Gasthaus zur Sonne in Reigoldswil Foto: Christian Jaeggi

Gasthaus zur Sonne in Reigoldswil Foto: Christian Jaeggi

Einkehren in der Sonne

Bei den beliebtesten Restaurant-Namen in der Schweiz strahlt die «Sonne» weit oben. Auch die Region bietet einige «Sonnen», die nicht nur eine breite Vielfalt von Speis 
und Trank bieten, sondern mitunter auch auf eine lebhafte Geschichte zurückblicken.

 

Während in den Städten Franchise-Ketten und vorwiegend fremdsprachige Labels von Restaurants, Bars, Cafés etc. um ein hippes, urbanes Publikum werben, ist auf dem Land die Kirche noch im Dorf geblieben – oder besser gesagt das «Rössli», die «Post», der «Bären» und eben auch die «Sonne». Tatsächlich steht der Erde nächstgelegener Stern als Namensgeber mit über 300 Lokalen in der Deutschschweiz oben auf der Rangliste. Auch in weiteren Gestirnen lässt es sich gut einkehren: So gibt es in der deutschen Schweiz über 200 Lokale mit dem Namen «Sternen» und immerhin rund 70 Monde.  
Der Name eines Gasthauses reicht oft bis ins Hochmittelalter zurück. Im 13. Jahrhundert wurde es Brauch, Schenken mit Namen und Schildern zu bezeichnen – in den Anfängen vor allem mit Wappentieren wie Adler, Löwen, Bären etc. oder christlichen Schöpfungssymbolen wie Ochsen, Pferd bzw. «Rössli» oder Lamm. Auch der Sonne kam als Lichtquelle und Wärmespenderin schon früh eine wichtige Rolle als Namensgeberin zu.

 

Restaurant Sonne in Basel, Foto: Christian Jaeggi

Restaurant Sonne in Basel, Foto: Christian Jaeggi

 

Lockdown und Pest

Im Herzen des Oberbaselbieter Dorfes Reigoldswil strahlt eine äusserst geschichtsträchtige Sonne. Ein Vertrag aus dem Jahr 1593 weist Hans Roth als «Wirt zur Sonne zue Rigendschwil» aus. Darüber gibt eine Chronik Auskunft, die heute noch im Gasthaus bestaunt werden kann. «Man stellt fest, dass das Gastgewerbe auch in den vergangenen Jahrhunderten mit Problemen zu kämpfen hatte», sagt Wirt Silvan Degen mit einem Seitenhieb auf den Co­rona-Lockdown. So verlor zur Mitte des 
17. Jahrhunderts – mitten im Dreissigjährigen Krieg also – der damalige Wirt Durs Schweizer durch die Pest seine Frau, und mit ihr auch die Motivation am Wirten. Für ein Darlehen von 30 Pfund übergab er das Gasthaus an Joggi Rickenbacher. Die Geschichte ist im Lokal auch heute noch omnipräsent, optisch etwa durch die vom lokalen Dekorations- und Landschaftsmaler Heinrich Weber gestalteten Räumlichkeiten. 
Gaumenfreuden in den historischen Sälen und der einladenden Gartenwirtschaft verspricht die angebotene Auswahl aus der klassischen französischen Küche, aber auch einfachere Gerichte von der kleinen Karte. Freunde von hochwertigen Rebenerzeugnissen freuen sich über einen Besuch im begehbaren Weinkeller

 

Restaurant Pizzeria Sonne in Bottmingen. Foto: Christian Jaeggi

Restaurant Pizzeria Sonne in Bottmingen. Foto: Christian Jaeggi

 

Aufenthaltsort und Restaurant

Für das Gasthaus zur Sonne in Röschenz im Laufental wird gemäss Grundbuch mindestens seit dem Jahr 1923 eine gastro­nomische Nutzung nachgewiesen. In der Zwischenkriegszeit und nach dem Zweiten Weltkrieg genossen Wirtshäuser generell einen bedeutend höheren Stellenwert als öffentlicher Aufenthaltsort. «Hier wurden früher auch Theateraufführungen geboten und die Kegelbahn wurde eifrig genutzt», berichtet Wirtin Jacqueline Wunderer. Angesprochen wurde die ganze Gesellschaft – und diesem Anspruch möchte Wunderer auch heute noch gerecht werden. So ist das Angebot auf Familien, Wanderer und Handwerker zum «Zmittag» ebenso aus­gerichtet wie für geschäftliche Treffen und gesellschaftliche Anlässe.
Wer Röschenz kennt, der weiss, dass hier ausserordentlich viele Sonnenstunden geboten werden. «Das würdigen wir mit unse­rem traumhaft schönen Garten mit Hänge­matte, Palmen, Brunnen und viel, viel Platz», so Wunderer. 

 

Restaurant zur Sonne in Röschenz. Foto: Christian Jaeggi

Restaurant zur Sonne in Röschenz. Foto: Christian Jaeggi

 

Sonne ohne Sonne

Der Einstieg in diesen Text entspricht nicht ganz der Realität, denn wir finden natürlich etliche traditionelle Restaurant-Namen nicht nur auf dem Land, sondern sehr wohl auch in städtischen Gefilden. So gibt es auch in Basel die «Alte Post», den «Sternen» – sogar mit einem goldenen Ableger – das weitherum bekannte Hirscheneck und in dessen Nachbarschaft eben auch eine Sonne. 
Diese strahlt allerdings nicht an exponierter Lage, sondern vielmehr in der Rhein­gasse. Diese ist weniger für ihre Sonnenstunden bekannt, als vielmehr als beliebte Ausgangsmeile zu späterer Stunde. Selbstredend darf somit bei Wirtin Fränzi und Team neben einer grossen Auswahl an klassischen kalten und warmen Gerichten auch eine Bar nicht fehlen, denn: Wenn die Sonne schon lange untergegangen ist, sind die Nächte in der Rheingasse noch lang.

 

Text: Simon F. Eglin, Fotos: Christian Jaeggi