Einen Meter tief hat Philippe Grimm oberhalb von Bad Ramsach gegraben und gepickelt – ohne Erfolg. Die gesuchte Grundplatte blieb verschollen.

Einen Meter tief hat Philippe Grimm oberhalb von Bad Ramsach gegraben und gepickelt – ohne Erfolg. Die gesuchte Grundplatte blieb verschollen.

 

Mit Pickel, Stativ und GPS

Philippe Grimm arbeitet dort, wo andere ihre Freizeit verbringen: In den Jurahöhen des oberen Baselbiets. Als Vermesser beim Amt für Geoinformation Baselland prüft er die über 100-jährigen Vermessungspunkte mit modernster Technologie nach. Und das ist ganz schön harte Arbeit.

 

Die Zeiten, als die Pioniere der Landesvermessung mit Senkblei und Massband die Schweiz vermessen haben, sind endgültig vorbei. Geblieben aber sind die steinernen Zeugen dieser Meisterleistung: mehrere Tausend Signalpunkte oder Polygone, meist unter der Erde versteckt oder überwachsen. Philippe Grimm spürt für den Kanton Baselland diese etwa 80 cm in die Erde reichenden Signalsteine auf und prüft mit seinem GPS-Gerät nach, wie genau die früheren Vermesser gearbeitet haben. Anerkennend muss er zugeben, dass die vor rund 100 Jahren entstandenen Katasterpläne erstaunlich präzise waren.

 

Trotz Geländewagen sind viele Vermessungspunkte nur mit einem längeren Fussmarsch erreichbar. «Ich bin nicht selten mal eine Stunde zu Fuss im Wald oder Gestrüpp unterwegs, bis ich einen Signalstein erreicht habe», erzählt Philippe Grimm. So kommt er an die entlegensten Orte des Kantons, die sonst kaum jemand kennt. «Ich sehe viele Tiere oder finde Vogelfedern, und über Mittag grilliere ich öfters mal an einer Feuerstelle», erzählt er begeistert. Schon als Kind und Jugendlicher hat er mit der Pfadi gerne draussen gelebt und auch heute noch verbringt er seine Freizeit am liebsten mit Bergsteigen, Canyoning oder beim Angeln. Auch mit seiner Familie ist der zweifache Vater viel draussen unterwegs, und im Winter widmet er sich mit Leidenschaft einem ganz besonderen Hobby, dem Iglubauen (mehr dazu im Artikel «Mit dem Handschuh zum Iglu»).

 

 

Auch bei Dauerregen und Schnee

Wer sich Philippe Grimms Arbeit als beschauliche Spaziergänge im schönen Baselbiet vorstellt, liegt aber falsch. Als Vermesser ist Grimm Winter wie Sommer draussen unterwegs. Bei fast jedem Wetter und meist alleine. Hin und wieder kann er zwar einen Schlechtwettertag mit Arbeiten im Büro, im Magazin oder beim Putzen und Aufräumen des Geländewagens überbrücken. Dann aber ruft wieder die Arbeit draussen, auch wenn es tagelang schneit oder regnet.  «Vor drei Jahren war der Frühling sehr nass. Meine Schuhe wurden gar nicht mehr trocken», erinnert sich Grimm. Viel macht das dem Outdoorbegeis-terten aber nicht aus.

 

Zudem sind längst nicht alle Signalsteine, die Philippe Grimm auf den Wiesen und in den Wäldern des Baselbiets sucht, noch an Ort und Stelle. Manche sind verschwunden, andere beschädigt oder stecken schräg in der Erde. Dann ist noch mehr Körpereinsatz gefragt als sonst. Denn unter den Signalsteinen haben die früheren Vermesser zur Sicherheit eine Grundplatte in die Erde gelegt, die den Vermessungspunkt genau lokalisiert. Will Philippe Grimm diese Platte finden, kommt er ums Graben und Pickeln nicht herum. Im Winter bei Schnee und Eis ist dies besonders aufwändig. «Oberhalb von Bad Ramsach mussten wir im tiefsten Winter einen Signalstein mit einem Kettenzug aus der Erde heben, um nach der Grundplatte zu suchen», erzählt Grimm.

 

Schnee, Kälte und Regen machen ihm nichts aus: Philippe Grimm liebt seine Arbeit in der Natur.

Schnee, Kälte und Regen machen ihm nichts aus: Philippe Grimm liebt seine Arbeit in der Natur.

 

Vom Büro ins Gelände

Philippe Grimm ist gelernter Schreiner, arbeitet aber schon länger nicht mehr auf diesem Beruf. Vor seiner Arbeit als Ver-messer war er bei der Outdoor-Firma Black Diamond für die Garantie und Reparatur zuständig. Nach einer Umstrukturierung musste er sich nach einem anderen Job umsehen. «Ich wollte wieder mehr mit den Händen arbeiten und habe durch Zufall diese Stelle gefunden», so Grimm. Das Arbeiten im Freien  habe ihn sofort angesprochen. «Früher machte ich indoor für outdoor, jetzt mache ich outdoor für indoor», schmunzelt Grimm und räumt ein, dass er sich im Moment nicht mehr vorstellen könnte, einen Bürojob zu machen, so sehr gefällt ihm seine Arbeit als Vermesser. «So wie ich arbeiten kann, das können die wenigsten», sagt er dankbar.

 

Text: Isabelle Hitz, Fotos: Christian Jaeggi