Teamgeist ist gefragt. Der Schmutzli der Magdalenen-Zunft beim Esel-Training. Damit am Weihnachtsmarkt in Dornach keiner störrisch wird.

Teamgeist ist gefragt. Der Schmutzli der Magdalenen-Zunft beim Esel-Training. Damit am Weihnachtsmarkt in Dornach keiner störrisch wird.

 

Insiderinfos aus der Dienstetage

Der Santiglaus in seinem prächtigen roten Gewand mit Bischofshut und Bischofsstab ist eine imposante Erscheinung. Dagegen wirkt der Schmutzli in seiner Kutte unscheinbar. Was hat es mit dem stillen Gesellen auf sich? Der Dornacher Schmutzli gibt Auskunft. 

 

Über mich erzählt man sich ja so einiges. Ein Böser sei ich einmal gewesen, der Gegenspieler zum guten Nikolaus. Sogar aus der Hölle soll ich gekommen und dann vom Nikolaus gezähmt worden sein. Ich hätte die bösen Kinder mit der Rute gefitzt oder gar in den Sack gesteckt und mit in den Schwarzwald genommen. Ja, ja, solche Geschichten musste ich mir viele anhören, dabei ist die Wahrheit eine ganz andere: Früher war der Santiglaus allein unterwegs aus dem Schwarzwald in die Dörfer und Städte. Der Sack mit den Geschenken lag auf seinem Schlitten, aber leider bemerkte der Santiglaus nicht, dass der Sack ein Loch hatte. Als er im Dorf ankam – oh weh, oh weh! – da war der Sack leer. Ganz verzweifelt war er, der Nikolaus, und da komme ich ins Spiel. Ich war damals nämlich ein Waldarbeiter – ja, ja, so war das – und habe auf dem Heimweg im Wald die Geschenke gefunden. Eines nach dem anderen habe ich aufgelesen, bis ich auf Nikolaus traf, der ganz traurig auf seinem Schlitten sass. Er freute sich riesig über mich und die Geschenke, und spontan, wie er ist, sagte er: «Einen solchen Helfer könnte ich gut gebrauchen.» Und das war’s. Seit dieser Winternacht sind wir gemeinsam unterwegs.

 

Der stille Helfer

Manche Leute behaupten, ich sei eifersüchtig auf den Santiglaus, weil der immer im Mittelpunkt steht. Aber auch das stimmt nicht. Zugegeben: Ich muss die ganzen Geschenke schleppen, und das sind gut und gerne mal dreissig Kilogramm. Aber ich bin froh, dass ich in den Stuben nur dastehen muss und dass der Nikolaus mit den Kindern redet. Das wär nichts für mich, denn da muss man manchmal ganz schön spontan sein. Ich beobachte das Geschehen lieber aus dem Hintergrund; wie etwa die Eltern schmunzeln, wenn der Sprössling dann doch ein wenig leiser wird, wenn der Santiglaus wahrhaftig vor ihm steht. Natürlich habe ich auch Aufgaben. Manchmal, wenn der Santiglaus die Schrift auf dem Zettel, der im Briefkasten lag, nicht lesen kann, fragt er mich, ob ich beim Aufschreiben gefroren und deshalb gezittert hätte; ich bin ja der, der die Kinder das Jahr über beobachtet und alles für den Santiglaus notiert. Manchmal sprechen mich die Kinder an, dann grummle ich etwas. Ich muss auch darauf achten, dass beim Santiglaus alles am richtigen Ort sitzt; Hut, Stab, Rubinring. Oder ich helfe ihm, wenn er vergisst, nach einem Verslein oder einem Lied zu fragen. Er ist halt auch nicht mehr der Jüngste. Es kam auch schon vor, dass in einer Stube noch der Fernseher lief. Da zog ich einfach den Stecker. Meistens kommen wir aber in schön dekorierte Stuben, die Kinder freuen sich schon die ganze Woche auf uns, und nach unserem Besuch sind sie den ganzen Abend auf-gekratzt. Das weiss ich, weil ich ja als Schmutzli alles weiss. Neuerdings besuchen wir auch Altersheime und so. Da kann es vorkommen, dass ein alter Mensch, der seit Monaten nicht mehr geredet hat, plötzlich ein Verslein aufsagt. Da muss selbst ich mal ein Tränchen verdrücken. Ich habe natürlich auch ein Lieblingsverslein, und das geht so: «Santiglaus, du Superman, leider bini Schmutzli-Fan!»

 

Text: Sabina Haas, Foto: Christian Jaeggi