dualen Bildungsweg?

SPEDLOGSWISS setzt seit Jahren auf den Königsweg der dualen Lehre, um qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. In dieser kaufmännischen, 3-jährigen Lehre lernen die jungen Berufsleute schnell, was es heisst, mit der Welt in Kontakt zu stehen und täglich Fremdsprachen anzuwenden. Zudem kann ein Lernender rasch Verantwortung übernehmen und sein Organisationstalent unter Beweis stellen.

 

SPEDLOGSWISS Inserat

 

Welche Möglichkeiten, einen passenden Aus­bildungsplatz zu finden, werden geboten?

Wichtigstes Marketinginstrument ist und bleibt die jährliche Berufs- und Bildungsmesse (alternierend im Kanton Basel-Stadt und Kanton Baselland). Wir sind als Verband mit einem eigenen Stand vertreten und holen die jungen Menschen, die auf Lehrstellensuche sind sowie Eltern und Leh­rer ab und informieren im Gespräch über unsere Ausbildungsmöglichkeiten. 

Wir sind auch in den sozialen Netzwerken unterwegs. So haben wir z. B. mit yousty (www.yousty.ch), der inzwischen grössten Online-Lehrstellenplattform der Schweiz, seit einigen Jahren eine Partnerschaft. Auf dieser Plattform stellen wir den Beruf des Kaufmanns / der Kauffrau vor. Das hat sich bewährt. Ziel des Betreibers yousty ist es, das duale Berufsbildungssystem der Schweiz zu stärken und zu fördern. Ein Anliegen, das auch uns sehr am Herzen liegt. Auf unserer Website SPEDLOGSWISS haben wir unter der Rubrik Grundbildung eine Lehrstellenplattform für unsere Mitgliedsfirmen, auf der sie ihre freien Lehrstellen schalten können. 

Inwieweit spielt die Digitalisierung eine Rolle? 

Die digitale Transformation, wie wir sie derzeit erleben, ist ein Prozess, der jede Branche und unsere gesamte Gesellschaft umwälzt. Sie bringt ganz neue Möglichkeiten mit sich, z. B. im Bereich der Automatisierung von Prozessen, die Nutzung von Big Data für neue Geschäfte usw. Doch diese Transformation, was nichts anderes heisst, als die Digitalisierung richtig umsetzen, ist Aufgabe aller Unternehmen, auch unsere als Verband der schweizerischen Speditions- und Logistikbranche.
Durch die Digitalisierung muss vor allem Kundennähe geschaffen werden. Wenn der Kunde von digitalen Prozessen profitiert, dann tut es das Unternehmen auch. Lieferketten müssen an aktuelle Entwicklungen angepasst werden, um den Service für die Kunden im Bereich der Spedition zu optimieren. 

 

SPEDLOGSWISS Inserat

 

Auf den Bereich der Grund- und Weiterbildung übertragen heisst das für uns, dass wir neue, den Ansprüchen der digitalen Welt angepasste Handlungskompetenzen vermitteln müssen. Es müssen Lernformen gefunden werden, die der Digitalisierung und der neuen Generation von Berufsleuten gerecht werden. 

Was die Digitalisierung für die meistgewählte berufliche Grundbildung der Schweiz – nämlich die kaufmännische Grundbildung – heisst, damit beschäftigt sich die SKKAB (Schweizerische Konferenz der kauf­männischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen) im Projekt «Kaufleute2022». Die Ergebnisse bilden dann die nächste Aktualisierung der Bildungsverordnung. Ich bin hier in der Kerngruppe der SKAAB tätig und kann die Anliegen unserer Branche aktiv einbringen. 

Was die neuen Lernformen betrifft, so setzt sich das E-Learning sowohl für die Grundbildung als auch bei vielen Weiterbildungen auf Professional-Stufe immer mehr durch. SPEDLOGSWISS hatte hier bereits eine Vorreiterrolle: Seit 2012 bilden wir die Lernenden mit dem integrierten Lernkonzept «Blended Learning» aus, eine Kombination aus Präsenz- und E-Learning, das den Lernenden ermöglicht, sich übers Inter­net zu vernetzen und das Onlinestudium mit den klassischen Lernmethoden sinnvoll zu kombinieren. 

