Mit seiner Hockey School betreibt der EHC Basel aktive Nachwuchsförderung. Fotos: Christian Jaeggi

Mit seiner Hockey School betreibt der EHC Basel aktive Nachwuchsförderung. Fotos: Christian Jaeggi

Ab aufs Eis

In der Hockey School des EHC Basel lernen Kinder schon ab vier Jahren den schnellsten Mannschaftssport der Welt kennen. So auch die Geschwister Leoni (8) und Joël (6) Haldemann aus Grellingen.  

 

«Das ist doch was für Mädchen!», bringt Leoni ihren Missmut zum Ausdruck beim Verfolgen des Eiskunstlauf-Trainings ihrer älteren Schwester. Doch nur einen Augenblick später beginnen ihre Augen zu leuchten: Die Eishockeyspieler der ersten Mannschaft haben das Eis betreten: Das Tempo ist hoch, das Eis knirscht unter den Kufen und es knallt, wenn der Puck schwungvoll mit dem Schläger in Richtung Tor spediert wird oder zwei Hünen beim Bodycheck aufeinanderprallen. Nach dieser Szene war für die Eltern, Natascha und Marc Haldemann, klar: Die jüngere Tochter, die sich von klein auf schon für die vermeintlich «klassischen» Spiele der Buben interessiert hat, soll es mal mit dem Hockeytraining probieren. Gesagt, getan, und die Begeis­terung ist nachhaltig: Diesen Oktober star­tete Leoni bereits in ihre dritte Saison auf dem Eis in der Hockey School Basel, die vom EHC angeboten wird. Seit vergangenem Jahr ist auch ihr Bruder Joël mit von der Partie. 

 

Geschwister auf dem Eis: Joël und Leoni Haldemann aus Grellingen können den Start der Hockey School kaum erwarten.

Geschwister auf dem Eis: Joël und Leoni Haldemann aus Grellingen können den Start der Hockey School kaum erwarten.

 

We will rock you!

«Man merkt, dass hier die Kinder- und Jugendförderung ein grosses Anliegen ist. Die Trainer gehen gezielt auf die Kinder ein, und die Möglichkeit, das Equipment günstig mieten zu können, erleichtert den Einstieg», sagt Natascha Haldemann. Der Höhepunkt des einstündigen Trainings am Samstagmorgen ist jeweils gegen Ende, wenn alle zusammen den Queen-Ohrwurm «We Will Rock You» mit den Schlägern auf der Bande schlagen – ein ohren­betäubender Lärm. Es sind solche Rituale, die den Nachwuchs auf dem Eis zusammenschweissen. Ebenso das gegenseitige «Abklatschen» mit der behandschuhten Faust, das schon in Zeiten Corona-konform war, als der Ausdruck mehr für ein mexikanisches Bier als für eine globale Pandemie Verwendung fand. «Leoni ist ein lebhaftes Mädchen und hat viel Energie. Seit sie Hockey spielt, kann sie hier Dampf ablassen, lernt aber auch Koordination und kann sich in der Schule merklich besser konzentrieren», sagt Vater Marc. 

 

Das Tor im Visier: Es gibt nichts Schöneres, als den Puck Richtung Goal zu schlenzen.

Das Tor im Visier: Es gibt nichts Schöneres, als den Puck Richtung Goal zu schlenzen.
 

 

Riesige Fortschritte

Wie schnell es auf dem Eis vorwärts gehen kann, zeigt das Beispiel von Bruder Joël. «Ich kann mich noch erinnern, als er letztes Jahr noch kaum auf den Kufen stehen konnte. Innerhalb einer Saison hat er riesige Fortschritte gemacht – und zeitgleich ist die Freude am Hockey gewachsen», sagt Joshua Schnellmann. Der 27-Jährige leitet nicht nur die Hockey School, sondern steht mit der Nummer 81 auch für das Fanionteam des EHC Basel auf dem Eis. Zeit­gleich mit dem Laufenlernen sei er als Knirps schon vom Hockey-begeisterten Vater auf die Rheinfelder Kunsteisbahn mitgenommen worden. Kunststück, fühlte er sich schon bald auf dem Eis ähnlich sicher wie auf festem Boden. Mit 4 Jahren besuchte der Fricktaler die Juniorenförderung des EHC Rheinfelden und wechselte ab der Stufe U15 nach Basel. «Die Nachwuchsförderung per se ist nichts Neues. Heute ist aber alles besser strukturiert und niederschwelliger», sagt Schnellmann, der mit 16 Jahren das Sportgymnasium besuchte und zwei Jahre später schon zum ersten Mal die Luft der Nationalliga B schnupperte. 

Am Puck bleiben

Die Nachwuchsförderung ist heute nicht nur professioneller, sondern auch pädagogischer aufgebaut: Trainingsabfolgen werden nicht einfach von den Erwachsenen auf Kinder und Jugendliche herunterge­brochen, sondern das spielerische Element spielt eine wichtigere Rolle. Hier steht Joshua Schnellmann sinnbildlich für die Werte der Hockey School – einerseits als aktiver Spieler der ersten Mannschaft, andererseits als angehender Primarlehrer, der auch das didaktische Geschick hat, um den Nachwuchs auf dem Eis zu halten. Mit Erfolg: Die Eishockey School erfreut sich einer steigenden Beliebtheit und verbuchte für diese Saison mit 75 Anmeldungen einen neuen Rekord. Auch die in diesem Jahr neu gegründete Skating School, die in Partnerschaft mit dem Eislaufclub beider Basel stattfindet, war bereits frühzeitig ausgebucht. «Natürlich verfolgen wir das Ziel, die Kinder für unsere Juniorenteams zu begeistern und so bei uns im Verein zu halten», sagt Schnellmann. Wer weiss: Vielleicht stehen dann in einigen Jahren auch Leoni oder Joël Haldemann bei der Meisterschaft auf dem Eis.

 

Text: Simon Eglin, Fotos: Christian Jaeggi