Der Schlüssel zur Gastfreundschaft: die sympathischen Gastgeber Julia Thiele und Jean-Daniel Moix Foto: Kathrin Horn

Der Schlüssel zur Gastfreundschaft: die sympathischen Gastgeber Julia Thiele und Jean-Daniel Moix Foto: Kathrin Horn

Einfach, oder?

Schlicht die Einrichtung, verständlich die Kochsprache, regional das Qualitätsdenken, kompetent der Service. Alles gut? Alles.

 

Die gebürtige Allgäuerin Julia Thiele und der Walliser Jean-Daniel Moix sind ein Glücksgriff für Reinach, die vor zwei Jahren die Mühle in Aesch verlassen und dem «Schlüssel» neues Leben eingehaucht haben. Gemeinsam mit Séverine Hartmans und Thomas Noirjean bieten sie eine sympathische Gastfreundschaft an, die überzeugt und bei der Latzhose genauso gut ankommt wie beim kleinen Schwarzen. Im «Schlüssel» findet das Leben in all seinen Facetten statt. Tagediebe, Schwätzer, Zuhörer, Augenmenschen, Hobbypsychologen, Schöngeister und zivilisierte Trinker treffen sich, tauschen sich aus, politisieren, palavern, lachen und bestellen Nachschlag weil es so gut schmeckt. Die Küche von Moix setzt auf regionale und saisonale Produkte, bei der das Kalbs-Cordon bleu natürlich nicht fehlen darf, zumal dieser helve-tische Evergreen seine Wurzeln im Wallis haben soll. Allerdings streiten sich darüber die Experten. Wie auch immer, es mundet, und der Bergkäse aus seiner Heimat gibt dem Klassiker die spezielle Note. Sehr beliebt ist auch die butterzarte Kalbsleber, die Moix einfach in der Butter brät oder aufwendiger mit einer vorzüglichen Madeirasauce parfümiert. Die Weinkarte ist durchdacht, und nebst den üblichen Verdächtigen lagern im Keller einige Spezia-litäten aus dem Wallis wie eine Petite Arvine, ein Païen (Heida) und Cornalin, drei Traubensorten, die von Weinfreunden sehr geschätzt werden. Natürlich geht dabei das Lokale nicht vergessen. Provenienzen von Monika Fanti und vom Weingut Tschäpperli sind genauso vertreten wie ein exzellenter Gewürztraminer von der Domaine Josmeyer aus Wintzenheim, der perfekt zur – Federviehfreunde bitte mal weglesen – hausgemachten Entenleberterrine passt.  Beim Fokus Weiss greift Moix auf ein Dessert zurück. Fait maison versteht sich. Schleckmäuler dürfen sich auf ein Zimt-Parfait mit einer Joghurtglacé und einem Calvados-Apfel-Schaum freuen.  Wer keine Freude an einem süssen Dessert hat, hält sich an den lauwarm servierten Ziegenkäse, sekundiert von frischen Feigen, die Moix subtil im Portwein pochiert. Schöne Momente im «Schlüssel».

 

Text: Martin Jenni, Foto: Kathrin Horn

 

 


 

Die Besten

 

Mohrenköpfe

Mohrenköpfe

 

Bevor eine Debatte um den Namen losgeht, sei empfohlen: einfach vollflächig reinbeissen. Schneeweiss kommt die süsse Füllmasse ans Tageslicht, umrahmt von der schokoladenen Couverture, und im Gaumen spielt sich eine Sinfonie der feinen Aromen ab. Beginnend in harmonischem Adagio, gefolgt von einem Crescendo bis zum fulminanten Fortissimo. Ein kulinarischer Höhepunkt, der viel zu früh endet. Dass Richterichs Mohrenköpfe aus Laufen die besten in der Nordwestschweiz sind, ist reihum bekannt und wird von niemandem in Frage gestellt. Zumindest nicht von denen, die das Vergnügen hatten, wenigstens einen davon zu geniessen. Was drin steckt in diesen sieben Zentimeter hohen Schokotürmen, steht zwar auf der goldgelben Verpackung, interessiert aber niemanden. Zu fein der Genuss dieser Spezialität aus Laufen, die nun schon seit sechs Jahrzehnten in den Kehlen von kleinen und grossen Geniessern verschwindet wie Regenwasser in der Dachrinne. Drei bis vier Bissen gibt er schon her, der Laufner Mohrenkopf. Aber erst der knusprige Waffelboden zum Finale macht die 30 Gramm leichte Versuchung perfekt. Wenn da nur nicht vom Gaumen her die ohrwurmige Melodie von «Einer geht noch ...» anklänge. Also bitte ein zweites Mal zuschlagen.

 

Text und Foto: Martin Staub