Stephan Krähenbühl

«Legt Euer Geld auf dem Dach an!»

 

Die Energie der Sonne mittels Photovoltaik in Strom umzuwandeln, ist nicht nur nachhaltig, sondern auch rentabel. Stephan Krähenbühl und sein Team von Primeo Energie motivieren Energiekonsumenten dazu, Produzenten zu werden. 

 

BirsMagazin: Spätestens seit der Jahrtausendwende ist die Photovoltaik in aller Munde. Wie hat sich die Nutzung der Sonne als Energielieferant in den letzten Jahren entwickelt?

Stephan Krähenbühl: Die Effizienz der Solarpanels hat sich im Lauf der Jahre stark verbessert. Zeitgleich sind auch die Kosten für die Anlagen enorm gesunken, was die Investition für den Strom vom eigenen Dach natürlich umso lukrativer macht. Wir können heute auch festhalten, dass Panels, die in den 1990er-Jahren installiert wurden, auch heute noch ohne nennenswerte Effizienzeinbusse Strom produzieren. 

 

Die Strategie des Bundes zur Förderung von Solarenergie hat sich ausgezahlt. Ursprünglich wurden durch Subventionen wichtige Impulse gegeben, dass sich ein neuer Industriezweig entwickeln konnte. Dieser ist heute zu einem Selbstläufer geworden. Eine Anschubfinanzierung des Bundes wird aber nach wie vor noch entrichtet. 

 

Welche Rolle spielte Primeo Energie bei dieser Entwicklung?

Mit der Gründung der Birseck Solar AG haben wir frühzeitig die Weichen richtig gestellt und entscheidende Pionierarbeit in der Region geleistet. Wir haben im In- und Ausland schon früh in Photovoltaik-Projekte investiert. Heute gehört die Birseck Solar AG zur Aventron AG, die zu einem grossen Unternehmen angewachsen ist und an der Primeo Energie als Mehrheitsaktionärin beteiligt ist. 

 

Nachhaltigkeit ist ein löblicher Grund für eine Photovoltaik-Anlage. Mit welchen weiteren Argumenten können Privat- und  Geschäftskunden dazu motiviert werden, Strom auf dem eigenen Dach zu produzieren?

Auch die wirtschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand. Im Durchschnitt wird eine Photovoltaikanlage nach zehn bis 15 Jahren rentabel, nicht zuletzt aufgrund unserer attraktiven Einspeisevergütungen. Das bedeutet, nach spätestens 15 Jahren zahlen Sie nichts mehr für Ihren Strom vom Dach. Beim vorherrschenden tiefen Zinsniveau ist eine Anlage auf dem eigenen Dach eine umso lohnendere Investition. Statt Kapital auf dem Konto brachliegen zu lassen, rate ich dezidiert: Legt Euer Geld auf dem Dach an!

 

Trotz der beeindruckenden Vorteile stelle ich immer wieder fest, dass viele Leute eine gewisse Hemmschwelle überschreiten müssen, um sich mit Solarenergie zu befassen. Aus diesem Grund gehen wir an Veranstaltungen gezielt auf die Leute zu und informieren sie über die Pluspunkte der Photovoltaik. Die grosse Mehrheit ist begeistert von den Möglichkeiten. Weitere Barrieren bauen wir ab, indem wir Investoren dabei helfen, unverbindliche Offerten bei Solarteuren einzuholen. 

 

Womit setzt sich Ihr Team zurzeit auseinander?

Das grosse Thema, das uns momentan beschäftigt, sind Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch. Die Energiestrategie 2050 des Bundes sieht vor, dass auf dem Dach produzierter Solarstrom vermehrt nicht mehr ins Netz eingespiesen werden soll, sondern gleich vom produzierenden Haushalt genutzt wird. Eine Schlüsselrolle bei diesem Vorhaben spielen Mehrfamilienhäuser, weil hier ein grösserer Teil der produzierten Energie verwendet wird. Der Vermieter kann also seinen Mietern den auf dem Dach produzierten Strom verkaufen, der keinen Umweg mehr übers Netz machen muss. 

 

Ausserdem haben wir in einer regionalen Pilotgemeinde das spannende Crowdfunding-Projekt «Solar Team» ins Leben gerufen. Die Gemeinde stellt ein Dach zur Verfügung, auf dem die Einwohner einzelne Panels erwerben können. Sind 80% der Fläche verkauft, starten wir das Projekt. Der Besitzer des Panels erhält dann 25 Jahre lang eine Gutschrift auf seiner Stromrechnung über die Menge, die sein Panel produziert. So können wir auch Mieterinnen und Mieter abholen, die nicht selber entscheiden können, ob bei ihnen eine Photovoltaikanlage aufs Dach kommt.  

 

Und? Können die Eigentümer von Mehr-familienhäusern überzeugt werden?

Das Angebot kommt sehr gut an und wir bieten das nicht nur in unserem Verteilnetz an, sondern schweizweit. Da der Strom nicht ins Netz eingespiesen werden muss, fallen weder Netzgebühren noch Steuern an. Aus diesem Grund werden solche Investitionen sehr schnell rentabel. Wir als Energieversorger unterstützen die Liegenschaftsbesitzer nicht nur bei der Umsetzung, sondern auch bei der Verrechnung der Stromkosten und dem Inkasso. Für diese Vorhaben bieten wir ein umfangreiches Dienstleistungspaket an.

 

Wie können die nachkommenden Generationen von den Vorteilen der Solarenergie überzeugt werden? 

Wir legen schon seit vielen Jahren grossen Wert auf die Information der jüngeren Generation über das Energiewesen und somit auch über die Solarenergie. In unserer Lernwelt Energie vermitteln wir Kindern und Jugendlichen die Hintergründe zur Energie in Theorie und vor allem auch in der Praxis in verschiedenen Workshops. Äusserst beliebt ist etwa der Bau von Solarmobil-Modellen, die man im Anschluss natürlich auch mit nach Hause nehmen darf. So werden Kinder auf spielerische Art und Weise mit dem Thema vertraut gemacht. Auch in unserm Elektrizitätsmuseum ist das Thema Energie insgesamt und Solar im Speziellen ausgestellt. 

 

Nutzen Sie privat auch Solarenergie?

Ich bin in Birsfelden in einer Genossenschaftswohnung zu Hause. Tatsächlich haben wir uns vor kurzem entschieden, eine Photovoltaik-Anlage nach dem Modell Eigenverbrauch zu installieren. Der Entscheid an der Genossenschaftsversammlung fiel einstimmig. Seitdem ist die hauseigene Stromproduktion – die jederzeit auf dem Smartphone verfolgt werden kann – ein Dauerthema in der Nachbarschaft. Viele Mieter achten darauf, den Strom dann zu nutzen, wenn er produziert wird – also sozusagen frisch vom Dach.

 

Text: Simon F. Eglin, Fotos: Christian Jaeggi