Wie beste Freundinnen: Sandra, Doris und Maya Weber (v. l.) Foto: Christian Jaeggi

Wie beste Freundinnen: Sandra, Doris und Maya Weber (v. l.) Foto: Christian Jaeggi

Die Folklore lebt

Fünfzehn Jahre stehen die Geschwister Weber aus Reigoldswil schon gemeinsam auf der Bühne – mit einer fürs Baselbiet und für ihr Alter eher untypischen Kunst: Sie jodeln, spielen Schwyzerörgeli und Alphorn. Und sie sind damit ziemlich erfolgreich.

 

Das Thema ist allgegenwärtig: In der Wohnung der Eltern in Reigoldswil ist eine ganze Ecke mit Zeitungsartikeln über die Auftritte des Terzetts tapeziert, und über dem Sofa hängen schön gerahmt Fotos der Erfolge der drei Schwestern Sandra (24), Doris (23) und Maya (20). Tatsächlich drehte sich das Familienleben der Webers einige Jahre zu einem grossen Teil um die Auftritte, Proben und den Unterricht der drei Mädchen. Der Vater managte die Engagements, die Mutter pflegte die Trachten – eine Baselbieter und eine Gotthelftracht – und fungierte als Chauffeuse. Angefangen hat alles mit Papa Richard, der im Jodlerclub Bretzwil mitsang. «Wir durften immer mit an die Jodlerfeste, das war für uns normal. Und irgendwann wollte wir selber mit­­machen», erinnert sich Sandra. Die Eltern freute es, sie meldeten Sandra und Doris im Kinderchor «Bölchenfluh» in Langenbruck an. Maya war damals noch zu klein, aber da die beiden älteren Schwestern auch zuhause viel sangen und übten, wuchs sie schnell hinein, und bald sangen die Mädchen dreistimmig. Dann meldete der Vater seine Töchter bei einem Nachwuchs-Wettbewerb an, und die drei schafften es ins Finale. Es folgten Auftritte an Anlässen und Jodlerabenden, die Bekanntheit wuchs. «Als Kinder traten sie sehr unbedarft auf, sie hatten einfach den Plausch», erinnert sich Mutter Bernadette. Heute gehört, je nach Saalgrösse und Publikum, ein Kribbeln vor den Auftritten dazu.

Schöne Erfolge

Die drei jungen Damen können mittler­weile auf einige Erfolge zurückblicken: 2011 gewannen sie den Schweizer. Folklorenachwuchs-Wettbewerb, 2012 die Alpenrose und 2013 den Stadlstern, einen Jugendwett­bewerb des Musikantenstadls. Ausserdem traten sie beim Silvester-Musikantenstadl in Klagenfurt auf und beim Christmas Tattoo in Basel. Auch zwei CDs haben sie produziert: Weber’s heisse mir! und Jodeln ist Medizin. Leicht und locker wirken die Auftritte der drei, doch dahinter steckt Arbeit und Zeit. Sandra und Doris spielen auch Schwyzerörgeli und Maya Alphorn. Je nach Engagement – mehrheitlich für Jodlerabende, aber auch für Geburtstage und Hochzeiten oder für Firmenanlässe – üben sie häufiger und länger. Rund zweimal im Monat gibt es eine Übungseinheit bei der Dirigentin, mit der sie seit dem Kinderchor zusammenarbeiten. Hinzu kommt sicher noch eine Probe pro Woche, meistens im Elternhaus in Reigoldswil. Und die einzelnen Stimmen sollten an den Proben bereits sitzen. Maya spielt ausserdem einmal die Woche in einer Alphorngruppe. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht, aber der Freundeskreis kommt nicht zu kurz. Die Liedervorschläge macht oft die Dirigentin. Sie werden dann grob einstudiert und danach wählen die drei gemeinsam aus, welche ins Repertoire aufgenommen werden. «Sie müssen für uns schön tönen und uns Freude machen», sagt Sandra. Die Auswahl ist auch nicht riesengross, denn Lieder, die dreistimmig für Frauenstimmen geschrieben sind, gibt es nicht viele.

 

Eine Tracht sollte traditionell nicht von langen Haaren verdeckt werden.

Eine Tracht sollte traditionell nicht von langen Haaren verdeckt werden.

 

Die Tradition erhalten

Fünfzehn Jahre sind die drei Mädels nun schon gemeinsam unterwegs, und noch immer haben sie den Plausch zusammen. Knatsch gab es kaum, und die gemeinsamen Erlebnisse und Erfolge schweissten sie zusammen. «Wir haben es wirklich gut miteinander», bestätigt Maya die Harmonie. Mittlerweile wohnt nur noch Maya im Elternhaus, jede hat ihren Beruf und ihr Privatleben. «Solange wir Freude daran haben, machen wir auf jeden Fall weiter», sind sie sich einig und hoffen, dass sich auch andere junge Menschen für diese schöne Tradition begeistern können. Einen Augenschein nehmen kann man ganz einfach am Wochenende vom 26.–28. Juni, denn dann findet das Eidgenössische Jodlerfest statt – und zwar in Basel!

 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi