Saldome 1 und Saldome 2 im Möhliner Ortsteil Riburg

Saldome 1 und Saldome 2 im Möhliner Ortsteil Riburg Fotos Christian Jaeggi

Die Dome von Möhlin

Wie die Panzer von gigantischen Schildkröten stehen sie am Ortseingang von Möhlin: Saldome 1 und Saldome 2. Den Dom Nummer zwei bespielten Künstlerinnen und Künstler der Basler Künstlergesellschaft mit einer Ausstellung zum Thema Salz. Ein Buch berichtet darüber.


In den Lagerhallen der Saline Riburg kann die unvorstellbare Menge von 190 000 Tonnen Salz gelagert werden. Mit diesem gelagerten Volumen könnte der Bedarf an Speisesalz der gesamten Schweizer Bevölkerung 7 Jahre lang gedeckt werden. Aber Salz dient ja nicht vorwiegend als Nahrungsmittel und Geschmacksverstärker, es wird in der Industrie benötigt, vor allem in der chemischen Industrie und in der Medizin, in der Landwirtschaft und ganz besonders im Winterdienst, für die Enteisung von Strassen. Da das Winterklima unberechenbar ist und nie genau vorhersehbar ist, wo und wann und in welchen Mengen das Auftausalz vonnöten sein wird, müssen solche Vorratslager gehalten werden. 
Wenn man den Saldome 2 betritt, verschlägt es einem den Atem. Unter der gigantischen Holzkonstruktion wird ein Bagger zum lächerlichen Spielzeug. Und der weisse Berg erhebt sich wie ein veritables Gebirge. Man hat den Eindruck, als könnte jederzeit eine Lawine abgehen. Die Luft ist salzig. Und bestiege man den Salzberg, würde man versinken, alle Feuchtigkeit würde einem entzogen und man würde gepökelt wieder ausgegraben.

 

Die Dome von Möhlin

 

Ausstellung und Buch

Kein Wunder, faszinierten der Bau und der Berg Michael Krarup, den Präsidenten der Basler Künstlergesellschaft (BKG). Er sprach mit Urs Hofmeier, dem Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, und die beiden wurden sich schnell einig: Die BKG würde im Saldome 2 eine Ausstellung machen mit eigens für diese Umgebung gestalteten Werken. Christian Jaeggi, Mitglied der BKG und Fotograf des BirsMagazins, schlug vor, das Entstehen der Ausstellung in einem Buch zu dokumentieren. Sabina Haas und der Autor dieses Artikels, beide ebenfalls Mitarbeitende des BirsMagazins, wurden als Schreibende an Bord geholt. Christian Jaeggi fotografierte die Künstler und die Künstlerinnen bei der Arbeit in ihren Ate­liers, Sabina Haas schrieb neun Artikel, in denen alle Aspekte des weissen Minerals behandelt werden. Mein Beitrag waren neun Porträts der teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen: Wer sind sie, was interessiert sie am Thema Salz und welches wird ihr künstlerischer Beitrag zur Ausstellung sein?

Das grosse Staunen

Caspar Abt wollte zuerst gar nicht mitmachen: «Der erhabene Kuppelbau und darunter der mächtige Salzberg, das ist vollkommen. – Bei diesem Anblick verstumme ich. Was gibt es da zu ergänzen?» Er setzt seinen Eindruck dann doch künstlerisch um. Mit den Puppenspielern Madeleine und Wolfgang Burn realisiert er eine überlebensgrosse, staunende Menschengruppe (2). Sylvia Goeschke interessiert sich für die Ordnungsprinzipien in der amorph scheinenden Natur und gestaltet ein grosses NaCl-Molekül (9). Pascal Joray erinnert ans Meer, aus dem das Salz stammt und bedruckt Fahnen, die den Weg zur Ausstellung weisen (10). In einem Bohrbau zeigt Ro­berto Bargellini die Videoinstallation «Filme im Guckkasten» (7). Der Beitrag von Ruth Urech und Gido Wiederkehr ist eine farbenfrohe Umrahmung für das Tor – durch das Bagger problemlos ein- und ausfahren – auf der in Schablonierschrift das Zitat aus der Bergpredigt zu lesen ist: «Das Salz der Erde» (1). Barbara Groher fällt auf dem Gelände eine rostige Glocke auf, die wohl früher vor Gefahren warnte und bei Unfällen Hilfe herbeiläutete. Sie erinnert mit ihrer Installation an die urtümliche Verbindung von Salz und Brot (8). Sybille Krauer-Büttiker lässt sich vom Begriff «Dom» inspirieren und schafft einen Salzaltar (5). 

Geheimnisvolles Salz

Roman Müller hängt ein Mobile auf, weit oben über dem Salzberg, das man erst wahrnimmt, nachdem die Augen sich ans schwache Licht gewöhnt haben. Er sagt: «Ich will darauf hinweisen, dass in der Tiefe, dort, wo das Meer das Salz abgelagert hat, vielleicht noch ein Geheimnis schlummert» (4). Dominik His erinnert an die Aggressivität des Salzes. Er gestaltet eine Stadtlandschaft aus Gips und lässt während der ganzen Ausstellung aus einer künstlichen Wolke Salzwasser darauf tropfen. Das Endprodukt entsteht aus einem Kampf zwischen Gips und Salz (6). Ursula Bohren und Claudio Magoni (maboart) erinnern daran, dass Salz Unglück und Verlust abwenden und böse Geister, Dämonen und Krankheiten vertreiben soll. Sie projizieren einen geheimnisvollen roten Fleck auf den Salzberg und lassen die Gäste Salz über ihre linke Schulter werfen, um dem Teufel, der dort sitzen könnte, Salz in die Augen zu streuen (3).

Die Ausstellung ist leider vorbei, doch das farbige, reich illustrierte Buch ist noch zu haben. Man erfährt darin alles über Salz, und es dokumentiert den Prozess der Annäherung von 13 Künstlerinnen und Künstlern an das weisse Gold.

 

Text: Jürg Seiberth, Fotos: Christian Jaeggi