Das B&B der etwas anderen Art. Das Silo in Herznach und sein Frühstücks-Erker lassen jeden Ärger vergessen.

Das B&B der etwas anderen Art. Das Silo in Herznach und sein Frühstücks-Erker lassen jeden Ärger vergessen.

 

Frühstück bei Tiffany

 

Wer das Ungewöhnliche für eine Auszeit vom Alltag sucht, der liegt im Bergwerksilo von Herznach in der ersten Reihe. Das Frühstück tischt aber nicht Tiffany auf, sondern Jacqueline Boschung, die mit viel Herzblut und Kompetenz ihre Gäste betreut.

 

 

Vor achtzehn Jahren haben die Besitzer des Bergwerksilos Brigitte Deiss und Ueli Hohl mit dem Umbau ihres Silos begonnen, der zwei Jahre in Anspruch genommen hat. Entstanden ist ein spezieller Wohnsitz, den die zwei Enthusiasten jahrelang als B&B führten. Heute bewohnen sie den obersten Teil des Silos, sind ins zweite Glied gerückt und haben Jacqueline Boschung die Führung des Gästehauses übertragen. Wer keine Höhenangst hat und näher bei den Vögeln sein will, liegt hier richtig. Vier Zimmer warten auf unkomplizierte Gäste, die den Komfort von heute nicht missen, sich aber nicht in einer steifen Atmosphäre mit einem steifen Oberkellner auseinandersetzen möchten. Die Stimmung im Bergwerksilo ist leger, aber nicht abgehoben, und das Frühstück setzt auf Klasse statt Masse. Wer kommt, bleibt gerne eine Nacht länger und erkundet zu Fuss die liebliche und in weiten Teilen unberührte, sonnige Fricktaler Landschaft. Wem es nicht nach wandern zumute ist, verweilt mit Lese- und Trinkstoff am Naturteich, hört dem Quaken der Glockenfrösche zu, falls welche da sind, oder lässt sich von der Gastgeberin in die Historie der Fricktaler Eisenerzgruben einweihen, zu der auch das Bergwerksilo von Herznach gehört. Werden die BAG-Bestimmungen weiter gelockert oder gar aufgehoben, sind hier auch wieder Stollenbahn-Fahrten, Führungen und private Feste in der Bergwerkstube möglich, was zu einem bunt-fröhlichen Treiben führen kann. Wer im Sommer das Silo für sich alleine haben will, kommt unter der Woche oder an regnerischen Tagen, dann, wenn sich der späte Morgennebel um die Trichterform der Silohülle schlängelt, eine Kuh in der Ferne brüllt, das Eis im Aperitif schmilzt und einen der nächste Krimibuch-Mord das Adrenalin hochschnellen lässt und sich der Appetit auf «Schnitz und Drunder» bemerkbar macht. Allerdings hat bei lauen Temperaturen ein Picknick zu zweit am Naturteich auch so seinen Reiz. Ganz ohne Buch.

 

Text: Martin Jenni, Foto: Christian Jaegg