In der grünen Klus. Foto Christian Jaeggi

In der grünen Klus. Foto Christian Jaeggi

«Vi gå över daggstänkta berg»

Dieses schwedische Volkslied kennen wir besser als «Im Frühtau zu Berge wir zieh’n, fallera». Der berühmte deutsche Komiker Otto Waalkes hat mit seinen «Im-Frühtau-zu-Berge-Lyrics» das Lied in zahlreichen Köpfen verewigt. So ziehen wir auch hin und wandern in der Region. Fallera!

 

Bleiben wir gleich noch bei einer weiteren alten Kamelle hängen: «Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah.» Dieses Zitat, angelehnt an Goethes Erinnerung «Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.» befolgen wir gerne und immer wieder, wollen wir doch nicht zu den unglücklichen Tagesausflüglern gehören, die in der Autokiste, Stossstange an Stossstange auf der Teerpiste vor sich hin schmoren und den Süden nur erahnen, aber nicht erspüren können. Einmal mitten durch, vom Birschöpfli aufwärts der Birs entlang über Laufen nach Soyhières und Reconvilier bis hin nach Tavannes zur Quelle von La Birse. Oder im Kluser Rebenmeer ein- und abtauchen, in den verträumten Gärten in den Blüten der Blumen die Zukunft lesen und einige Beeren über den Zaun pflücken, Dörfer und ihre leeren Hinterhöfe auskundschaften und sich von den Hofhunden nicht erwischen lassen. Die Wanderrouten und Beschilderungen nutzen, ihnen aber nicht immer zwingend ergebend folgen, abkürzen und länger schlendern, ankommen, verweilen und bleiben, das darf, das muss manchmal sein. Wer wandert, den Alltag hinter sich lässt, ist gut vorbereitet, prägt sich die ungefähre Route ein, nimmt die notwendigen Karten (1:25 000), Lesebrille und den Kompass mit, vergisst den Regenschutz nicht, hat gutes Schuhwerk an und ist frohen Mutes, hat aber zusätzlich Notverband und Pflaster eingepackt sowie das romantische Picknick oder die volle Brieftasche für die erquickende Einkehr, im Wissen, dass Speisekarten mehr über ihre Bewohner erzählen als deren Denkmäler. So eine Tour, ob kurz oder lang, kann Wunder bewirken, entspannt jeden angespannten Körper und erspart den Seelenklempner. Los geht’s mit Otto auf Discosound-Rock-an’-give-it-to-me: «He! He! Frühtau! Yeah!»

 

Die luftige Landskron

Bild links: Die luftige Landskron; Bild Mitte oben: Das waren noch Zeiten (beim Kloster Dornach); Bild Mitte unten: Nur auf Voranmeldung: Gästezimmer direkt im Kloster Maristein; Bild rechts: Noch mehr «Kreuz» in Metzerlen

 

Natur und Klöster

Leichtfüssig ist und besinnlich wird’s auf der sechstägigen Klosterwanderung von Basel nach Solothurn, die sich aber je nach Lust und Laune problemlos auf zwei Tage verkürzen lässt, indem einfach einige Passagen ausgelassen werden. Nach dem Erklimmen der Münstertürme geht’s von der Rittergasse an den Rhein und dann zum Birschöpfli die Birs hinauf nach Arlesheim zum Dom und von dort aus hin zum Kloster Dornach. Und wenn Sie jetzt auch denken mögen, das kenne ich doch alles, ich wohne ja hier, lohnt es sich dennoch, die Reise in Basel zu beginnen und in Dornach eine Übernachtung einzulegen. Die Region einmal anders als herkömmlich zu erleben zeigt einem neue Perspektiven auf. Die zweite Etappe führt vom Kloster Dornach zum Kloster Mariastein. Weiter der Birs entlang nach Aesch durchs Rebenmeer und seinen blau blühenden Traubenhyazinthen über den bewaldeten Höhenzug des Blauen mit Ausblick ins Leimental und auf die Ruine Landskron. Die Wege sind gut gekennzeichnet, die Karte hilft den Orientierungslosen sich zu orientieren. Wer den Abend irdischer angehen mag, besucht im nahen Metzerlen das «Lämmli» oder das «Kreuz». Der dritte Tag führt von Mariastein übers Metzerlenkreuz zum Wasserschloss Zwingen. Weiter geht’s durchs Chaltbrunnental über den Meltingerberg zum Kloster Beinwil, dann via Hohe Winde durch den Naturpark Thal runter nach Welschenrohr und dann am sechsten, am letzten Tag hoch zum Weissenstein und hinunter via Verenaschlucht in die Barockstadt Solothurn.

 

Der Speisesaal im Klosterhotel Kreuz in Mariastein

Bild links: Der Speisesaal im Klosterhotel Kreuz in Mariastein; Bild rechts: Warum ist es an der Birs so schön, warum ...

 

Kraftorte

Wem das einige Klöster zu viel sind, weicht auf die Kraftorte- oder die kurzweilige Industrie-Tour aus. Die erste beginnt in Olten und führt durch wilde Landstriche zu idyllischen Punkten, gepaart mit diversen Kraftorten im Baselbieter und Solothurner Jura. Die zweite startet in Balsthal und führt via Mümliswil über die Wasserfallen nach Liestal. Beides sind empfehlenswerte Touren, bei denen nicht befürchtet werden muss, Heerscharen von Wanderern anzutreffen. Wer nur etwas die Beine vertreten will, dem empfehle ich den Spaziergang von Muttenz oder von Arlesheim auf die Schönmatt, die Uferwanderung an der Birs von Dornach nach Basel oder die Grenzwanderung über die Sankt Chrischona bis nach Basel. Natürlich mit Otto alias Udo Lindenberg «Im Frühtau» summend: «Dadi-dädä! Alter, im Frühtau zu Berge, da zieh’n wir tierisch einen los! Oh, Mann! Das Grün von den Wäldern, das knallt so unheimlich reihein! Dubn die-didah, dubn die-didaa-ah-aa. Mann, wir sind ja losgezogen, uns ’ne Prise Sonnenschein in die Nase zu pfeifen! Alter, das haut doch total in die Socken! Dbn d-d, fallera». Viel Vergnügen bei Ihrer ganz persönlichen Wanderung. 

 

Text: Martin Jenni, Fotos: Christian Jaeggi