Urs Ch. Hofmeier, Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, packt auch gerne mal mit an. Fotos: Christian Jaeggi

 Urs Ch. Hofmeier, Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, packt auch gerne mal mit an. Foto: Christian Jaeggi

Salz – ein alltägliches Produkt?

«Faszinierend», «hochinteressant», «mit Emotionen beladen» – so beschreibt Dr. Urs Hofmeier, Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, die unentbehrlichen weissen Körnchen. Diese Begeisterung zeigt sich nicht zuletzt in der Vielzahl an Geschichten, die er über das Salz zu erzählen weiss.

 

Fast muten sie an wie Pulverschnee, die Salzberge, die im Werk Riburg der Schweizer Salinen unter den beiden Saldomen auf den Winter warten; 180 000 Tonnen können die beiden Bauwerke aufnehmen, insgesamt liegt die Lagerkapazität in Schweizerhalle und Riburg bei 255 000 Tonnen Losesalz und 19 500 Paletten. Doch braucht es solche Mengen überhaupt noch bei unseren zunehmend milden Wintern? «Laut unseren Verkaufsstatistiken ist der Salz­verbrauch in den letzten Jahren stetig 
angestiegen», so Hofmeier (59). «Zwar hat sich die Streutechnik verbessert, aber die Sicherheitsanforderungen sind gestiegen. Sicher gibt es milde Winter, manchmal auch zwei oder drei hintereinander, aber die Extreme sind grösser geworden. Und darauf müssen wir vorbereitet sein.»
Kommt hinzu, dass es Auftausalz nicht nur bei grossem Schneefall braucht, sondern auch bei sogenanntem Frostwechsel, also bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, und das ist auch in unseren Breitengraden oft der Fall. Eingeschränkte oder stillstehende Mobilität durch winterliche Wetterlagen würde die Schweiz nicht nur sehr teuer zu stehen kommen, sondern in Bergregionen das gesamte gesellschaftliche Leben zum Erliegen bringen, inkl. ärztliche Versorgung und Gütertransport. Durch die unregelmässig starken Winter muss Hofmeier sein Produkt also teilweise lange Zeit lagern, ehe er es verkaufen kann. Ein pri­vates Unternehmen könnte sich das nicht leisten, würde spätestens beim zweiten mil­­den Winter die Salzlager reduzieren, und damit wäre das Chaos vorprogrammiert.

 

Salz wurde mehr als ein Jahrtausend auf immer den gleichen Verkehrsachsen transportiert, z. B. über die Salzstrasse am Jura-Osthang unterhalb von Sainte-Croix (VD) und Vuiteboeuf.

Salz wurde mehr als ein Jahrtausend auf immer den gleichen Verkehrsachsen transportiert, z. B. über die Salzstrasse am Jura-Osthang unterhalb von Sainte-Croix (VD) und Vuiteboeuf.

 

Segen und Fluch in einem

Dieses Chaos zu verhindern, ist die Ver­antwortung der Schweizer Salinen AG. Das Unternehmen stellt im Auftrag der Kantone sicher, dass die Schweiz immer genug Salz an Lager hat. Eine Art Service Public, oder wie Hofmeier es ausdrückt: die «raison d’être» der Salinen. Im Gegenzug verwalten sie das Monopol auf die Förderung und den Import von Salz, das sogenannte Salzregal, das auch einen einheitlichen Salzpreis in der ganzen Schweiz garantiert. Hofmeier führt also einen Betrieb mit stabilen Preisen in einem sicheren Markt ohne Konkurrenten. Eigentlich eine traumhafte Situation. «Es ist sowohl Segen als auch Fluch», relativiert er. Segen insofern, als dass er über gewisse Dinge, wie etwa die Lagerhaltung, nicht diskutieren muss, oder darüber, dass die Lieferung von Salz in die kleine Gemeinde im Puschlav gleich viel kostet wie die nach Basel. Segen auch, dass er sich ganz auf den Auftrag seines Unternehmens konzentrieren kann. Doch Hofmeier versteht sich als liberaler Unter­nehmer, der gerne in einem Markt mit Konkurrenz und spannenden Produkten agiert – Fluch Nummer eins. Fluch Nummer zwei ist die menschliche Trägheit, die ohne fehlenden Druck keinen Grund zur Veränderung sieht. «Im Unternehmen heisst es: Der einzige, der Druck macht, ist der Hofmeier!», sagt der Chef lachend. Mit viel Geduld und Verständnis, aber auch Hartnäckigkeit, macht er seiner Belegschaft Mut zu Veränderungen.

 

Saline

1. Ist das Bohrloch angelegt, bleibt nur noch eine Art grosser Abflussdeckel sichtbar. 2. Bahn- und LKW-Verladestation für Losesalz. 3. Nach dem Verdampfen und Zentrifugieren wird das Salz über ein Förderband ... 4. ... in den Trocknungsraum geleitet und später in eines der Losesalzlager. 5. Im Palettenlager ist Platz für 19 500 Paletten abgepacktes Auftau- und Industriesalz. 6. Die Mehrtagesreserven für Auftausalz werden in lokalen Salzsilos gelagert. 7. Die alten Bohrhäuser können im Werk Riburg besichtigt werden. 8. Salz macht nicht nur unser Essen schmackhafter, es ist auch für das gesunde Funktionieren unseres Körpers unerlässlich. 9. «Das weisse Gold» wurde früher gerne in wertvollen Gefässen aufbewahrt. 10. Eine der Lagerhallen nach einem strengen Winter.

 

Zufrieden ist nicht genug

Denn seine Ziele siedelt er hoch an: Er will nichts Geringeres, als die Schweizer Salinen zur weltbesten Siedesalzsaline machen. «Wir müssen also überall die Besten sein – im Kundendienst, im Service, bei den Produkten.» Mit zufriedenen Kunden gibt er sich nicht zufrieden, er möchte, dass sie begeistert sind. Doch vor den Kunden muss er die Belegschaft an Bord holen, «und das braucht viel Überzeugungsarbeit». Ein grosses Thema ist auch die Nachhaltigkeit, angefangen beim Ersatz der PET- durch Glasflaschen über verschiedene Kreislaufbewirtschaftungen bis zur naturnahen Umgestaltung des Betriebsareals und dem Naturfonds Salzgut, der von jeder verkauften Tonne Salz einen Franken erhält. Und so hat sich Hofmeier mit seinen Visionen und Zielen doch genug Druck geschaffen, um das Unternehmen mit einer ihm gebührenden Begeisterung fit für die Zukunft zu machen.
 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi