Die herzlichen Gastgeber der Sonne. In der Mitte La Grande Dame Margrith Achermann mit ihren Töchtern Alexandra (l.) und Gabriela. Im Hintergrund Küchenchef Serge Droesch.

Die herzlichen Gastgeber der Sonne. In der Mitte La Grande Dame Margrith Achermann mit ihren Töchtern Alexandra (l.) und Gabriela. Im Hintergrund Küchenchef Serge Droesch.

 

Der Allrounder

 

Die «Sonne» in Aesch ist ein Gasthaus für Gäste, die eine alltagstaugliche Frischküche mehr zu schätzen wissen als eine drapierte Baukastenküche auf Gucci-Tellern.

 

 

Die «Sonne« ist ein Wirtshaus für den täglichen Gebrauch. Bereits um halb sieben in der Früh wird der Gast freundlich bedient, während Pensionäre am Mittagstisch mit einem Seniorenteller verwöhnt werden, der einen an das Gute im Menschen glauben lässt, wie dies auch das Salatbuffet unterstreicht, das nicht irgendeine Grünschnittdeponie verkörpert, sondern beim Gast den Appetit auf Vitamine weckt. Wer die «Sonne» abends aufsucht, freut sich auf das Abendmahl, ohne dass bei einer Familie gleich das Gefühl aufkommt, einen Kleinkredit beantragen zu müssen. In der «Sonne» beschallen keine lauten Musikboxen, sondern die Gäste das Haus. Fröhliches Gelächter, angeregte Gespräche und eine Speisekarte, die frei von Gesülze ist und mit klaren Ansagen überzeugt, dominieren die stimmungsvolle Szenerie. Der Service unter der Leitung von Gastgeberin Margrith Achermann mit ihren Töchtern Gabriela und Alexandra ist kompetent und herzlich, und das Küchenteam unter der Führung des Elsässers Serge Droesch ist auf seiner Höhe, bestückt mit Profis, die ohne Brimborium kochen, sich dabei oft mit dem Saisonalen auseinandersetzen, wie etwa ein sämiger Risotto mit frischem Spargel, ohne dabei die hauseigenen Evergreens vom regionalen Fleisch, wie ein Beefsteak Tatar oder ein Cordon bleu vom Kalb, aus den Augen zu verlieren. Die Weinkarte überzeugt mit Provenienzen vom lokalen Weingut Tschäpperli und überrascht mit humanen Preisen für diverse Spitzenweine aus dem Bordeaux und Burgund, was dazu führen kann, dass Weinfreunde nicht nur einen Tisch, sondern gleich eines der Gästezimmer reservieren. In der Summe ist die «Sonne» ein Gunstplatz für unbeschwerte Momentaufnahmen in beschwerlichen Zeiten. 

 

Text: Martin Jenni, Foto: Christian Jaeggi