Wie sieht es mit Aus- und Weiterbildungen respektive Karrieremöglichkeiten aus?

In der Region Nordwestschweiz bieten unsere Speditionsunternehmen rund 120 Lehrstellen im Bereich der 3-jährigen Lehre als Kaufmann/Kauffrau Int. Speditionslogistik sowie der 2-jährigen Lehre als Büroassistent/Büroassistentin an. Somit zählt unsere Branche zu den grössten Lehrstellenanbietern der Region. Nach der Lehre finden alle Lernenden eine Festanstellung in der Branche und SPEDLOGSWISS bietet ein reiches Weiterbildungsangebot für Vertiefungen in einzelne Themengebiete. Als Karrieresprungbrett dienen vor allem unsere eidgenössisch anerkannten Abschlüsse zum Zolldeklaranten/zur Zolldeklarantin, zum Fachmann/zur Fachfrau mit Fachausweis oder sogar zum Leiter/zur Leiterin Int. Spedition und Logistik.

Wie schätzen Sie die Chancen eines Quereinsteigers ein? Werden Kurse angeboten?

Die Nachfrage nach diesem Weiterbildungsgefäss stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Es geht darum, Personal, das keine Lehre in unserer Branche absolvierte oder längere Zeit nicht mehr im Beruf tätig war, wieder für den Berufsalltag fit zu machen. Da die Weltwirtschaft spürbar anzieht und damit auch die Güterströme zunehmen, entsteht derzeit zusätzlicher Personal­bedarf, den wir ergänzend mit den Quereinsteigerkursen abdecken können.

Inwieweit spielt die Politik in der Bildungslandschaft der Speditions- und Logistik­unternehmen eine Rolle?

Das hervorragende Bildungssystem der Schweiz trägt massgeblich zum Wohlstand in unserem Land bei. Und da die Bildung eine volkswirtschaftliche Aufgabe des Staatswesens ist, spielt die Politik eine zentrale Rolle. Das trifft auch auf unsere Bildungsangebote in der Grund- und Weiterbildung zu. Einerseits sind wir durch den Bund dazu legitimiert, Speditionskaufleute auszubilden, anderseits beteiligen sich Bund und Kantone im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben auch an unseren Bildungsaufwendungen in Spedition und Logistik. Insofern sind wir in bildungspolitischen Prozessen eingebunden. Sei es durch unseren Verbandspräsidenten Nationalrat Thomas de Courten, der uns im nationalen Parlament vertritt, sei es durch unser eng ge­wobenes Netzwerk, das wir zu kantonalen Politikern und staatlichen Bildungsinstitutionen aktiv pflegen. 

Welches sind die Wettbewerbsvorteile der Schweizer Speditionswirtschaft?

Wir haben in der Schweiz einen auffallend hohen Anteil der Speditionswirtschaft am Bruttoinlandprodukt, auch die Anzahl Speditionsunternehmen bezogen auf die Grösse der Schweiz ist markant hoch. Es scheint verwunderlich, dass ein Land, dessen Fläche gerade mal 0,2 % der gesamten kontinentalen Erdoberfläche ausmacht und dessen Anteil an der Weltbevölkerung beschei­denen 0,1 % entspricht, eine erhebliche Bedeutung für die Speditionswirtschaft erlangen kann. Etliche weltweite Spedi­tions- und Logistikkonzerne haben ihren Hauptsitz bzw. ihre Europa-Zentrale in der Schweiz und als Branchenverband vereinen wir über 330 Firmen unter unserem Dach. Natürlich hat die Schweiz aufgrund ihrer geographischen Lage mit dem Rhein und den Transitachsen mit strategischen Alpenübergängen schon rein historisch ei­ne hervorragende Ausgangslage für Handel und Transport. (ch)