Satin, Chiffon, Tüll und Spitzen – es darf geträumt werden ... Foto: Christian Jaeggi

Satin, Chiffon, Tüll und Spitzen – es darf geträumt werden ... Foto: Christian Jaeggi

«Shades of White»

Heiraten in Weiss ist noch immer beliebt. Doch eine alte Tradition ist das nicht. Und sind die Brautkleider wirklich weiss? Das BirsMagazin hat genauer hingeschaut und zwei Frauen besucht, die es wissen müssen. 

 

Sie sind aus Satin, Chiffon, Tüll und Seide, verziert mit Spitzen, Stickereien und Perlen. In Reih und Glied hängen sie an gepolsterten Kleiderbügeln und warten auf ihren Einsatz, auf eine Braut, die sich traut. Aber weiss? Nein, weiss sind sie nicht. «Nur die wenigsten Brautkleider sind heute noch ganz weiss», sagt Loriana Cotoia (35), die mit ihrer Mutter Anna Maria das Geschäft Lacori Spose am Blumenrain in Basel führt. Doch obwohl reines Weiss oft grell wirkt und nur den wenigsten Frauen steht, war die Farbe Weiss bis vor rund zwanzig Jah­-ren für die Brautkleider Standard. Der Trend zu einem schmeichelhafteren Elfenbein kam aus Italien. Heute ist Elfenbein die beliebteste Farbe für Brautkleider, gefolgt von zarten Gelb- oder Rosatönen, seltener auch von dezentem Gold oder Hellblau. Und ab und zu mal einem Ausreisser, zum Beispiel Rot. 

 

Auf den ersten Blick wirken alle Brautkleider weiss, aber der Schein trügt. Foto: Christian Jaeggi

Auf den ersten Blick wirken alle Brautkleider weiss, aber der Schein trügt. Foto: Christian Jaeggi

 

Schneidern seit drei Generationen

Die Auswahl bei Lacori Spose ist nicht riesig, das Geschäft überschaubar und persönlich. Die beiden Frauen punkten mit individueller Beratung, mit einem Rundum-Service und vor allem mit ihrem handwerklichen Können. «Die Kundinnen schätzen es sehr, dass wir die Änderungen alle selber machen», erklärt Cotoia. Und Änderungen gibt es fast immer; hier ein wenig enger, da ein bisschen höher, oben noch etwas Spitze, dort ein paar Stickereien ... Im Umgang mit Stoff und Faden sind die beiden Frauen Virtuosinnen und erfüllen jeden Wunsch, selbst wenn sich eine Kundin den Rock des einen mit dem Oberteil eines anderen Kleids wünscht. Oder sich für eine Massanfertigung entscheidet. Viele der Näharbeiten können nur von Hand bewerkstelligt werden. Das ist aufwendig, und nicht immer reicht die Zeit im Geschäft dafür aus. «Stickereien erledigen wir oft abends zuhause», sagt Cotoia. Neben den Einzelanfertigungen gibt es bei Lacori Spose natürlich auch die eingekauften Kleider und eine kleine eigene Kollektion sowie sämtliche Accessoires.

Eine emotionale Reise

Seit 1991 bietet Mama Anna Maria in Basel Brautkleider an. Wie ihre Tochter wuchs auch sie mit Nadel und Faden auf und hat das Nähen «im Blut». Die Tochter liess sich zur Designerin ausbilden und führt das Geschäft Lacori Spose seit sechzehn Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter. Nach einem Abstecher nach Sizilien siedelten sich die beiden im 2015 am heutigen Standort an. Mit dem Aufkommen des Internets hat sich das Kaufverhalten stark verändert. «Früher kam die Braut ins Geschäft, liess sich beraten, und wenn ihr ein Kleid gefiel, kaufte sie es», erzählt Cotoia. Heute haben die Kundinnen recht genaue Vorstellungen, was sie wollen, besuchen mehrere Geschäfte und merken sich oft nicht, wo sie welches Kleid anprobiert haben. Geblieben aber sind die Emotionen; der Moment, wenn die Braut ihr Traumkleid findet, wenn die Mutter der Braut eine Träne abwischt und wenn die Kundin das fertige Kleid abholt. Dann sind auch die vielen Überstunden vergessen. Nur die Ferienplanung ist in einem solchen Geschäft schwierig; geheiratet wird schliesslich immer, wenn auch nur noch selten in Weiss.

 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi