Im Ausgang! Der Käser und Landwirt Etienne Fernex unterwegs mit seinen Ziegen zur Grasbar.

Im Ausgang! Der Käser und Landwirt Etienne Fernex unterwegs mit seinen Ziegen zur Grasbar.

«Wo’s mir wohl isch»

 

Dieses verlängerte Wochenende bleiben wir nicht zuhause, sondern lassen uns im Dreiland durch die Tage treiben. Endlich wieder einmal.

 

Lange haben wir warten müssen. Nun ist es wieder soweit. Bereits am frühen Freitagnachmittag durchstreifen wir die Wälder rund um Egerten, schauen den Fischreihern zu, wie sie mit stoischer Ruhe im Gras stehen und ins Leere starren und trinken nach einem ausgedehnten Spaziergang in der patinierten Stube oder im lauschigen Garten vom «Hirschen» einen Winzersekt aufs Leben in der Vorfreude auf einen Wurstsalat mit deutschem Feinschnitt und knuspriger Rösti und in der Gewissheit, dass wir Peter mit an Bord haben, der nicht trinkt, sondern uns zurück nach Basel und zum Schlummertrunk ins «Angels’ Share» fährt.

 

Der Hirschen in Egerten ist eine glückselige Reise  ins Damals zu Rösti, Wurstsalat und Kartoffelsalat  mit paniertem Schnitzel.

Der Hirschen in Egerten ist eine glückselige Reise  ins Damals zu Rösti, Wurstsalat und Kartoffelsalat  mit paniertem Schnitzel.

 

Am Samstag holen wir in der Kulinarischen Werkstatt in Metzerlen den Zopf aller Zöpfe, um ihn mit Kaffee aus der Thermoskanne, mit Anke und einem Quittengelée samt Tassen, Messern, Tellern, Stofftischtuch und -servietten auf dem «Chall» (zwischen Metzerlen und Röschenz) auf der ersten Sonnenbank in Richtung Remel zu verspeisen. Gestärkt wandern wir eine Runde weiter zum Remelturm, geniessen den Weitblick und bei klarer Sicht den Ausblick auf die Alpen, steigen hinab zur Besenbeiz Remel, bestellen uns ein Fondue und sitzen, ob mit oder ohne Sonne, geschützt an der Mauer des alten Hauses. Weiter geht’s zurück in Richtung Norden, zuerst den Berg hoch und dann hinunter nach Biederthal ins «Chez Mamie Flo», wo ein guter Edelzwicker ausgeschenkt und ein exzellenter Munster serviert wird. Hier lassen wir uns im kleinen Garten auf die Holzbänke nieder und freuen uns über die bauliche Unversehrtheit eines der letzten intakten Sundgauer Dörfer, trinken, reden und warten auf Peter, der nicht mitwandert, sondern für uns Taxi spielt.

 

Das Leben hat uns wieder.

Das Leben hat uns wieder.

 

Einige Meter neben dem «Chez Mamie Flo» hat es noch einen Dorfladen der Domaine du Geissberg, der sehr gute Brote und Käse verkauft, aber nur selten offen hat, aber immerhin einen Kühlschrank mit Produkten vor dem Haus stehen hat. Nach dem «Flo»-Aperitif geht’s weiter nach Schönenbuch ins «Bad» zu einem Menu Surprise und einem Cabernet Franc von der Loire. Für den Nightcap wartet nach dem Essen die Cargo Bar direkt am Rhein. Am Sonn-tag heisst es auf dem «Rhyschiffli» von Richard Hagspiel Ahoi, der uns zum Frühschoppen in den «Rostigen Anker» tuckert, vor dem Peter die Sonntagszeitung liest, und der uns danach ins «Rössli» nach Zeglingen fährt, zu einem zarten Schweinskotelett und zu den besten Frites fait maison weit und breit. Hier kommt das Brot noch aus dem Holzofen und der Wein aus dem Baselbiet. Das «Zvieri näh» darf an solch einem gefrässigen Wochenende nicht fehlen, das wir uns nach einem ausgedehnten Spaziergang im «Ochsen» in Oltingen genehmigen. Danach geht’s mit Peters Fahrkünsten westwärts weiter in den Landgasthof Roderis, weil die hier gute Forellen braten und angenehme Gästezimmer haben und mit einem herzlichen Gastgeber punkten, der nie um einen Spruch verlegen ist. So wird der Sonntag aus- und der Montag eingetrunken, den wir schwänzen, weil wir im März und April so brav waren und nur zuhause gelebt haben. Darauf stossen wir mit einem perfekt gezapften Chastelbach an und jassen im Fumoir, Rauchzeichen setzend, den Abend hindurch. Am Montag, nach einem kleinen Frühstück, spazieren wir durchs  Kaltbrunnental nach Grellingen, fahren mit der S-Bahn nach Dornach und mit dem Tram in den «Ochsen» zu Kalbsmilken-Pralinen und einem saftigen Ochsen-Burger.

 

Das Kaltbrunnental ist eine mystisch wilde Rückzugs-oase für entspannte Momentaufnahmen.

Das Kaltbrunnental ist eine mystisch wilde Rückzugs-oase für entspannte Momentaufnahmen.

 

Der Verdauungsspaziergang findet in der Ermitage statt und bevor uns der Alltag wieder hat, vergewissern wir uns, das es frischen Verveine-Tee zuhause hat. Tut dem Magen gut.

 

Text: Martin Jenni, Fotos: Christian Jaeggi