Der Braumeister bei seiner Arbeit. Der Geruch stimmt, das Bier kommt gut.

Der Braumeister bei seiner Arbeit. Der Geruch stimmt, das Bier kommt gut.

 

«Mit Vergnügen trinke ich Bier»

Wenn Bierbrauer Fredy Schärmeli über sein ArliBrau schwärmt, hört sich das so an, wie wenn ein fürsorglicher Vater mit geschwellter Brust über seine Zöglinge redet.

 

Bier ist ein alkoholisches Getränk, das aus Wasser, Malz und Hopfen hergestellt wird. Soweit ist klar, was das Bier nicht ist – und das Schwarzbier erst recht nicht. Sein Schaum ist weiss, meistens, aber auch nicht immer. Bier ist so vielfältig wie die Duftnoten von Weihrauch beim Hochamt in der katholischen Kirche, womit wir bei den Mönchen wären, die bis heute geniale Bierbrauer sind, was alle wissen, die sich schon einmal mit einem belgischen Trappistenbier auseinandergesetzt haben. Sie waren aber nicht die ersten Brauer, das schreibt die Wissenschaft den Chinesen zu, die vor 10 000 Jahren wohl eher zufällig damit begonnen haben, zu brauen. Den Rest der Geschichte kennt Wikipedia, doch wer kennt Fredy Schärmeli? Eben. Seine kleine Brauerei im «Adler» hat er vor einigen Jahren ins Industriegebiet von Arlesheim gezügelt. Im «Culinarium» braut er nun seine Trinkjuwelen.

 

Sechsmal trinkfreudige Glückseligkeit: die aktuelle Bier- auswahl im Degu-Glas

Sechsmal trinkfreudige Glückseligkeit: die aktuelle Bierauswahl im Degu-Glas

 

Vom Schreibtisch an den Kessel

Fredy Schärmeli ist ein vielfältiger Mensch, hat Koch gelernt, wurde Versicherungs-broker, bis er sich wieder auf seine gast-ronomischen Wurzeln besonnen hat. Als Bierliebhaber begann er zu brauen, zuerst kleinere Mengen, dann grössere, und heute sind es diverse Sorten die er braut, ausschenkt und immer noch trinkt. Denn was wäre ein Bierbrauer ohne sein Bier oder «was isch es Sändwitsch ohne Fleisch – s’isch nüt als Brot». Und ein Bierbrauer ohne Bier ist..., aber lassen wir das. Aktuell können bei ArliBrau folgende Biere getrunken und gekauft werden: Das «Spezli», ein untergäriges Lager, das «Mata Hari IPA», ein saisonales, kräftig gehopftes, das «Citra», ein mit Zitronenhopfen versehenes, das «Red Ale», ein kräftiges, bitteres, das sich perfekt für kalte Wintertage eignet und das «Pale Ale», der englische Bier-Klassiker schlechthin. Doch Schärmeli ist weit mehr als ein Brauer. Er ist Grillmeister, organisiert Kurse, damit Mann und Frau in der Saison nichts anbrennen lassen. Er stellt Nischenprodukte her, wie Senf, diverse Chutneys und Konfitüren, Ketchup und eine Salsa-Sauce der besseren Art. Was noch? 

 

Den ArliBrau-Bier-Degustationsbalken serviert Fredy Schärmeli persönlich.

Den ArliBrau-Bier-Degustationsbalken serviert Fredy Schärmeli persönlich.

 

Das Objekt der Begierde im Hexerkessel

Das Objekt der Begierde im Hexerkessel.

 

Einen Namen braucht das Kind

Als diesjähriger Höhepunkt steht sein erster Single Malt vor der Geburt. Mit Liebe gebrannt, gehegt und gepflegt, reift das Lebenswasser optimal heran. Nur einen Namen hat das Kind noch nicht. Dem kann abgeholfen werden. Wer bis zum 6. Dezember 2019 seiner Fantasie freien Lauf lässt, seinen ultimativen Whiskynamen ans BirsMagazin (siehe Infobox) einsendet, wird vielleicht an der Whiskytaufe als Ehrengast eingeladen und erhält eine Flasche ArliBrau-Single Malt von Schärmeli überreicht. «Eine dreiköpfige Jury wird entscheiden, welchen Namen unter den Einsendungen mein Whisky tragen wird», sagt Fredy Schärmeli, bevor er die Messer wetzt und seine Costine in Form schneidet. «Es ist ein unkompliziertes Gericht, das Zeit benötigt, aber einfach in der Handhabung ist. Dazu ein Bier oder ein Dram Singe Malt und der Gaumen wird gefordert, aber nicht überfordert», ergänzt er. Und da ist es wieder, das Funkeln in seinen Augen. Also doch ein Vater, eben, ein Bier-Whisky-Vater, der erst noch gut kochen kann. Die Costine sind butterzart, die Bierglasur verleiht dem Gericht Pfiff, es kommt gut, wie auch sein «Adler» gut kommen wird, der zwar immer noch etwas stottert, noch nicht vollkommen rund läuft, sich aber auf dem Weg zum perfekten Brummen hin bewegt. So wie ein Bentley mit Chauffeur. Der Tag geht, das ArliBrau ist immer noch da.

 

Fredy Schärmeli hat von seinem alten Metier nichts verlernt. Jeder Schnitt sitzt.

Fredy Schärmeli hat von seinem alten Metier nichts verlernt. Jeder Schnitt sitzt.

 

Text: Martin Jenni, Fotos: Christian Jaeggi