Hans Huber-Saal, ist das Stadtcasino Basel Fotos: Christian Jaeggi

Von links nach rechts: Georg Friedrich Händel erhob mit seinem englischen Oratorium «The Messiah» die  barocke Chormusik in den Adelsstand. Die Oratorien «Die Schöpfung» und «Die Jahreszeiten» sind grandiose Schöpfungen des Wiener Klassikers Joseph Haydn. Der romantische Komponist Franz Liszt nächtigte bei seinen Basler Besuchen im «Trois Rois», trat als Pianist im Musiksaal auf. Richard Wagner traf Franz Liszt am 6. Oktober 1853 zu einer «Künstlerfahrt» am Rheinknie. Fotos: Christian Jaeggi

Die perfekte Verschmelzung der Töne   

Nach aufwändiger Erweiterung und Renovation der historischen Konzertsäle, dem Musiksaal und dem Hans Huber-Saal, ist das Stadtcasino Basel mit den neuen Foyers und den Eingängen am Barfüsserplatz zu einem Kulturzentrum mit Glanz und Gloria aufgerückt.   

 

Einst war das «weisse Gold» Salz als Konservierungsmittel wie als Gewürz ein kostbares Gut. Im alten Rom wurde der Mineralstoff gar besteuert. Seit Reformationszeiten diente die Basler Barfüsserkirche als Lagerraum für 300 Tonnen Salz, das an Böden und Gebäude erheblichen Schaden verursachte. Erst zur Eröffnung des Histo­rischen Museums um 1894 war die Sanierung abgeschlossen. Um 1980 wurden die Ausstellungsflächen bis an die Mauern des alten Stadtcasinos unterkellert. Bei dessen Erweiterung wurden die neuen Foyers über dem Soussol  aufgestockt. So sind Museum und Musiksäle in engste Nachbarschaft gerückt.

Beste Akustik – Komponisten-Büsten

Der Musiksaal wurde 1876 nach dem Vorbild des alten Leipziger Gewandhaus erbaut. Er gilt europaweit als einer der akustisch besten Konzertsäle. Seine Proportionen (Länge = Höhe + Breite) sind günstig für die Verteilung des Raumklangs. Bei der jüngsten Renovation wurden die zugemauerten Rundbögen an der Aussenfassade zum Steinenberg durch schalldichte Fenster ersetzt, die das Tageslicht wieder einfallen lassen. 

Über den Fensterbögen grüssen drei Medaillons der Wiener Klassiker Beethoven, Mozart und Haydn. Drinnen an den Sei­tenwänden wachen weitere acht Büsten von Komponisten über die Einhaltung der strengen Regeln der Tonkunst: die deutschen Meister aus Barock, Klassik und Romantik, Bach und Händel, Liszt, Mendelssohn und Wagner.  

Die steinern bemalten, mit korinthischen Kapitellen bekränzten Säulen zeugen von einer Verehrung der antiken Tempelwelt. Viel Stuck schmückt Gesimse, Decken und Wände. 1400 Sitze im Parterre und auf dem Balkon sind dem Original von 1905  nach­gebaut und mit Samtstoff samt Messingköpfen an den Rändern überzogen. Unter den Sitzen bläst frische Luft geräuschlos durch die ausgefrästen Schlitze, womit endgültig Schluss ist mit schwitzenden Besuchern bei Sommerkonzerten!    

Der benachbarte, 1905 erbaute Hans Huber-Saal ist als Konzertsaal für Kammermusik mit 420 Sitzplätzen und dem kleinen Balkon ausnehmend schön restauriert und lässt das Tageslicht durch die hohen Fenster eindringen.     

Neue Orgel mit kräftigen Registern Über dem Podium hat die Firma Metzler ins historische Gehäuse eine neue Orgel eingebaut mit über 4000 Pfeifen und 56 Registern, die auf drei Manualen und Pedal verteilt sind. Die im September mit einem Orgelfestival gekrönte Königin der Instrumente wird vom fahrbaren Spieltisch auf dem Podium oder am angebauten Spieltisch auf Balkonhöhe gespielt. Ihr Klang reicht vom Hauch eines Flötenregisters bis zum raumfüllenden Plenum im Tutti.    

Foyers zum Flanieren  

Eine Augenweide sind die neuen Foyers mit ihren symmetrischen Dimensionen und  ihren kostbaren Materialien. Die Pausen­ebenen sind durch den ovalen Deckendurch­bruch und die hängenden Kristallleuchter räumlich wie optisch miteinander verbunden. Das Parkett ist linsenförmig kunstvoll verlegt; die Spiegelwände sind aus Chromstahl poliert; die Staketengeländer nach al­ten Musterbüchern gefräst; die Decken in den Treppenhäusern aus silbernem Schlagmetall gehämmert; die roten Tapeten aus feinstem Damast nach Mustern des Pariser Palais Garnier bezogen; die Toiletten edel gestylt; die Handläufe zur Schnecke gerundet. Die eigens gefertigten Parrucca-Leuch­ten, diese durchläs­sigen Perücken, streuen allseits sanftes Licht. Über den Foyers erlauben linsenförmige Gucklöcher raffinierte Ausblicke auf flanierende Pausengäste.

Die Architektur des Stadtcasino-Umbaus ist ausgeklügelt gestaltet und detailgenau ausgeführt. Der hehre Musiksaal und der nahtlos angrenzende Foyer-Trakt samt seiner Aussenfassade aus behandeltem Kiefernholz strahlen Eminenz und Opulenz aus. Wahrlich ein Palazzo, wie die Architekten ihren Weihetempel der Musik als Ausdruck von Grandezza bezeichnen!

 

Text: Jürg Erni, Fotos: Christian Jaeggi