Kulturstätte Friedhof

Kulturstätte Friedhof Fotos Christian Jaeggi

 

Kulturstätte Friedhof

 

Eine Ausstellung auf dem Friedhof Hörnli? Die Idee stiess auf offene Ohren, denn für die Stadtgärtnerei ist der Friedhof weit mehr als nur ein Ort der Trauer. Gerade die Kunst kann in dieser besonderen Umgebung zu stillen und versöhnlichen Momenten verhelfen. 

 

Niemand denkt gerne an das eigene Ende, der Tod ist in unserer Gesellschaft grösstenteils noch immer ein Tabu. Das liegt einerseits an fehlenden Erfahrungsberichten, was danach wirklich geschieht, andrerseits fällt das Reden darüber schwer – man denkt lieber nicht daran. Das ist schade, findet Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel, zu der auch die Friedhöfe gehören. «Viele Menschen haben keinen Bezug mehr zum Friedhof oder hegen sogar eine gewisse Abneigung», erklärt Trueb. Für ihn ist der Friedhof, wie der Name schon sagt, auch ein Ort des Friedens, an dem möglich wird, was man im Erdenleben nie geschafft hat: zur ewigen Ruhe zu finden. Im religiösen oder spirituellen Sinn ist diese Ruhe ein paradiesischer Zustand, und «Paradies» bedeutet im Altpersischen «Garten». «Wir versuchen, mit den Friedhöfen einen Ort zu bieten, an dem dieser Zustand der Ruhe, der Zufriedenheit und der Sehnsucht zum Tragen kommt.» Und das nicht erst nach dem Tod.

 

Kunst kann vermitteln

Die Kunst, so waren sich die Verantwortlichen einig, ist ein guter Weg, den Friedhof Hörnli vermehrt als Frei- und Kulturraum mit hoher Aufenthaltsqualität zu positionieren. Mit den Grabmälern, der Natur und den jährlichen Veranstaltungen, wie der Gedenkfeier für die Sternenkinder, der Grabmalprämierung, dem Tag des Friedhofs, dem Allerheiligen-Konzert und der Weihnachtsfeier, war dieses Element teilweise schon vorhanden. Und als im 2019 eine Riehener Galeristin den Vorschlag machte, auf dem Hörnli Tierskulpturen des Künstlers Davide Rivalta auszustellen, stiess sie auf offene Ohren. 

 

Friedhof Wolfgottesacker

Friedhof Wolfgottesacker

 

«ZEIT LOS LASSEN»

Geradezu poetisch passend mutet der Titel der diesjährigen Ausstellung des Berner Künstlers Matthias Zurbrügg an, dessen 26 Wortbilder mit bis zu vier Meter grossen Buchstaben sich über die Friedhofsanlage verteilen, deren Weitläufigkeit und Geschichte für derartige Installationen prädestiniert sind. «Dies sind nicht die ersten Ausstellungen», so Trueb, «und wir möchten vermehrt auch Konzerte anbieten.» Für eine Ausstellung im nächsten Jahr gibt es bereits einige Interessenten.

Der Friedhof soll also nicht nur ein Ort der Trauer und des Abschiednehmens sein, sondern auch eine Einladung, sich über die unbekannte Dimension des Todes oder der ewigen Ruhe klarzuwerden, darüber nachzudenken und sich darüber zu unterhalten. Eine Einladung, sich dem Thema entspannt und zuversichtlich zu nähern. «Sicher haben wir alle Angst vor der grossen Ungewissheit», so Trueb. «Ich persönlich versuche aber, mir durch eine bewusste Beziehung und Auseinandersetzung den Tod zum Freund, oder mit den Worten des Heiligen Franz von Assisi, zum Bruder zu machen. Ideal ist es, wenn man sich auf diese paradiesischen Zustände freuen darf.» Und warum sollte man sich nicht von der Kultur dabei unterstützen lassen?

 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi